Volkswagen-Krise, Stellen

Volkswagen-Krise: 50.000 Stellen fallen bis 2030 weg

Veröffentlicht am: 23.06.2026 um 23:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Interne Umfrage zeigt: Sechs von neun VW-VorstÀnden sehen die Lage des Konzerns als existenzgefÀhrdend an.

Volkswagen-Krise: Betriebsrat kritisiert Informationspolitik scharf
Ein nachdenklicher Manager steht in einer modernen VW-Fabrikhalle, unscharfe Arbeiter im Hintergrund, symbolisiert die Konzernkrise. Illustration mit AI erstellt.

Der Betriebsrat am Standort Baunatal warf der KonzernfĂŒhrung eine katastrophale Informationspolitik vor. Wichtige Entscheidungen ĂŒber ArbeitsplĂ€tze erfahre die Belegschaft hĂ€ufig zuerst aus den Medien – das sei ein Desaster, so Betriebsratschef Carsten BĂŒchling vor rund 6.000 Mitarbeitern.

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„ExistenzgefĂ€hrdend“ – sechs von neun VorstĂ€nden sehen schwarz

Dabei ist die Lage tatsĂ€chlich dramatisch. Eine interne Umfrage unter den neun KonzernvorstĂ€nden ergab: Sechs von ihnen stufen die Situation als existenzgefĂ€hrdend ein. Die FĂŒhrungsebene fordert einen radikalen Strategiewechsel. Die Kosten sind zu hoch, die ElektromobilitĂ€t bleibt eine Herausforderung. Eine richtungsweisende Aufsichtsratssitzung ist fĂŒr den 9. Juli angesetzt.

An der Betriebsversammlung nahm auch PersonalvorstĂ€ndin Anika Stappenbeck teil. Werkleiter Ingo Spengler versuchte zu beschwichtigen: Die Auslastung in Baunatal sei stabil, die Transformation zum Elektrostandort laufe. Immerhin sei bereits die HĂ€lfte der produzierten Antriebe elektrisch. Zuletzt wurden 252 befristet BeschĂ€ftigte in die Stammbelegschaft ĂŒbernommen.

50.000 Stellen weg – Produktion wandert nach Mexiko

Der Sparkurs hat es in sich. Bis 2030 will Volkswagen 50.000 Stellen in Deutschland streichen. Ein Teil soll ĂŒber freiwillige Austritte laufen. Die ProduktionskapazitĂ€ten werden um eine Million Fahrzeuge reduziert.

Konkret betroffen ist der Standort in der Kasseler Lilienthalstraße. Dort lĂ€uft der Mietvertrag aus, im Sommer 2027 ist Schluss. Die 100 Mitarbeiter sollen nach Baunatal wechseln. Auch in Wolfsburg Ă€ndert sich was: Die Golf-Produktion wandert ab 2027 nach Mexiko. FĂŒr die betroffenen Mitarbeiter gibt es Abfindungsangebote – eine BeschĂ€ftigungsgarantie gilt noch bis 2030.

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OsnabrĂŒck vor dem Aus – Qatar bremst Verkauf

Besonders hart trifft es OsnabrĂŒck. Rund 2.300 Menschen arbeiten dort. Das Werk soll noch 2026 schließen. Ein Verkauf an den israelischen RĂŒstungskonzern Rafael? Der stĂ¶ĂŸt auf Widerstand. Die Qatar Investment Authority, die 17 Prozent der Stimmrechte an VW hĂ€lt, hat Bedenken. Als Alternative wird ein Joint Venture mit dem Land Niedersachsen geprĂŒft.

Aktie auf 15-Jahres-Tief – Porsche-Gewinn bricht ein

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Am Montag fiel die VW-Vorzugsaktie auf ein 15-Jahres-Tief – unter 80 Euro. Am Dienstag ging es weiter runter auf rund 78,12 Euro. Analysten von Barclays senkten das Kursziel.

Noch dramatischer ist die Lage bei Porsche. Auf der Hauptversammlung am Dienstag wurde bekannt: Der Gewinn brach 2025 um 91 Prozent auf 310 Millionen Euro ein. Porsche-Chef Michael Leiters kĂŒndigt an: Das Modellportfolio wird radikal entschlackt. Bis 2029 fallen rund 3.900 Stellen. Leiters fordert mehr Engagement von der Belegschaft.

Audi baut ab – Cariad zieht nach Berlin

Auch Audi kĂ€mpft. Auf einer Betriebsversammlung in Ingolstadt forderte der Betriebsrat klare Perspektiven. Von den vereinbarten 6.000 Stellen im indirekten Bereich sind bereits 4.500 abgebaut. Arbeitsdirektor Xavier Ros verweist auf schrumpfende MĂ€rkte und neuen Wettbewerb. Eine mögliche Schließung des Standorts Neckarsulm lehnt der Betriebsrat kategorisch ab.

Ein Lichtblick? Die Softwaretochter Cariad bĂŒndelt ihre AktivitĂ€ten in Berlin. Rund 1.000 BeschĂ€ftigte arbeiten kĂŒnftig an einem Campus nahe dem Hauptbahnhof – an autonomem Fahren und kĂŒnstlicher Intelligenz. Cariad-Chef Peter Bosch rĂ€umt ein: QualitĂ€t und LieferfĂ€higkeit wurden in der Vergangenheit zu Recht kritisiert. Jetzt setzt er verstĂ€rkt auf Partnerschaften.

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