Volkswagen-Sparpaket: 100.000 Jobs auf dem Spiel bis 2035
30.06.2026 - 22:05:01 | boerse-global.de
Die Vorbereitungen für die Betriebsratswahlen im Frühjahr 2026 laufen – während Volkswagen ein massives Sparpaket schnürt und die politische Stimmung in den Belegschaften kippt.
Vorbereitungen laufen an
Vom 1. März bis 31. Mai 2026 finden turnusmäßig die Betriebsratswahlen statt. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) stellt seit Ende Juni Informationsmaterialien und Beratungsangebote bereit. Die Kosten trägt der Arbeitgeber.
Wahlberechtigt sind Beschäftigte ab 16 Jahren. Wer selbst kandidieren will, muss mindestens 18 Jahre alt sein und dem Betrieb seit sechs Monaten angehören. Die kommende Wahlperiode dürfte von massiven Restrukturierungen geprägt sein.
Volkswagen: 100.000 Stellen vor dem Aus?
Besonders hart geht es beim Volkswagen-Konzern zu. Vorstandschef Oliver Blume plant ein Sparprogramm mit dem Abbau von über 100.000 Stellen weltweit. Vier deutsche Werke – Zwickau, Emden, Hannover und Neckarsulm – könnten bis 2035 geschlossen werden.
Am 9. Juli 2026 tagt der Aufsichtsrat. Betriebsrat und das Land Niedersachsen halten 12 von 20 Stimmen – eine Ablehnung der Pläne gilt als wahrscheinlich. Droht der Vorstand mit einer außerordentlichen Hauptversammlung im August, um den Aufsichtsrat zu umgehen?
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Zusätzlich erwägt der Konzern den Verkauf von Ducati und Europcar sowie eine Reduzierung der Traton-Beteiligung von 87 auf 75 Prozent. Die Investitionssumme für die kommenden fünf Jahre soll um 15 Prozent auf 130 Milliarden Euro sinken. Hessens Wirtschaftsminister Mansoori fordert transparente Kommunikation für Standorte wie Kassel-Baunatal.
Die 35-Stunden-Woche unter Beschuss
Die Sparmaßnahmen haben einen klaren Hintergrund: steigende Arbeitskosten und sinkende Gewinne. 2025 lagen die Arbeitskosten in der deutschen Industrie bei 45 Euro pro Stunde – weit über dem EU-Schnitt von 34,90 Euro. Die Lohnstückkosten übertrafen das Niveau vergleichbarer Industrieländer um 22 Prozent.
Ökonomen und Manager fordern daher die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche. Die bei VW geltende 35-Stunden-Woche gerät massiv unter Druck. Auch Mercedes-Benz kämpft mit Gewinnrückgängen: Im ersten Quartal 2026 betrug das Minus 17,2 Prozent, nachdem sich der Gewinn 2025 bereits auf 5,3 Milliarden Euro halbiert hatte.
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Extremismus in den Betrieben?
Die politische Entwicklung verschärft die Lage. Der Verfassungsschutzbericht 2025 weist 58.700 rechtsextrem eingestufte Personen aus – ein deutlicher Anstieg. Grund ist unter anderem der Mitgliederzuwachs der AfD auf 70.000, von denen 28.000 unter Extremismus-Verdacht stehen.
Diese Entwicklung erreicht die Belegschaften. Ende Juni kritisierten Betriebsrat und Unternehmensführung von Saarstahl den AfD-Landesvorsitzenden Becker scharf. Gleichzeitig versucht das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) die politische Brandmauer zur AfD aufzuweichen. In einem Brief vom 26. Juni 2026 schlug die BSW-Führung Alice Weidel eine punktuelle Zusammenarbeit nach den Landtagswahlen im September vor.
Grüne und SPD fordern angesichts dieser Entwicklung ein Verbotsverfahren. Ein Gutachten der Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) sieht in Verstößen gegen das Demokratieprinzip und die Menschenwürde eine Grundlage dafür. Verfassungsschutzpräsident Selen warnte zudem vor personellen Kontinuitäten bei neuen Jugendorganisationen der Partei.
