Volkswagen baut China zum Exportstandort für Südhalbkugel aus
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 09:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWSVolkswagens Exportpläne aus Hefei
- Volkswagen will mit Gemeinschaftsunternehmen in China künftig zusätzliche Märkte außerhalb der Volksrepublik bedienen.
- Als Zielregionen nennt der Konzern Südostasien, das südliche Afrika und Südamerika.
- Im dritten Quartal verkaufte Volkswagen in China 405.800 Autos, 38,5 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.
Volkswagen ändert angesichts des schwachen chinesischen Automarktes und des zunehmenden Wettbewerbs seine Strategie in der Volksrepublik. Der Konzern will China künftig nicht nur als Absatz- und Produktionsstandort, sondern auch als Ausgangspunkt für Exporte in weitere Regionen nutzen.
Unter dem Leitgedanken „In China, Beyond China“ sollen Gemeinschaftsunternehmen in China perspektivisch Märkte in Südostasien, im südlichen Afrika und in Südamerika bedienen.
Volkswagen nutzt China als Exportbasis
Volkswagen teilte die neue Ausrichtung im ostchinesischen Hefei mit. Bereits jetzt exportiert der Konzern Fahrzeuge aus China unter anderem in den Nahen Osten sowie nach Kasachstan und Usbekistan.
Mit dem Strategiewechsel löst Volkswagen das bisherige Leitmotiv „In China, for China“ ab. Der Konzern hatte entsprechende Pläne bereits im April während einer Automesse in China angedeutet.
Absatz in China deutlich gesunken
Hintergrund der Neuausrichtung sind der hohe Konkurrenz- und Preisdruck chinesischer Marken sowie die schwache Marktentwicklung. Nach jüngsten Daten des chinesischen Pkw-Verbandes CPCA gingen die Verkaufszahlen auf dem Gesamtmarkt in den ersten neun Monaten des Jahres um 21,7 Prozent zurück.
Volkswagen war besonders stark betroffen. Im dritten Quartal sanken die Verkäufe in China um 38,5 Prozent auf 405.800 Fahrzeuge. Der Rückgang in der Volksrepublik machte damit mehr als 80 Prozent des gesamten Absatzminus des Konzerns aus.
Wettbewerbsdruck zwingt zu neuen Märkten
Volkswagen will mit dem Export aus China sowohl andere Märkte bedienen als auch dem wachsenden Wettbewerb chinesischer Hersteller begegnen. Nach Angaben aus Konzernkreisen exportiert China zunehmend Konkurrenzdruck, während Produkte aus Europa bei den Kosten schwerer mithalten könnten.
Die Wolfsburger setzen deshalb stärker auf Produkte und Strukturen, die gemeinsam mit Partnern in China entwickelt oder hergestellt werden. Der Konzern verbindet damit die Hoffnung, außerhalb Chinas neue Absatzmöglichkeiten zu erschließen.
Volkswagens Strategiewechsel fällt in eine Phase, in der sich der chinesische Automarkt strukturell verändert. Lokale Hersteller gewinnen Marktanteile, während internationale Konzerne stärker über Preise, Software und kurze Entwicklungszyklen konkurrieren müssen. Für etablierte Anbieter reicht es deshalb nicht mehr, Modelle ausschließlich für den chinesischen Absatzmarkt zu entwickeln.
Der geplante Export aus China folgt einem Modell, das die vorhandenen Produktions- und Entwicklungsstrukturen besser auslasten soll. Volkswagen kann dabei auf Gemeinschaftsunternehmen, Lieferketten und bereits erprobte Produkte zurückgreifen. Südostasien, Südamerika und das südliche Afrika bieten zudem Märkte, in denen chinesische Hersteller ebenfalls expandieren und europäische Autobauer unter Kostendruck setzen.
Neue Absatzmärkte, neue Risiken
Für Volkswagen bedeutet der Schritt jedoch keinen einfachen Ausweg aus der China-Krise. Exportgeschäfte hängen von lokalen Zöllen, politischen Vorgaben, Währungsschwankungen und der Nachfrage nach den jeweiligen Antrieben ab. Hinzu kommt, dass chinesische Marken inzwischen selbst in vielen Schwellenländern etabliert sind.
Die neue Ausrichtung verbindet damit zwei Ziele: Volkswagen will die Bedeutung des chinesischen Geschäfts absichern und zugleich Kosten- sowie Innovationsvorteile seiner dortigen Partner nutzen. Entscheidend wird sein, ob sich Fahrzeuge aus chinesischer Produktion außerhalb der Volksrepublik zu wettbewerbsfähigen Preisen und mit passenden technischen Standards verkaufen lassen.
