Verbrenner-Aus, EU-Parlament

Verbrenner-Aus: EU-Ausschuss stimmt für Lockerung ab 2035

Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 16:46 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Der Umweltausschuss des Europaparlaments will der Autoindustrie nach 2035 mehr Spielraum für Benzin-, Diesel- und Hybridfahrzeuge geben. Über die endgültige Änderung entscheidet das Plenum voraussichtlich im Dezember gemeinsam mit dem weiteren Verfahren der EU-Staaten.

CO2-Vorgaben für Neuwagen

  • Der Umweltausschuss stimmte mit 48 zu 30 Stimmen bei zwei Enthaltungen für die Lockerung.
  • Bis 2035 soll der CO2-Ausstoß von Neuwagen grundsätzlich um 95 Prozent sinken.
  • Klimafreundlicher Stahl könnte Herstellern zusätzliche Spielräume von 7,5 Prozentpunkten ermöglichen.
  • Fest steht: In der EU sollen weniger Abgase ausgestoßen werden als bisher. (Symbolbild) - Bild: Daniel Bockwoldt/dpa
  • Elektroautos werden in Deutschland immer beliebter. (Symbolbild) - Bild: Hendrik Schmidt/dpa
Fest steht: In der EU sollen weniger Abgase ausgestoßen werden als bisher. (Symbolbild) - Bild: Daniel Bockwoldt/dpa Elektroautos werden in Deutschland immer beliebter. (Symbolbild) - Bild: Hendrik Schmidt/dpa

EU-Umweltausschuss stimmt für Lockerung ab 2035

Der Umweltausschuss des Europaparlaments hat für eine Lockerung des Verbrenner-Aus gestimmt. Damit könnten Autohersteller auch nach 2035 neue Verbrenner und Hybridfahrzeuge verkaufen, ohne bei Einhaltung der neuen Vorgaben Strafzahlungen fürchten zu müssen.

Plenum muss noch entscheiden

Voraussichtlich im Dezember stimmt das Europäische Parlament als Ganzes über den Vorschlag ab. Parallel erarbeiten die 27 EU-Staaten eine gemeinsame Position; ohne eine Einigung von Parlament und Mitgliedstaaten tritt keine Änderung in Kraft.

Neue CO2-Grenzen bis 2035

Nach den bisherigen Regeln sollen Neuwagen in der EU ab 2035 im Betrieb kein klimaschädliches CO2 mehr ausstoßen dürfen. Der Vorschlag der EU-Kommission sieht dagegen vor, dass die Hersteller ihre durchschnittlichen Emissionen nur noch um 90 Prozent reduzieren und die restlichen zehn Prozent über CO2-neutrale Kraftstoffe oder grünen Stahl kompensieren.

Der Ausschuss geht über diesen Ansatz hinaus. Er will, dass der CO2-Ausstoß von Neuwagen bis 2035 im Vergleich zum Ausgangsjahr 2021 um 87,5 Prozent sinkt. Grundsätzlich soll die Minderung 95 Prozent betragen; bei klimafreundlich produziertem Stahl sollen Hersteller zusätzlich um 7,5 Prozentpunkte abweichen dürfen.

Abgeordnete stimmen mit klarer Mehrheit

Für den Vorschlag votierten 48 Abgeordnete, 30 stimmten dagegen, zwei enthielten sich. Kleine Elektrofahrzeuge aus der EU sollen bei der Berechnung der durchschnittlichen Herstelleremissionen stärker gewichtet werden und die Bilanz dadurch besonders verbessern.

Der Entscheidung war eine Verständigung von Unterhändlern der konservativen EVP, der sozialdemokratischen S&D und der liberalen Fraktion Renew Europe vorausgegangen. Die drei Gruppen verfügen zusammen über eine Mehrheit im Parlament; einzelne Abgeordnete könnten ihre Zustimmung im Plenum jedoch von einer Einigung zur Industrieförderung abhängig machen.

Deutschland und Frankreich drängen auf Lockerung

Deutschland und Frankreich hatten auf Ebene der EU-Staaten zuvor ebenfalls eine weitreichende Aufweichung vorgeschlagen. Der Kompromiss sieht vor, dass Hersteller ihre durchschnittlichen Emissionen ab 2035 nur noch um 90 Prozent senken müssten, ohne die verbleibenden zehn Prozent kompensieren zu müssen.

