ROUNDUP, Kritik

Viel Kritik an von der Leyens' Vorschlag fĂŒr Billionen-Etat

17.07.2025 - 08:02:17

Von unterschiedlichen Seiten hagelt es Kritik an dem Vorschlag von EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen fĂŒr den nĂ€chsten langfristigen Gemeinschaftshaushalt der EuropĂ€ischen Union.

Die Bundesregierung werde den Vorschlag der Kommission nicht akzeptieren können, teilte Regierungssprecher Stefan Kornelius mit. Auch eine von der Behörde vorgesehene zusĂ€tzliche Belastung fĂŒr Unternehmen finde in Berlin keine UnterstĂŒtzung.

Von der Leyen will Zwei-Billionen-Budget

Etwa um zusĂ€tzliche Investitionen in Sicherheit und Verteidigung zu ermöglichen, will die EU-Kommission den Etat fĂŒr die Jahre 2028 bis 2034 auf rund zwei Billionen Euro aufstocken. Das sind etwa 700 Milliarden Euro mehr als derzeit fĂŒr die laufende siebenjĂ€hrige Budgetperiode veranschlagt sind. Kornelius teilte mit, ein umfassender Aufwuchs des EU-Etats sei nicht vermittelbar in Zeiten, in denen die MitgliedslĂ€nder mit erheblichen Anstrengungen bemĂŒht seien, ihre Haushalte zu stabilisieren.

In dem Haushalt werden Obergrenzen der jÀhrlichen Ausgaben der EU sowie deren Verwendung festgelegt. Als wirtschaftsstÀrkster Mitgliedsstaat steuert Deutschland in der Regel knapp ein Viertel der Mittel bei.

Kritik an möglicher neuer Belastung fĂŒr Unternehmen

Eine von der EU-Kommission zur Entlastung der Mitgliedsstaaten gedachte zusĂ€tzliche Abgabe fĂŒr große Unternehmen in Richtung BrĂŒssel stĂ¶ĂŸt aber nicht nur in der Bundesregierung auf Kritik.

Vom Auto-Branchenverband VDA hieß es schon im Vorhinein, die Unternehmen in Deutschland und Europa befĂ€nden sich in einer wirtschaftlich Ă€ußerst schwierigen Lage. "Jegliche Steuererhöhung oder die EinfĂŒhrung zusĂ€tzlicher Abgaben verbieten sich daher - sowohl auf nationaler als auch auf europĂ€ischer Ebene", sagte PrĂ€sidentin Hildegard MĂŒller. Eine unabhĂ€ngig vom Gewinn erhobene Abgabe mĂŒsse als besonders wachstumsschĂ€dlich eingestuft werden - sie wĂŒrde die WettbewerbsfĂ€higkeit der Unternehmen in der EU schwĂ€chen.

Auch vom DIHK hieß es bereits vor der Vorlage des Kommissionsvorschlags, eine solche Maßnahme wĂ€re "das völlig falsche Signal". Es brauche RĂŒckenwind fĂŒr Unternehmen, nicht zusĂ€tzliche Abgaben, so HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrerin Helena Melnikov.

Kommission will gestaffelte Unternehmensabgabe

Als eine von mehreren neuen Einnahmequellen fĂŒr den EU-Haushalt schlĂ€gt die Kommission eine Abgabe fĂŒr große Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 100 Millionen Euro vor. So sollen die Firmen auf Grundlage ihres jĂ€hrlichen Nettoumsatzes gestaffelt BeitrĂ€ge nach BrĂŒssel leisten: 100.000 Euro bei einem Umsatz von 100 Millionen Euro bis 249 Millionen Euro, 250.000 Euro bei einem Umsatz bis 499 Millionen Euro, 500.000 Euro bei einem Umsatz bis 749 Millionen Euro und 750.000 Euro bei einem Umsatz ab 750 Millionen Euro.

Weiterhin sieht die BrĂŒsseler Behörde eine Abgabe auf nicht fĂŒr das Recycling gesammelten Elektroschrott vor und will, dass 15 Prozent der Einnahmen aus Tabaksteuern aus den HauptstĂ€dten nach BrĂŒssel fließen. Diese und weitere neue Eigenmittel sollen laut Kommission jĂ€hrlich 58,5 Milliarden Euro einbringen.

"Nullnummer fĂŒr Naturschutz"

Der Bund fĂŒr Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) bezeichnet den Kommissionsvorschlag als "Nullnummer fĂŒr Naturschutz". Es fehlten handfeste Zusagen zur Finanzierung, etwa zur Umsetzung des EU-Renaturierungsgesetzes zur Wiederherstellung der Natur, so der Vorsitzende Olaf Bandt. So drohe es, ins Stocken zu geraten.

Mit den vorgeschlagenen KĂŒrzungen fĂŒr Klima- und Naturschutz wĂŒrden die Menschen in Europa schlecht auf die sich verschĂ€rfenden Krisen beim Klima und der Artenvielfalt vorbereitet - "und das in einem weiteren Sommer mit Hitzewellen, WaldbrĂ€nden und Überschwemmungen", kritisiert die Umweltorganisation WWF.

Der Vorschlag muss nun von den EU-LÀndern und dem EuropÀischen Parlament beraten werden, es werden lange und komplizierte Verhandlungen erwartet.

@ dpa.de