USA verhÀngen Sanktionen gegen Weltstrafgericht
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 18:39 Uhr | dpa, AD HOC NEWS(neu: ErklÀrung von acht Staaten, darunter Deutschland)
WASHINGTON/DEN HAAG (dpa-AFX) - Die US-Regierung hat Sanktionen gegen den Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) verhĂ€ngt. Man werde Transaktionen mit dem Gericht untersagen, seine Ressourcen abschneiden und seine HandlungsfĂ€higkeit einschrĂ€nken, teilte das US-AuĂenministerium mit. Zuvor hatte es bereits US-Sanktionen gegen einzelne Richter und AnklĂ€ger des Weltstrafgerichts mit Sitz in Den Haag gegeben.
Laut US-AuĂenministerium werden durch die Sanktionen jegliche Vermögenswerte des Internationalen Strafgerichtshofs in den USA gesperrt und mĂŒssen dem US-Finanzministerium gemeldet werden. US-BĂŒrgern sind sĂ€mtliche Transaktionen mit dem Weltstrafgericht verboten. Zugleich sollen die Sanktionen erst nach 180 Tagen in Kraft treten, um "um substanzielle Fortschritte bei diplomatischen und rechtlichen Resolutionen nachzuweisen, die grundlegende Bedenken der USA hinsichtlich des Internationalen Strafgerichtshofs ausrĂ€umen".
Die AnkĂŒndigung der US-Regierung kam nur wenige Stunden, nachdem der Friedensnobelpreis an die sĂŒdafrikanische Juristin Navanethem Pillay verliehen worden war. Pillay war von 2003 bis 2008 Richterin an dem Gericht. Die Auszeichnung komme in einer Zeit, in der internationales Völkerrecht immer stĂ€rker unter Druck gerate, sagte Pillay in einer ersten ErklĂ€rung nach ihrer Auszeichnung. "Diese sich verschlechternde Entwicklung zeigt sich besonders deutlich an den Angriffen auf den Internationalen Strafgerichtshof", so die Juristin.
Mehrere Vertragsstaaten weisen Sanktionen zurĂŒck
Neun Vertragsstaaten des Gerichts, darunter Deutschland, sicherten die "anhaltende und unerschĂŒtterliche UnterstĂŒtzung fĂŒr die UnabhĂ€ngigkeit, Unparteilichkeit und IntegritĂ€t des IStGH" zu.
Sie wiesen die angekĂŒndigten Sanktionen entschieden zurĂŒck und versicherten dem Gericht auch die UnterstĂŒtzung, um die FunktionsfĂ€higkeit des Gerichts zu garantieren.
Zugleich betonen sie ihre Bereitschaft zu einem konstruktiven Dialog auch mit Nicht-Vertragsstaaten. Die ErklĂ€rung wurde von Deutschland, Kanada, DĂ€nemark, Frankreich, Italien, Japan, den Niederlanden und GroĂbritannien unterzeichnet.
Deutschland und EU stellen sich hinter Weltstrafgericht
Die neuen StrafmaĂnahmen kommen nicht unerwartet. Die USA hatten bereits damit gedroht. US-PrĂ€sident Donald Trump hatte im September vor der UN-Generalversammlung die Staaten aufgerufen, das Gericht zu verlassen. Daraufhin hatten Deutschland, die Niederlande und andere EU-Staaten dem Gericht die volle UnterstĂŒtzung zugesichert.
Die EU-Kommission zeigte sich in einer ersten Reaktion besorgt ĂŒber das Vorgehen der USA. Sie kĂŒndigte an, weiter mit dem Weltstrafgericht zusammenarbeiten zu wollen, damit dieses effektiv arbeiten könne. Zugleich hofft sie auf einen Dialog bis zum Inkrafttreten der Sanktionen.
Bundesjustizministerin Stefanie Hubig sprach von einem finsteren Tag fĂŒr das internationale Recht und die Idee einer regelbasierten Weltordnung. Es sei eine "bittere Pointe", dass dies am gleichen Tag geschehe, an dem einer ehemaligen Richterin des Gerichtshofs der Friedensnobelpreis zugesprochen werde, sagte die SPD-Politikerin. Der Internationale Strafgerichtshof sei ein Friedensprojekt, denn Frieden entstehe durch Gerechtigkeit. Sie betonte: "Deutschland hat sich von Beginn an fĂŒr den Internationalen Strafgerichtshof stark gemacht - und wir mĂŒssen das weiterhin tun."
Kritik an neuen US-Sanktionen
Das Gericht selbst verurteilte die StrafmaĂnahmen der USA. "Es ist ein Angriff auf die Rechtsstaatlichkeit und auf die Grundfesten der internationalen Rechtsordnung, der das einfache Prinzip untergrĂ€bt, dass niemand ĂŒber dem Gesetz steht", heiĂt es in einer Stellungnahme des Gerichts. Es sprach von einem "beispiellosen Schritt". Zuvor hatte die US-Regierung bereits Sanktionen gegen 13 Richter und AnklĂ€ger verhĂ€ngt. Die USA versuchten damit, "den Lauf der Justiz zu behindern", erklĂ€rte der Gerichtshof.
Ein Anlass fĂŒr die Sanktionen ist, dass das Gericht einen Haftbefehl gegen den israelischen MinisterprĂ€sidenten Benjamin Netanjahu erlassen hatte wegen des Verdachts auf Kriegsverbrechen im Gazastreifen.
Das Gericht hat 125 Vertragsstaaten und verfolgt seit 2002 Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord. Die USA sind wie auch China, Israel und Russland kein Mitglied.
So begrĂŒnden die USA ihr beispielloses Vorgehen
US-AuĂenminister Marco Rubio begrĂŒndete das Vorgehen unter anderem damit, dass die USA nie dem Gerichtshof beigetreten seien. "Wir brauchen ihn nicht. Und wir wollen ihn nicht", sagte er weiter. "Jahrzehntelang" hĂ€tten Demokraten wie Republikaner die Idee abgelehnt, dass das Weltstrafgericht die Möglichkeit haben sollte "amerikanische StaatsbĂŒrger, Angehörige des MilitĂ€rs oder politische AnfĂŒhrer zu verfolgen".