Bundesumweltminister Carsten Schneider hält Elektroautos dennoch für zukunftsfähig. Er verwies auf ihre technische und wirtschaftliche Vorteile sowie auf die Aufgabe, die Produktion stärker in Europa zu sichern.

Elektroautos gewinnen an Bedeutung

In Deutschland war im Oktober mehr als jedes dritte neu zugelassene Auto ein reines Elektrofahrzeug. Zugleich sank der Anteil von Verbrennern an der gesamten Fahrzeugproduktion in der EU zwischen 2020 und 2025 von 91 auf 72 Prozent; batterieelektrische Fahrzeuge erreichten 2025 einen Anteil von 19 Prozent.

Befürworter der Ausschussentscheidung sehen darin mehr technologische Freiheit und bessere Perspektiven für die Lieferkette. Kritiker warnen dagegen vor weniger Planungssicherheit, schwächeren Investitionsanreizen und einer Verzögerung des Umstiegs auf klimafreundliche Mobilität.

Die Ausschussentscheidung verschiebt den Streit über das Verbrenner-Aus von der Grundsatzfrage hin zur konkreten Ausgestaltung der CO2-Flottengrenzwerte. Der bisherige EU-Kurs sollte Herstellern ab 2035 faktisch nur noch emissionsfreie Neuwagen ermöglichen. Der nun unterstützte Ansatz ließe zusätzliche Verbrenner und Hybride zu, wenn die Hersteller die Flottenvorgaben über Emissionsminderungen, klimafreundlich produzierten Stahl und weitere Anrechnungen erfüllen.

Industriepolitik und Klimaschutz

Für die Autoindustrie bedeutet das mehr Spielraum bei Antriebstechnologien und Modellstrategien. Hersteller könnten länger unterschiedliche Antriebe anbieten, während kleine Elektrofahrzeuge die durchschnittliche Emissionsbilanz stärker verbessern sollen. Befürworter verbinden diesen Spielraum mit dem Schutz von Wertschöpfungsketten und Arbeitsplätzen in Europa.

Dem steht das Risiko entgegen, dass ein schwächerer Regulierungsdruck Investitionen in Elektromobilität verlangsamt. Gerade im Wettbewerb mit chinesischen Produzenten zählt nicht nur, welche Fahrzeuge verkauft werden dürfen, sondern auch, wie schnell europäische Unternehmen wettbewerbsfähige Elektroautos entwickeln und in großen Stückzahlen fertigen.

Entscheidung im Dezember

Für Verbraucher ändert sich zunächst nichts an den geltenden Regeln. Eine Änderung müsste nach der erwarteten Plenarabstimmung im Dezember auch von den EU-Staaten getragen werden. Bis dahin bleibt offen, ob Parlament und Mitgliedstaaten denselben Zuschnitt der Lockerung unterstützen. Für Käufer, Zulieferer und Hersteller hängt damit vor allem die langfristige Planungssicherheit von den weiteren Verhandlungen ab.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Stern: „Verkehr: EU-Abgeordnete stimmen für Aufweichung des Verbrenner-Aus“ (04.11.2026)

Der Beitrag bestätigt das Votum des Umweltausschusses und hebt die geplante Reduktion der Flottenemissionen um 87,5 Prozent bis 2035 hervor. Im Mittelpunkt stehen außerdem die noch ausstehende Plenarentscheidung und die gemeinsame Position der EU-Staaten.

n-tv: „Lob für heimische Hersteller: Umweltminister Schneider prophezeit deutsche Aufholjagd bei E-Autos“ (04.11.2026)

Der Artikel ordnet die Entscheidung stärker aus Sicht der deutschen Autoindustrie und von Bundesumweltminister Carsten Schneider ein. Er betont, dass Schneider trotz der möglichen Lockerung mit einem Durchbruch der Elektroautos rechnet und die Produktionsfrage gegenüber China hervorhebt.

Beide Beiträge stimmen beim Ausschussvotum und beim weiteren parlamentarischen Verfahren überein. Unterschiede liegen vor allem im Schwerpunkt: Während der Stern die Regelungsdetails und das institutionelle Verfahren betont, rückt n-tv die deutsche Elektromobilität und die industriepolitische Perspektive in den Vordergrund.

Disclaimer...
de | wirtschaft | 70457995 |