Pistorius will Handhabe fĂŒr verpflichtenden Wehrdienst
07.07.2025 - 18:33:25 | dpa.deIm Gesetzentwurf werde der Bundesregierung die Möglichkeit eingerÀumt, "mit Zustimmung des Deutschen Bundestages die verpflichtende Heranziehung von Wehrpflichtigen zu veranlassen, wenn die verteidigungspolitische Lage dies erfordert", zitierte der "Spiegel" aus dem Papier.
Laut Entwurf soll eine Einberufung zudem möglich sein, wenn die verteidigungspolitische Lage "einen kurzfristigen Aufwuchs der StreitkrĂ€fte zwingend erfordert, der auf freiwilliger Grundlage nicht erreichbar ist". Als Voraussetzung wird demnach aber auch genannt, dass MaĂnahmen zur Steigerung der AttraktivitĂ€t des Wehrdienstes nicht rechtzeitig zu genĂŒgend freiwilligen Bewerbungen fĂŒhren.
Mehr Geld soll AttraktivitÀt steigern
Geplant ist, mit 15.000 neuen Wehrdienstleistenden zu beginnen und eine verpflichtende Musterung ab 2027 einzufĂŒhren. Der Pool, an den sich der neue Wehrdienst richtet, ist die Altersgruppe der 18- bis 25-jĂ€hrigen.
Pistorius verfolgt zudem mehrere AnsĂ€tze, um den Dienst attraktiver zu machen. Darunter ist auch ein höherer Sold. Dazu sollen Wehrdienstleistende kĂŒnftig als Zeitsoldaten bezahlt werden und somit mehr als 2000 Euro netto monatlich erhalten.
Pistorius muss in seiner Partei kÀmpfen
Der SPD-Politiker will den Gesetzentwurf Ende August dem Kabinett vorlegen. Union und SPD hatten sich in ihrem Koalitionsvertrag auf einen Wehrdienst verstÀndigt, "der zunÀchst auf Freiwilligkeit basiert". Das Wort "Wehrpflicht" kommt darin nicht vor. Hier hatte sich die SPD in den Verhandlungen gegen CDU/CSU durchgesetzt.
Noch auf dem SPD-Parteitag Ende Juni drohte aber schwerer Streit um die Option eines verpflichtenden Wehrdienstes im neuen Gesetz. Der offene Konflikt konnte abgewendet werden. Nach stundenlangen KrisengesprÀchen Ànderten die Jusos einen Initiativantrag ab, der die Verankerung eines zwangsweisen Wehrdienstes im geplanten Gesetzentwurf abgelehnt hÀtte.
"Wir wollen keine aktivierbare gesetzliche Möglichkeit zur Heranziehung Wehrpflichtiger, bevor nicht alle MaĂnahmen zur freiwilligen Steigerung ausgeschöpft sind. MaĂnahmen zur Musterung, Erfassung und WehrĂŒberwachung wehrpflichtiger junger MĂ€nner wollen wir ermöglichen", heiĂt es im dann beschlossenen Text - der Pistorius aber Spielraum gab.
Das Geld fĂŒr mehr Verteidigung ist schon da
Die Wehrpflicht war 2011 ausgesetzt worden, ist aber weiter im Grundgesetz verankert. Sie kann mit einfacher Mehrheit der Regierungskoalition von Union und SPD wieder eingefĂŒhrt werden. FĂŒr eine allgemeine Dienstpflicht, die dann auch fĂŒr Frauen gilt, mĂŒsste das Grundgesetz geĂ€ndert werden. Die dafĂŒr nötige Mehrheit ist derzeit nicht zu erkennen.
ErklÀrtes Ziel waren zuletzt aber 203.000 aktive Soldaten in den StreitkrÀften gewesen. Nach den neuen Nato-Zielen muss die Bundeswehr eine PersonalstÀrke von mindestens 60.000 zusÀtzlichen MÀnnern und Frauen und 200.000 Reservistinnen und Reservisten erreichen.
Aber Politiker und Sicherheitsexperten drĂ€ngen auf Tempo bei der VerteidigungsfĂ€higkeit. Sie weisen auf die massive AufrĂŒstung Russlands hin, mit der sich PrĂ€sident Wladimir Putin militĂ€rische FĂ€higkeiten ĂŒber den Bedarf des Ukraine-Kriegs hinaus verschaffe.
Nun fehlen aber noch die Soldaten
Die Nato hat sich auf ihrem Gipfeltreffen in Den Haag verpflichtet, die Verteidigungsausgaben in beispielloser Weise anzuheben. Dies erfolgte unter dem Eindruck von Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine und auf DrÀngen von US-PrÀsident Donald Trump.
SpĂ€testens ab 2035 sollen jĂ€hrlich fĂŒnf Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Verteidigung und Sicherheit investiert werden, so viel wie seit dem Kalten Krieg nicht mehr. Bisher lag das Ziel bei zwei Prozent. Nun sollen mindestens 3,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aufgewendet werden, um "Kernanforderungen im Verteidigungsbereich" zu decken. Zudem werden 1,5 Prozent an Ausgaben fĂŒr militĂ€risch nutzbare Infrastruktur oder auch TerrorismusbekĂ€mpfung angerechnet.
In der Bundeswehr war die Zahl der Soldaten im vergangenen Jahr trotz mehr Einstellungen erneut leicht gesunken, wĂ€hrend der Altersdurchschnitt stieg. Zum Jahresende 2024 habe es rund 181.150 Soldatinnen und Soldaten gegeben, hatte das Verteidigungsministerium erklĂ€rt. Ein Jahr zuvor, am Stichtag 31. Dezember 2023, waren es noch rund 181.500 MĂ€nner und Frauen in Uniform gewesen. Inzwischen wird aus dem Verteidigungsministerium ĂŒber eine Trendumkehr berichtet.
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