Was nach einem Jahr vom EU-US-Zolldeal geblieben ist
Veröffentlicht am: 21.08.2026 um 06:00 Uhr | dpa.deEigentlich wollte US-Präsident Donald Trump hohe Zölle auf europäische Produkte erheben. Nach Monaten des Zollkonflikts erreichten er und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Ende Juli 2025 im schottischen Turnberry dann aber eine Einigung. Trotzdem wurde noch wochenlang um Details gerungen, bis am 21. August 2025 die Details des bilateralen Handelsabkommens standen. Ein Überblick:
Worauf hatte man sich beim Turnberry-Deal geeinigt?
In einer gemeinsamen Erklärung wurde vereinbart, dass auf die meisten europäischen Einfuhren in die USA maximal ein Aufschlag von 15 Prozent des Warenwertes erhoben werden darf – die Zollobergrenze. Brüssel machte aber im Gegenzug weitere Zugeständnisse wie die Abschaffung von EU-Zöllen auf US-Industriegüter.
Angesichts der impulsiven Politik unter Trump baute die EU später zusätzlich ein Sicherheitsnetz ein: Sollten die USA ihre Zusagen nicht vollständig umsetzen oder Absprachen wieder aussetzen, können auch Zugeständnisse der EU ausgesetzt werden.
Was ist der aktuelle Stand?
Das Abkommen sieht einen Maximal-Zoll in Höhe von 15 Prozent für die meisten EU-Importe in die USA vor. Diese Vereinbarung gilt weiter. Derzeit liegt der pauschale Zollsatz, der tatsächlich für die meisten EU-Importe in die USA erhoben wird, aber nach Angaben einer Sprecherin der EU-Kommission bei 10 Prozent.
Der niedrigere Aufschlag kommt durch Trumps jüngsten Einfall für neue Zölle zustande: Weil rund 60 Handelspartner angeblich unzureichend gegen Zwangsarbeit vorgegangen waren, verkündete der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer einen neuen Zollsatz – für die EU 10 Prozent.
Insgesamt sieht die EU-Kommission damit keine Verschlechterung der Situation, im Gegenteil: Alle EU-Exporte profitierten nach den neuen Zollregelungen entweder von einer günstigeren oder einer gleichwertigen Regelung, hieß es von der Brüsseler Behörde nach der Ankündigung.
Zusätzlich würden die Zollbefreiungen für die Importe aus der EU – wie für Kork und Diamanten – wieder eingeführt, die zu den bestehenden Ausnahmen wie für Flugzeuge und Flugzeugteile, Generika und Wirkstoffe hinzukämen. Die Ankündigung liefere zudem positive Impulse, um an weiteren Zollbefreiungen zu arbeiten.
Wie geht es der deutschen Wirtschaft mit dem Zollabkommen?
Entgegen aller Befürchtungen schlägt die deutsche Wirtschaft sich robust trotz der US-Zölle und immer neuer Krisen wie dem Iran-Krieg. Im zweiten Quartal legte sie schon das dritte Quartal in Folge zu; manche Ökonomen haben ihre Prognose für dieses Jahr angehoben und erwarten ein Wachstum von rund einem Prozent - nach einem Mini-Plus von 0,2 Prozent 2025.
Die deutschen Exporteure stecken die US-Zölle zunehmend weg. Im Juni lieferten sie Waren im Rekordwert von 139,3 Milliarden Euro ins Ausland - und das trotz höherer Zollhürden im wichtigsten Exportland USA.
Den deutschen Firmen hilft, dass das Europa-Geschäft brummt und Einbußen mit den USA ausgleicht. Zudem gebe der Zolldeal zwischen Brüssel und Washington «ein gewisses Maß an Planungssicherheit», sagt DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov. So verzeichnete die deutsche Elektroindustrie im ersten Halbjahr nur ein moderates Minus von 2,1 Prozent im Exportgeschäft mit den USA. Und im Maschinenbau gelang es, die Ausfuhren nach Amerika von Januar bis Juni dank einer Erholung noch minimal zu steigern.
Nach einer juristischen Niederlage Trumps vor dem Supreme Court haben deutsche Unternehmen zudem Hunderte Millionen Euro wegen zu viel gezahlter Zöller zurückbekommen. Insgesamt wurden hiesigen börsennotierten Konzernen rund 790 Millionen Euro erstattet, berichtete die «Wirtschaftswoche». Allein der Logistikriese DHL erhielt demnach 416 Millionen.
Wie bewerten Experten das bilaterale Handelsabkommen?
Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) blickt zwiespältig auf den Deal zwischen von der Leyen und Trump. «Der Turnberry-Deal hat für die Industrie bisher nur bedingt Stabilität gebracht. Das Abkommen war immer ein schmerzhafter Kompromiss», sagte Wolfgang Niedermark, Mitglied der BDI-Hauptgeschäftsführung.
Zwar sei es positiv zu bewerten, dass sich die USA «größtenteils» an die Obergrenze eines Zolls in Höhe von 15 Prozent hielten, sagte Niedermark weiter. Keine Lösung gebe es hingegen weiter für die teils 50-prozentigen Zölle auf Stahl und Aluminium sowie die Sätze in Höhe von 25 Prozent auf bestimmte Lkw-Einfuhren. «Bei den Zöllen auf Stahl- und Aluminiumprodukte droht nach zwischenzeitlichen Verbesserungen wieder eine Ausweitung der US-Maßnahmen.»
Unmut gibt es auch aus der Autoindustrie. «Die aktuellen US-Zölle in Höhe von 15 Prozent für Pkw und deren Teile stellen weiterhin eine spürbare Herausforderung für die deutsche Automobilindustrie dar», sagte ein Sprecher des Branchenverbands VDA. Er kritisierte zudem, dass die «sehr hohen zusätzlichen US-Zölle auf europäische Nutzfahrzeuge und deren Teile eine erhebliche Belastung für die betroffenen Unternehmen» darstellten. Vor dem Amtsantritt von Trump lag der Zollsatz für Pkw bei 2,5 Prozent.
Wie schaut es in anderen Ländern in Sachen Zollkonflikt aus?
Dass es auch anders geht und wie unbeständig Trump ist, zeigte er jüngst am Beispiel Kanadas: Nach der Verhängung eines Zolls von 25 Prozent auf nahezu alle Waren im vergangenen Jahr – angeblich, weil das Nachbarland zu wenig gegen den Drogenschmuggel unternimmt – drohte Trump zeitweise mit einem Satz von 100 Prozent. Immer wieder nutzte er sein Lieblingsinstrument auch, um bei einem ganz anderen Thema, einer Grenzbrücke zwischen beiden Staaten nahe Detroit, nachzuverhandeln.
Zuletzt drohte er mit einer zusätzlichen Importgebühr von 50 Prozent auf eine Reihe von Produkten, nur um diese kurz vor dem angepeilten Start wieder zu kassieren. Die plötzlichen Rückzieher prägen Trumps erratischen Verhandlungsstil und dessen Politik seit langem und sind unter dem Akronym «TACO» bekannt – das steht für «Trump Always Chickens Out» («Trump kneift immer»). Nun ist es bei der EU faktisch zu einer Verbesserung der Zollkonditionen gekommen.
