VerrĂŒckte, MĂ€rkte

VerrĂŒckte MĂ€rkte und die entscheidende Frage!

Veröffentlicht: 06.10.2006 um 19:35 Uhr, Redaktion AD HOC NEWS, Redaktionelle Verantwortung: Rafael MĂŒller (Chefredaktion)

Wer sich schon etwas lĂ€nger mit den RohstoffmĂ€rkten beschĂ€ftigt, wird mir zustimmen, dass diese sich in den letzten Monaten drastisch verĂ€ndert haben. Ein aktuelles Beispiel das ich gerne aufgreifen möchte (da hierzu sehr viele Mailanfragen bei mir ankamen) ist Weizen. Der Dezember Chicago Weizen Future ist wĂ€hrend der letzten beiden Wochen geradezu explodiert und konnte bisher einen Gewinn von fast zwölf Prozent verbuchen. Ausschlaggebend waren mehrere Faktoren. Das Klima in Australien wird in den nĂ€chsten sieben Tagen weiterhin trocken sowie heiß bleiben und stellt damit eine ernstzunehmende Gefahr fĂŒr die Ernte dar. Des weiteren gibt es Meldungen, wonach der Export aus der Ukraine aufgrund von Verzögerungen bei der Verladung der Schiffe verlangsamt werden könnte. ZusĂ€tzlich ist das weltweite Ending Stocks to Use Ratio bei extrem niedrigen 20,5% angekommen und lĂ€sst damit keinen Spielraum mehr fĂŒr grĂ¶ĂŸere AusfĂ€lle zu. Grundlegend könnte man sagen, dass die fundamentalen Aussichten fĂŒr Weizen gĂŒnstig sind. Die entscheidende Frage ist jedoch: Wie lange die Fundamentals den aktuellen Höhenrausch des Dezemberfutures unterstĂŒtzen? WĂ€hrend sich Kansas und Minneapolis Wheat von der aktuellen Rallye schon vor lĂ€ngerem verabschiedet haben und bei weitem keine neuen Hochs mehr erreichten, konnte Chicago Wheat auf ein Jahrzehntehoch klettern. Interessant ist jedoch, dass die Auslandsnachfrage nach US Weizen sehr schleppend ist und auf dem aktuellen Niveau außer Ägypten (darauf komme ich gleich zurĂŒck) niemand mehr diesen Rohstoff kaufen will. Laut dem gestrigen „Export & Sales Report“ liegen die Exporte 16% unter dem Vorjahr. Bisher wurden auch erst 43% der SchĂ€tzmenge der USDA exportiert, verglichen mit 48,3% im Durchschnitt der letzten fĂŒnf Jahre. Auf Wochensicht zeigt sich ein RĂŒckgang der Exporte um 7,5%. Hieraus lĂ€sst sich schließen, dass Weizen von den auslĂ€ndischen Exporteuren als zu teuer angesehen wird. Weiter oben hatte ich erwĂ€hnt, dass Ägypten US Weizen gekauft hat. Diese Meldung erreichte uns am Mittwoch und trieb die Notierungen des Dezember Futures anschließend auf Limit up. Analysten ließen verlautbaren, dass der Ă€gyptische Kauf als Zeichen fĂŒr eine akute Knappheit angesehen werden könne. Normalerweise warten die Exporteure auf RĂŒcksetzer um sich dann einzudecken, weswegen der Kauf auf den derzeitigen Niveaus eine echte Sensation war. Aktuell notiert Dezember Chicago Weizen erneut sieben Cents im Plus, konnte allerdings den sehr bĂ€rischen Reversal Day von gestern noch nicht ĂŒbertreffen. Ich persönlich, rechne damit, dass eine Korrektur bzw. Trendumkehr bei Weizen mittlerweile ĂŒberfĂ€llig ist. Bemerkenswert ist jedoch, dass sich der von mir am Wochenende vorgestellte Bull Spread extrem gut entwickelt hat und zeigt, dass der Dezember Future ĂŒber dem nachfolgenden Juli Kontrakt liegt. Ich rechne weniger damit, dass die Futures einen Engpass sehen werden, da die AnbauflĂ€che aufgrund der extrem hohen Preise sehr schnell gesteigert werden und damit der Mangel ziemlich rasch ausgeglichen wird. Erkennbar ist diese Vermutung anhand des oben erwĂ€hnten Spreads. Kurzfristig könnte es zu AusfĂ€llen kommen, jedoch rechnet derzeit niemand damit, dass es im nĂ€chsten Jahr zu wenig Weizen geben dĂŒrfte. Denn ansonsten wĂ€re es nicht erklĂ€rbar, dass aktuell der Dezember Future um zehn Cents steigt wĂ€hrend der Juli Future um acht Cents nachgibt. Ein Blick auf die Historie der Dezember Futures zeigt zudem, dass Kurse im Bereich 470 Cents nur selten zu finden waren und anschließend in einem lĂ€ngeren BĂ€renmarkt endeten. Auch die beiden Spreads Weizen gegen Mais sowie Weizen gegen Sojabohnen sind inzwischen auf Mehrjahreshochs angekommen, woraus sich folgert, dass es fĂŒr die US Farmer deutlich mehr Sinn macht Weizen anzubauen als die beiden anderen Rohstoffe, da die Gewinnspanne so gut ist wie selten zuvor. Ich wĂŒnsche Ihnen ein schönes Wochenende und kann nur dazu raten die Stopps bei Weizen immer nachzuziehen! Kein Bullenmarkt dauert ewig, schon gar nicht bei den Grains!

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