Varta-Insolvenz: 3.260 Beschäftigte in Deutschland betroffen
Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 21:10 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Batteriehersteller Varta hat am heutigen Freitag Insolvenzanträge in Eigenverwaltung gestellt. Betroffen sind die Varta AG sowie die Töchter Varta Microbattery, Varta Micro Production und Varta Storage. Das Amtsgericht Stuttgart ist zuständig.
Eine akute Zahlungsunfähigkeit liege nicht vor, betont das Unternehmen. Doch der bisherige Kurs sei nicht mehr tragfähig. Varta will sich nun umfassend sanieren.
Warum Varta in die Krise rutschte
Drei Faktoren brachten den Konzern in Schieflage: eine schwächere Marktnachfrage, negative Währungseffekte – und der Verlust eines Großkunden.
Apple bezog bislang Knopfzellen von Varta, lässt diese aber künftig in China fertigen. Die Zusammenarbeit endete bereits im Mai. Das belastet die Bilanz massiv.
Für 2024 wies Varta einen Umsatz von rund 793 Millionen Euro aus – bei einem Verlust von 64,5 Millionen Euro. Die Forderungen gegen das Unternehmen liegen bei rund 298 Millionen Euro. Experten schätzen den kurzfristigen Liquiditätsbedarf auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag.
Eigentümer springen nicht ein
Weder Eigentümer Michael Tojner noch der Automobilhersteller Porsche stellen neues Kapital bereit. Varta ist daher auf die Kooperation mit den Gläubigern angewiesen.
Eine Gläubigergruppe – darunter die Deutsche Bank, RBC BlueBay, Blantyre und Whitebox – plant eine weitreichende Umstrukturierung. Ihr Ziel: das profitable Geschäft mit Haushaltsbatterien aus dem Konzern herauszulösen. Diese Consumer-Sparte ist nicht Teil des Insolvenzverfahrens. Die Übernahme soll per Debt-to-Equity-Swap erfolgen, bei dem Forderungen in Eigenkapital umgewandelt werden.
Die Varta-Insolvenz betrifft 3.260 Beschäftigte – darunter 350 Mitarbeiter des Werks Nördlingen, das im Herbst schließen soll. Als HR-Verantwortlicher müssen Sie jetzt Lohnfortzahlung, Insolvenzgeld und Sozialplan prüfen. Dieser Leitfaden liefert die wichtigsten Schritte. HR-Leitfaden zur Varta-Insolvenz anfordern
Parallel gibt es Interesse an den Mikrobatterien, die unter anderem in Hörgeräten stecken. Hier signalisierte Tojner Interesse an einer Fortführung. Der Bereich für E-Auto-Batterien (V4-Smart) ist vom Verfahren nicht betroffen.
Werk in Nördlingen wird geschlossen
Varta beschäftigt weltweit rund 4.000 Mitarbeiter, davon etwa 3.000 in Deutschland. Die Löhne und Gehälter der rund 3.260 betroffenen Beschäftigten sind vorerst gesichert.
Doch es gibt Einschnitte: Das Werk in Nördlingen mit rund 350 Mitarbeitern soll im Herbst schließen. Grund ist explizit der Rückzug von Apple.
Die IG Metall zeigt sich alarmiert. Bezirksleiterin Barbara Resch spricht von einem Traditionsunternehmen mit 139-jähriger Geschichte, in dem nun Existenzen auf dem Spiel stünden. Sie kritisiert eine aus ihrer Sicht zu starke Renditefokussierung der Vergangenheit.
Was jetzt passiert
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Zum vorläufigen Sachwalter bestellte das Gericht Rechtsanwalt Tobias Wahl von der Kanzlei Anchor. Er überwacht das Verfahren. Die Geschäftsführung unter CEO Michael Ostermann bleibt im Amt.
Die Entscheidung des Gerichts über die Anträge wird in den kommenden Tagen erwartet.
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