LĂ€nder-Chef Rhein fordert echte Ergebnisse von Treffen mit Scholz
03.03.2024 - 14:37:30"Wir mĂŒssen an alle Stellschrauben ran, um die irregulĂ€re Migration zu begrenzen", sagte der hessische MinisterprĂ€sident der "Bild am Sonntag". Er verlangt von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) Klarheit darĂŒber, "wann weitere Staaten mit geringer Anerkennungsquote als sichere HerkunftslĂ€nder ausgewiesen werden und wie es um die zusĂ€tzlichen RĂŒckfĂŒhrungsabkommen steht".
Bei ihrem Treffen am Mittwoch wollen die Regierungschefs der LĂ€nder zunĂ€chst untereinander und dann mit Scholz ĂŒber die Migrationspolitik beraten. Ihre Kommunen stöhnen teilweise unter einer Ăberlastung mit Asylbewerbern.
Der bayerische MinisterprĂ€sident und CSU-Vorsitzende Markus Söder verlangte "jetzt sofort einen echten Richtungswechsel". Nach seinen Vorstellungen sollten Asylbewerber erst nach frĂŒhestens fĂŒnf statt drei Jahren volle Sozialleistungen erhalten und neu ankommende FlĂŒchtlinge aus der Ukraine nur noch Asylbewerberleistungen statt sofort BĂŒrgergeld. Söder forderte "zentrale Ausreisezentren des Bundes an FlughĂ€fen" und eine klar definierte Obergrenze fĂŒr die Aufnahme von Asylbewerbern, die sich an Deutschlands IntegrationsfĂ€higkeit orientieren soll.
Wie weiter bei der Bezahlkarte?
In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa fĂŒr die Zeitung sprachen sich 77 Prozent der 1002 Befragten fĂŒr die bundesweite EinfĂŒhrung einer Bezahlkarte aus, ĂŒber die Asylbewerber ihre staatlichen Leistungen erhalten (dagegen: 13 Prozent). Alle BundeslĂ€nder planen, ihren Kommunen die EinfĂŒhrung zu ermöglichen, oder haben damit bereits begonnen, 14 der 16 LĂ€nder gehen bei dem erforderlichen Vergabeverfahren gemeinsam vor.
Der Deutsche StĂ€dtetag forderte die LĂ€nder auf, dabei gemeinsame Regeln zu finden. Andernfalls drohe ein Flickenteppich, sagte der HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Helmut Dedy dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Samstag). Er lobte, dass die Ampel-Koalition an dieser Stelle bundesrechtlich Klarheit geschaffen habe. "Trotzdem sind fast alle weiteren Detailfragen zur Bezahlkarte immer noch offen." Die LĂ€nder mĂŒssten sicherstellen, "dass die Bezahlkarte in allen ihren Kommunen verpflichtend eingefĂŒhrt wird. Und zwar unter möglichst gleichen Rahmenbedingungen." Dedy nannte die Frage, ob die Karte fĂŒr neu ankommende Asylbewerber oder auch fĂŒr lĂ€nger hier lebende gelten soll, wie viel Bargeld abgehoben werden kann und ob die Karte nur fĂŒr bestimmte Waren eingesetzt werden kann.
Das Bundeskabinett hatte am Freitag beschlossen, dass die geplante Bezahlkarte mit einem Bundesgesetz abgesichert wird. Mit der Karte soll etwa verhindert werden, dass Asylbewerber Geld an Schlepper oder an ihre Familie oder Freunde ins Ausland ĂŒberweisen. Die konkrete Ausgestaltung ist vielerorts noch unklar. Bayern und Mecklenburg-Vorpommern gehen eigene Wege, wollen aber ebenfalls eine Bezahlkarte einfĂŒhren.
Was noch auf der Agenda steht
Thema auf dem Bund/LĂ€nder-Treffen soll auch das Wachstumgesetz werden, mit dem die Wirtschaft durch Steuererleichterungen und BĂŒrokratieabbau gefördert werden soll. Der Bundestag hat es mehrheitlich beschlossen. Die Union fordert aber, dass die Regierung nicht Teile der Kosten durch einen Abbau von Subventionen beim Agrardiesel finanziert und auf dieses Vorhaben ganz verzichtet. Der Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat hat keinen Kompromiss aller Beteiligten gefunden.
Die rheinland-pfĂ€lzische MinisterprĂ€sidentin Malu Dreyer (SPD) forderte die UnionslĂ€nder auf, im Bundesrat zuzustimmen. "Wir brauchen die steuerlichen Verbesserungen, die in der aktuellen wirtschaftlichen Lage ein dringend notwendiges positives Signal fĂŒr die Unternehmen in Deutschland darstellen", sagte Dreyer der Deutschen Presse-Agentur.

