Volkswagen, Stellenabbau

Volkswagen Sparprogramm: Markenchef kĂŒndigt verschĂ€rften Stellenabbau und Produktionsumbau an

Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 18:55 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Volkswagen verschĂ€rft das Sparprogramm der Kernmarke und bereitet die Belegschaft auf zusĂ€tzliche Einschnitte vor, wĂ€hrend der Betriebsrat vor einem Sturm auf die ArbeitsplĂ€tze warnt. Zugleich reagiert der Konzern mit Produktionsverschiebungen auf die wachsende Nachfrage nach Elektroautos und den RĂŒckgang bei Verbrennern.

  • Die Nachfrage nach Verbrenner sinkt. Daher werden Sonderschichten im VW-Stammwerk Wolfsburg gestrichen. (Archivbild) - Bild: Julian Stratenschulte/dpa
    Die Nachfrage nach Verbrenner sinkt. Daher werden Sonderschichten im VW-Stammwerk Wolfsburg gestrichen. (Archivbild) - Bild: Julian Stratenschulte/dpa
  • VW-Markenchef SchĂ€fer: «Wir haben absolut keine Zeit zu verlieren». - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa
    VW-Markenchef SchÀfer: «Wir haben absolut keine Zeit zu verlieren». - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa
  • Cavallo: «Der Großteil unserer bisherigen Gewinnkraft ist futsch». - Bild: Moritz Frankenberg/dpa
    Cavallo: «Der Großteil unserer bisherigen Gewinnkraft ist futsch». - Bild: Moritz Frankenberg/dpa
Die Nachfrage nach Verbrenner sinkt. Daher werden Sonderschichten im VW-Stammwerk Wolfsburg gestrichen. (Archivbild) - Bild: Julian Stratenschulte/dpa VW-Markenchef SchĂ€fer: «Wir haben absolut keine Zeit zu verlieren». - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa Cavallo: «Der Großteil unserer bisherigen Gewinnkraft ist futsch». - Bild: Moritz Frankenberg/dpa

Volkswagen will das laufende Sparprogramm der Kernmarke deutlich verschÀrfen und die Schlagzahl beim Performance-Programm erhöhen.

Markenchef SchĂ€fer drĂŒckt aufs Tempo

VW-Markenchef Thomas SchĂ€fer kĂŒndigte bei einer Betriebsversammlung in Wolfsburg an, dass der Konzern „keine Zeit zu verlieren“ habe und im vereinbarten Performance-Programm „nochmal deutlich nachlegen“ werde. Er betonte, er hĂ€tte sich gewĂŒnscht, die Ende 2024 beschlossenen Maßnahmen hĂ€tten ausgereicht, doch Wegsehen löse keine Probleme. Über die konkrete Ausgestaltung der zusĂ€tzlichen Schritte soll nun mit der Mitbestimmung gesprochen werden.

Die Vereinbarung von Ende 2024 hatte drei Schwerpunkte: ÜberkapazitĂ€ten an deutschen Standorten sollten abgebaut, Arbeitskosten gesenkt und Entwicklungskosten auf ein wettbewerbsfĂ€higes Niveau gebracht werden. In der Marke Volkswagen sei man nach SchĂ€fers Darstellung gut vorangekommen. Beim Personalabbau seien bereits rund 16.300 Austritte in Deutschland vollzogen, insgesamt knapp 28.800 Stellen seien bis 2030 vereinbart. Das Ziel der Kernmarke in Deutschland liegt bei 35.000 BeschĂ€ftigten weniger bis 2030.

Betriebsrat warnt vor „Sturm“ auf ArbeitsplĂ€tze

Betriebsratschefin Daniela Cavallo rechnet damit, dass die SparbemĂŒhungen noch deutlich zunehmen. Nach Teilnehmerangaben sagte sie, die „Sparwut des Unternehmens“ werde den BeschĂ€ftigten in den kommenden Wochen „an allen Ecken und Enden“ begegnen, noch stĂ€rker als bisher. Die Zeichen stĂŒnden auf Sturm, und dieser werde „kein Kleiner“.

Zugleich machte Cavallo klar, dass die aktuelle Lage einen Kurswechsel erfordere. Der Großteil der bisherigen Gewinnkraft sei verloren gegangen, sagte sie nach Angaben aus Teilnehmerkreisen, dies sei die „nackte Wahrheit“. Europas Automobilindustrie werde sich ihrer EinschĂ€tzung nach massiv neu ordnen: Traditionsreiche Hersteller könnten verschwinden, andere mĂŒssten fusionieren oder ungewohnte Allianzen eingehen. Entscheidend sei, neue Lasten fair zu verteilen und eine Schieflage zulasten der Belegschaft zu verhindern.

