Biden warnt nach Trump-Attentat vor Gewalt im US-Wahlkampf
15.07.2024 - 05:00:03"Wir lösen unsere Meinungsverschiedenheiten an der Wahlurne. So machen wir es - an der Wahlurne, nicht mit Kugeln", sagte Biden bei einer seltenen Ansprache an die Nation aus dem Oval Office im WeiĂen Haus.
Die politische Debatte im Land sei sehr hitzig geworden. "Es ist Zeit, sie abzukĂŒhlen", mahnte er. "Wir alle haben die Verantwortung, das zu tun." Gewalt sei nie eine Lösung, betonte Biden. "Wir sind keine Feinde."
Eine solche abendliche Ansprache aus dem BĂŒro des PrĂ€sidenten in der Regierungszentrale, die live im Fernsehen ĂŒbertragen wird, ist krisenhaften Momenten und groĂen ZĂ€suren im Land vorbehalten. Genau damit haben es die Vereinigten Staaten nach dem Gewaltakt gegen PrĂ€sidentschaftsbewerber Trump momentan zu tun.
Der US-PrĂ€sident betonte in seiner Rede: "Ich werde mich weiterhin mit Nachdruck fĂŒr unsere Demokratie einsetzen, fĂŒr unsere Verfassung und die Rechtsstaatlichkeit eintreten und zum Handeln an der Wahlurne aufrufen, ohne Gewalt auf unseren StraĂen." So sollte die Demokratie funktionieren, mahnte er. "Wir stehen fĂŒr ein Amerika nicht des Extremismus und der Wut, sondern des Anstands und der GĂŒte."
Biden mahnt eindringlich
Biden betonte: "Hier in Amerika mĂŒssen wir aus unseren Silos herauskommen, in denen wir nur auf diejenigen hören, mit denen wir einer Meinung sind." Er warnte vor Fehlinformationen und "auslĂ€ndischen Akteuren, die die Flammen unserer Spaltung schĂŒren, um Wahlergebnisse zu beeinflussen, die ihren Interessen entsprechen und nicht unseren".
Der 81-JĂ€hrige erwĂ€hnte auch den Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021. AnhĂ€nger Trumps hatten damals gewaltsam den Parlamentssitz in Washington gestĂŒrmt. Dort war der Kongress zusammengekommen, um den Sieg Bidens bei der PrĂ€sidentenwahl von 2020 formal zu bestĂ€tigen. Trump hatte seine AnhĂ€nger zuvor bei einer Rede durch unbelegte Behauptungen aufgewiegelt, dass ihm der Wahlsieg durch massiven Betrug gestohlen worden sei.
Attacke auf Trump
Ein Mann hatte am Samstag bei einer Wahlkampfrede Trumps im Bundesstaat Pennsylvania auf den 78-JÀhrigen geschossen und ihn am Ohr verletzt. Der TÀter, laut Bundespolizei FBI ein 20 Jahre alter Mann aus der Region, wurde von SicherheitskrÀften getötet. Ein Motiv machten die Ermittler noch nicht aus. Der junge Mann tötete einen Feuerwehrmann und Familienvater, der als Zuschauer bei der Veranstaltung war. Zwei weitere Teilnehmer wurden schwer verletzt.
Biden hatte das Attentat bereits kurz nachdem es passierte verurteilt. Weltweit ist das Entsetzen groĂ und schĂŒrt mitten im Wahlkampf Ăngste vor einer politischen Gewaltspirale in den USA.
Trump will bei der PrÀsidentenwahl am 5. November den demokratischen Amtsinhaber Biden herausfordern. Etliche hochrangige Vertreter beider Parteien in den USA verurteilten den Angriff.
Sicherheit bei Republikaner-Parteitag
Nach dem Attentat steht die Frage im Raum, ob die Veranstaltung und Trump ausreichend geschĂŒtzt waren. Biden hatte eine unabhĂ€ngige Untersuchung dazu angekĂŒndigt, um zu klĂ€ren, was genau passiert ist.
Unter dem Eindruck des Attentats startet am Montag der Nominierungsparteitag der Republikaner. Der Secret Service plant bislang nicht, die MaĂnahmen zu verschĂ€rfen. Bei dem Mega-Event soll Trump im Laufe der Woche offiziell als PrĂ€sidentschaftskandidat der Partei gekĂŒrt werden. Trump ist nach dem Angriff bemĂŒht, keinen Eindruck von SchwĂ€che aufkommen zu lassen: Er reiste noch am Sonntag nach Milwaukee im US-Bundesstaat Wisconsin. Dort findet die Parteiversammlung statt.
Die politische Stimmung in den Vereinigten Staaten ist seit Jahren aufgeheizt. Das US-Justizministerium beklagte zu Jahresbeginn einen "zutiefst beunruhigenden Anstieg der Drohungen" gegen AmtstrÀger und demokratische Institutionen im Land.

