GeschÀfte, WochenmÀrkten

GeschÀfte auf WochenmÀrkten brechen stark ein

11.03.2024 - 09:37:57

Viele Marktkaufleute erleben schwierige Zeiten. Nach außergewöhnlich hohen UmsĂ€tzen in der Coronazeit ist die Zahl der Besucher auf WochenmĂ€rkten rĂŒcklĂ€ufig. Die Branche hat noch ein Problem.

Die steigenden Preise und die Sparsamkeit vieler Verbraucher setzen HĂ€ndlerinnen und HĂ€ndlern auf WochenmĂ€rkten in Deutschland zu. Die UmsĂ€tze gingen 2023 bundesweit im Vergleich zum Vorjahr inflationsbereinigt um 6,5 Prozent zurĂŒck, in einigen BundeslĂ€ndern wie Nordrhein-Westfalen sogar um mehr als 10 Prozent. Das geht aus amtlichen Statistiken hervor. Die Erlöse der Branche sanken damit deutlich stĂ€rker als die des Einzelhandels insgesamt, der real 3,3 Prozent weniger umgesetzt hat.

«An VerkaufsstĂ€nden und auf MĂ€rkten werden vorwiegend Lebensmittel verkauft, die 2023 besonders hohe Preissteigerungen zu verbuchen hatten», sagte Handelsexperte Marcel Schorsch vom Statistischen Bundesamt. Die Produkte seien in der Regel teurer, «so dass die Kunden bei steigenden Preisen nach kostengĂŒnstigeren Alternativen gesucht haben.» Vor allem Discounter profitierten zuletzt davon, dass viele Verbraucher auf gĂŒnstige Alternativen ausgewichen sind. Sie verzeichneten unter anderem ein deutliches Plus bei Bio-Produkten.

Preise steigen, Mengenumsatz geht zurĂŒck

Laut Hans-Christoph Behr von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft verdanken die WochenmĂ€rkte ihre UmsĂ€tze vor allem den steigenden Preisen. Der Mengenumsatz und die Zahl der Haushalte, die dort einkaufen, sei deutlich rĂŒcklĂ€ufig. Laut Daten der Marktforscher von GfK entfielen in Deutschland nur 1,1 Prozent der Verbraucherausgaben bei frischen Lebensmitteln wie Obst, GemĂŒse, Kartoffeln, Fleisch, Fleischwaren, GeflĂŒgel, Eier, KĂ€se, Brot und GebĂ€ck auf WochenmĂ€rkte. «Die Branche hat in den vergangenen 30 bis 40 Jahren insgesamt stark an Bedeutung verloren. In der Bevölkerung sind die MĂ€rkte beliebt, aber viele Menschen gehen gar nicht hin. Die Kundschaft ist auch stark ĂŒberaltert», so Behr.

Umsatzschub in der Coronazeit

Der Bundesverband Schausteller und Marktkaufleute (BSM) sieht einen weiteren Grund fĂŒr den Einbruch beim GeschĂ€ft, nĂ€mlich eine Normalisierung nach der Coronazeit. In den Jahren 2020 bis 2022 hĂ€tten die MĂ€rkte ein außergewöhnliches Umsatzplus verzeichnet, sagte BSM-Sprecher Olaf Lenz. «Viele Kunden haben es vorgezogen, ihre EinkĂ€ufe unter freiem Himmel zu tĂ€tigen, um das Risiko einer Infektion zu reduzieren.» Nach der Pandemie Ă€nderten die Verbraucher ihre Einkaufsgewohnheiten jedoch wieder. Lenz zufolge habe man inzwischen wieder das Niveau vor Corona erreicht.

Weniger aktive Marktleute

Eine grundsĂ€tzliche Existenzkrise der WochenmĂ€rkte sieht der Verband nicht. Die Nachfrage und das Konsumverhalten seien langfristig stabil. Auf der Angebotsseite gibt es dennoch Probleme. Laut BSM sinkt die Zahl der aktiven Marktkaufleute. «Immer weniger junge Menschen wollen diesen Beruf ergreifen. Er bedeutet lange Arbeitszeiten unter freiem Himmel, auch unter ungĂŒnstigen Witterungsbedingungen muss der Marktstand geöffnet sein», sagte Lenz. Weil Personal fehlt, sei es oft nicht möglich, Betriebe weiterzufĂŒhren, wenn jemand in den Ruhestand gehe. Bundesweit gibt es laut dem BSM etwa 40.000 Marktkaufleute. Die Zahl der MĂ€rkte sei relativ konstant, viele seien in den vergangenen Jahren jedoch geschrumpft. Zahlen nannte der Verband nicht.

Wettbewerb mit SupermÀrkten und Discountern

Sven Schulte von den Industrie- und Handelskammern NRW ist ĂŒberzeugt, dass WochenmĂ€rkte eine Zukunft haben. «Die Menschen gehen nicht nur dorthin, um sich zu versorgen. Ein Markt ist immer auch ein Treffpunkt und hat eine soziale Funktion», sagte der fachpolitische Sprecher. Auch die Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Lebensmitteln sei hoch. Dennoch sieht Schulte einen stĂ€rkeren Wettbewerb. «SupermĂ€rkte und Discounter bieten inzwischen auch viele regionale und nachhaltig erzeugte Produkte an.» Die WochenmĂ€rkte dĂŒrften nicht zu sehr ausdĂŒnnen. «Wenn es irgendwann nicht mehr 30 oder 40, sondern nur noch 15 StĂ€nde sind, trĂ€gt das nicht mehr.»

Laut einer reprÀsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes YouGov vom 5. MÀrz gehen 15 Prozent der Menschen in Deutschland mindestens einmal in der Woche auf einem Wochenmarkt einkaufen, 14 Prozent zumindest einmal im Monat, 38 Prozent seltener und 30 Prozent nie.

@ dpa.de