Debatte um weiteren Stellenabbau im Konzern

Cavallo sprach nach dpa-Informationen auch die PlÀne des Vorstands um VW-Chef Oliver Blume an, konzernweit nochmals rund 50.000 Stellen weltweit abbauen zu wollen, etwa die HÀlfte davon in Deutschland. Sie stellte die Frage, ob ein derart ausgeweiteter Stellenabbau noch sozialvertrÀglich umgesetzt werden könne.

Allein ĂŒber Altersteilzeit und AufhebungsvertrĂ€ge werde dies nach ihrer EinschĂ€tzung nicht gelingen. Cavallo fragte, ob der Vorstand betriebsbedingte KĂŒndigungen plane und wie er diese durchsetzen wolle. Zugleich verwies sie darauf, dass die BeschĂ€ftigungssicherung bei der Volkswagen AG bis Ende 2030 gilt und nach ihrer Darstellung unkĂŒndbar ist.

Gewinnprognose gesenkt, E-Autos gewinnen an Gewicht

Volkswagen hatte seine Gewinnprognose kĂŒrzlich zurĂŒckgenommen und dies unter anderem mit milliardenschweren Abschreibungen auf die Tochter Porsche, Schwierigkeiten im China-GeschĂ€ft und der höheren Nachfrage nach Elektromodellen begrĂŒndet. Mit E-Autos verdient der Konzern bislang weniger als mit vergleichbaren Verbrennern.

Marken-Vertriebschef Martin Sander zufolge sind Elektroautos besonders in Deutschland und Europa gefragt. GrĂŒnde seien unter anderem hohe Spritpreise, eine verbesserte Ladeinfrastruktur und gĂŒnstigere Einstiegsmodelle. Gleichzeitig gehe die Nachfrage nach Verbrennern zurĂŒck, was Sander als wichtigen Wendepunkt bezeichnete.

Produktionsprogramme werden neu ausgerichtet

Auf die verÀnderte Marktsituation will Volkswagen nach Sanders Worten flexibel reagieren und die Produktionsprogramme in den Werken anpassen. Nach dpa-Informationen entfallen im Stammwerk Wolfsburg, wo unter anderem die Verbrennermodelle Tiguan und Golf gebaut werden, geplante Sonderschichten.

In Werken mit Fokus auf ElektromobilitÀt, etwa in Emden, soll die Produktion dagegen hochgefahren werden. Damit verbindet der Konzern den verstÀrkten Sparkurs mit einer weiteren Verschiebung von KapazitÀten hin zur E-MobilitÀt, wÀhrend klassische Verbrennerstandorte unter zusÀtzlichen Anpassungsdruck geraten.

VW unter Druck: Sparkurs trifft auf Branchenkrise

Die AnkĂŒndigung eines verschĂ€rften Spar- und Performance-Programms bei der Kernmarke Volkswagen spiegelt die tiefgreifende Krise der deutschen Autoindustrie wider. Der Konzern hat seine Gewinnerwartung fĂŒr 2026 deutlich gesenkt, belastet unter anderem durch milliardenschwere Wertberichtigungen auf Porsche, Abschreibungen im China-GeschĂ€ft sowie Umbaukosten. Zugleich bleiben vor allem die Marken VW und Audi hinter den Renditezielen zurĂŒck, weshalb der Konzern insgesamt einen zusĂ€tzlichen Abbau von rund 50.000 ArbeitsplĂ€tzen plant.

Parallel formiert sich Widerstand in der Belegschaft und bei den Gewerkschaften. Bundesweit ruft die IG Metall zu Aktionen unter dem Motto „Zukunft statt Kahlschlag“ auf, um mehr Investitionen in deutsche Werke und einen fairen Strukturwandel zu erreichen. Am Standort Wolfsburg fordern Betriebsratschefin Daniela Cavallo und Gewerkschafterinnen einen besseren Schutz vor Wettbewerbsverzerrungen durch China und eine Industriepolitik, die ArbeitsplĂ€tze sichert. In anderen Werken und Regionen bringen Proteste die Sorge zum Ausdruck, dass Standortentscheidungen und Produktstrategien zu Lasten der BeschĂ€ftigten gehen könnten.

