Volkswagen, Takeda

Volkswagen, Takeda, Zalando: Die Welle der Stellenstreichungen rollt

17.05.2026 - 07:12:30 | boerse-global.de

Bundesarbeitsgericht erschwert pauschale Freistellungen. Volkswagen, Takeda und Zalando planen tausende Stellenstreichungen.

Volkswagen, Takeda, Zalando: Die Welle der Stellenstreichungen rollt - Foto: über boerse-global.de
Volkswagen, Takeda, Zalando: Die Welle der Stellenstreichungen rollt - Foto: über boerse-global.de

Deutsche Unternehmen bauen massiv ab – doch neue Gerichtsurteile erschweren die Trennungen.

Die Industrie steckt im Umbruch. Volkswagen, Takeda, Zalando und IAV kündigen tausende Stellenstreichungen an. Doch wer glaubt, Arbeitgeber könnten Mitarbeiter einfach nach Hause schicken, irrt. Das Bundesarbeitsgericht hat die Hürden für sogenannte Freistellungen deutlich erhöht.

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Neue Hürden für Arbeitgeber bei Freistellungen

Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat pauschale Freistellungsklauseln in Arbeitsverträgen für unwirksam erklärt. Die Richter betonen: Arbeitnehmer haben ein grundlegendes Recht auf tatsächliche Beschäftigung. Vorformulierte Klauseln, die Arbeitgeber während der Kündigungsfrist einfach nach Hause schicken, sind damit Geschichte.

Stattdessen verlangt das Gericht eine konkrete Begründung im Einzelfall. Unternehmen müssen sorgfältig abwägen: Einerseits können Geheimnisschutz oder Vertrauensverlust eine Freistellung rechtfertigen. Andererseits wiegt das Interesse des Mitarbeiters schwer, weiterzuarbeiten – besonders in kundennahen Bereichen wie dem Vertrieb.

Für Firmen in der Restrukturierung wird die sofortige Trennung von Personal damit komplierter. Die Dokumentation der Gründe ist überlebenswichtig, sonst drohen juristische Niederlagen.

Volkswagen: Konflikt um Werksschließungen eskaliert

Der Streit bei Volkswagen erreichte am 15. Mai 2026 eine neue Eskalationsstufe. IG Metall und Betriebsrat lehnten mögliche Werksschließungen kategorisch ab. Sie berufen sich auf den Tarifvertrag vom Dezember 2024, der Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen im Gegenzug für den Abbau von 35.000 Stellen bis 2030 ausschließt.

Doch VW-Chef Oliver Blume sucht offenbar nach weiteren Optionen. US-Zölle, Probleme in China und strategische Veränderungen bei der Porsche-Tochter setzen den Konzern unter Druck. Managementkreisen zufolge prüft VW, die Produktionskapazität in Europa um bis zu 500.000 Fahrzeuge zu reduzieren.

Besonders brisant: Die Zukunft des Werks Osnabrück. Dort läuft die Produktion planmäßig 2027 aus – 2.300 Mitarbeiter bangen um ihre Jobs. Betriebsratschefin Daniela Cavallo und IG-Metall-Chefin Christiane Benner stellten am 15. Mai klar: Alle Standorte müssen erhalten bleiben.

Zulieferer und Pharmaindustrie unter Druck

Die Welle erfasst die gesamte Lieferkette. Der Autozulieferer Preh strich am 15. Mai weitere 280 Stellen in Bad Neustadt – nach 420 bereits 2024. Das Unternehmen mit 1,48 Milliarden Euro Umsatz 2025 begründet den Schritt mit der nachlassenden Wettbewerbsfähigkeit deutscher Standorte.

Auch die Pharmabranche ist betroffen. Takeda kündigte am 15. Mai den Abbau von 280 Stellen am Schweizer Standort Opfikon an. Der japanische Konzern spart im Rahmen einer globalen Restrukturierung rund eine Milliarde Schweizer Franken – trotz einer Investition von 200 Millionen Franken in die Biotech-Anlage in Neuchâtel erst 2023.

IAV und Zalando: Standortschließungen konkret

Der Ingenieursdienstleister IAV will rund 1.400 Stellen streichen. Der Standort Berlin-Charlottenburg soll bis Ende Juni 2027 verkauft werden – nur ein kleines Kernteam bleibt in der Hauptstadt. IG Metall fordert den Rückzug der Pläne.

Bei Zalando stockt die Schließung des Erfurter Standorts. Eigentlich sollte das Logistikzentrum Ende September 2026 dichtmachen, 2.700 Mitarbeiter verlieren ihre Jobs. Grund: Die Bearbeitungskosten pro Artikel liegen mit 77 Cent weit über den 30 bis 65 Cent modernerer Standorte. Doch die Verhandlungen über einen Interessenausgleich und Sozialplan ziehen sich hin. Eine Modernisierung hätte 130 Millionen Euro gekostet.

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Betriebsräte gewinnen an Einfluss

Die Digitalisierung verändert die Rolle der Betriebsräte. Rechtsexperten betonen: Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz bei Bewerbungsverfahren erfordert zwingend eine Betriebsvereinbarung nach dem Betriebsverfassungsgesetz. Wer KI-gestützte Vorauswahl nutzt, muss den Betriebsrat einbinden.

Gleichzeitig zeichnet sich eine flexibilisierung der Arbeitszeit ab. Aktuelle Gesetzesdiskussionen vom 15. Mai 2026 deuten auf eine Abkehr von der starren täglichen Höchstarbeitszeit von zehn Stunden hin. Stattdessen könnte ein flexiblerer Wochenrahmen von 48 Stunden im Sechsmonatsdurchschnitt kommen. Experte Guido Zander sieht darin keine Aufgabe des Acht-Stunden-Tags, sondern eine Anpassung an moderne Bedürfnisse.

Ausblick: Sozialpläne als Gradmesser

Die Kombination aus strengeren Gerichtsurteilen und massivem Stellenabbau verspricht intensive juristische Auseinandersetzungen. Bei Miele, das 2.700 Jobs streicht und Produktion nach Polen verlagert, zeigen sich die finanziellen Dimensionen: Abfindungen erreichen Berichten zufolge bis zu 270.000 Euro.

Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Gewerkschaften Volkswagen an seine mehrjährigen Beschäftigungsgarantien binden können – ein Test für die Stärke des deutschen Mitbestimmungsmodells. Und ob die ausgehandelten Sozialpläne bei den Standortschließungen in Berlin, Erfurt und Düsseldorf-Bilk halten, was sie versprechen.

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