Strukturwandel, ElektromobilitÀt und Standortfrage

Die im Konzern bereits vereinbarten und nun nochmals verschĂ€rften Sparmaßnahmen stehen im Kontext eines beschleunigten Strukturwandels. RĂŒckgĂ€nge im VerbrennergeschĂ€ft treffen auf einen umkĂ€mpften Markt fĂŒr Elektroautos, in dem neue Anbieter, insbesondere aus China, mit aggressiven Preisen und hoher Innovationsgeschwindigkeit auftreten. FĂŒr VW bedeutet dies, ProduktionskapazitĂ€ten zu verschieben, E-Werke wie Emden hochzufahren und zugleich Verbrenner-Standorte wie Wolfsburg flexibler zu steuern. Die Frage, ob sich ein globaler Stellenabbau dieser GrĂ¶ĂŸenordnung allein ĂŒber Altersteilzeit, Vorruhestand und freiwillige Programme sozialvertrĂ€glich abbilden lĂ€sst, ist offen.

Bedeutung fĂŒr BeschĂ€ftigte und Region

FĂŒr die Belegschaft in Deutschland sind die Debatten um BeschĂ€ftigungssicherung bis 2030 und mögliche zusĂ€tzliche Personalanpassungen von zentraler Bedeutung. Wolfsburg und die VW-Standorte in Niedersachsen hĂ€ngen wirtschaftlich stark vom Konzern ab. Mögliche Verlagerungen von Wertschöpfung, Werksschließungen oder weitere KĂŒrzungsrunden wĂŒrden nicht nur einzelne Werke, sondern ganze regionale ArbeitsmĂ€rkte treffen. FĂŒr Leserinnen und Leser zeigt sich, dass tarifliche Sicherungen und Mitbestimmung zwar Grenzen setzen, aber die grundlegende Neuordnung der europĂ€ischen Autoindustrie mit spĂŒrbaren Zumutungen verbunden sein dĂŒrfte – die Auseinandersetzung um deren faire Verteilung hat gerade erst begonnen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Deutschlandfunk: „Konzern kappt Gewinnerwartung fĂŒr 2026 deutlich“ (19.09.2026)

Der Beitrag stellt dar, Volkswagen senke seine Gewinnerwartung wegen Sondereffekten von rund zehn Milliarden Euro und verschĂ€rfe deshalb den Sparkurs. Der Bericht hebe hervor, dass zusĂ€tzlich rund 50.000 ArbeitsplĂ€tze abgebaut und das Werk OsnabrĂŒck verkauft werden sollen. Damit bestĂ€tige der Artikel die im VW-Konzern diskutierten GrĂ¶ĂŸenordnungen des Stellenabbaus und ordne sie als Teil eines umfassenden Konzernumbaus ein.

tagesschau.de: „StĂ€dte kĂ€mpfen um Automobil-Jobs: IG Metall ruft VW, MAN und Bosch zu Protesten auf“ (21.09.2026)

Der Bericht schildert, wie die IG Metall bundesweit zu Protesten gegen den Jobabbau in der Autoindustrie aufruft und in Wolfsburg Tausende BeschĂ€ftigte mobilisiere. Nach Darstellung des Artikels fordere Daniela Cavallo gemeinsam mit der Gewerkschaft einen besseren Schutz vor unfairem Wettbewerb aus China und Zukunftsgarantien fĂŒr deutsche Werke. Damit setze die tagesschau einen Schwerpunkt auf die gesellschaftliche und regionale Dimension der SparplĂ€ne und die politische Forderung nach Industriepolitik.

n-tv.de: „EY-Analyse: VW, Mercedes, BMW verlieren bei Umsatz und Gewinn“ (20.09.2026)

Der Bericht ordnet die Lage von VW in eine breitere Analyse der deutschen Autoindustrie ein und erklĂ€re, dass die großen Hersteller Umsatz- und GewinnrĂŒckgĂ€nge verzeichneten und strukturelle Kostennachteile am Standort Deutschland hĂ€tten. Nach Darstellung des Artikels stĂŒnden bei VW neben Sparprogrammen auch mögliche Werksschließungen im Raum, wĂ€hrend die IG Metall unter dem Motto „Zukunft statt Kahlschlag“ mehr Investitionen und politische UnterstĂŒtzung fordere. Damit betone der Beitrag die langfristigen Strukturprobleme, vor deren Hintergrund die aktuellen SparbeschlĂŒsse bei VW stehen.

In der Zusammenschau heben die Berichte hervor, dass VW seine Gewinnerwartung deutlich senke, den Sparkurs verschĂ€rfe und einen umfangreichen Stellenabbau plane, wĂ€hrend Gewerkschaften und BetriebsrĂ€te vor den sozialen Folgen warnen und mehr Industriepolitik verlangen. Unterschiedlich gewichtet wĂŒrden dabei die unmittelbaren Konzernentscheidungen, die Proteste der BeschĂ€ftigten und die strukturelle Standortdebatte.

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