Pharmabranche: EngpÀsse bei Kinderarzneien sind gesunken
04.12.2025 - 04:00:15Bisherige Schritte der Politik gegen Arznei-EngpĂ€sse in Deutschland haben aus Sicht des Pharmaverbands Pro Generika nur begrenzt geholfen. Zwar habe sich die Versorgung bei Medikamenten fĂŒr Kinder stabilisiert, doch bei versorgungskritischen Mitteln gebe es mehr EngpĂ€sse, bilanziert Pro Generika. «Eine Entspannung der Lage ist nicht in Sicht.»
Betroffen seien Antibiotika und ambulante Krebsmedikamente. «Die Liste der Wirkstoffe, die als versorgungskritisch gelten und dennoch nicht verfĂŒgbar sind, ist lĂ€nger geworden.» AuffĂ€llig sei, dass europĂ€ische Hersteller bei Ausschreibungen von Antibiotika und Krebsmitteln bei nur etwa 50 Prozent der Wirkstoffe den Zuschlag erhielten. Investitionen in Ausbau oder Neuerrichtung von Werken in Europa seien ausgeblieben.
In Deutschland kommt es immer wieder zu Arznei-EngpĂ€ssen, etwa bei Schmerz- und Diabetesmitteln oder Antibiotika. 2022 wurden Paracetamol-FiebersĂ€ften fĂŒr Kinder knapp. Die Politik reagierte im Sommer 2023 mit dem LieferengpassbekĂ€mpfungsgesetz, mit dem unter anderem Preisregeln fĂŒr Kinderarzneien gelockert und gröĂere Arznei-VorrĂ€te vorgeschrieben wurde. Pro Generika legt nun eine Bilanz vor, die das Berliner Forschungsinstitut Iges erstellt hat.Â
Lichtblick bei Kinderarzneien
Ergebnis: Zumindest bei Kinderarzneien sei Zahl der EngpĂ€sse gesunken. Das Gesetz habe den richtigen Ansatz gehabt, sagt Bork Bretthauer, GeschĂ€ftsfĂŒhrer von Pro Generika: «Anreize fĂŒr Unternehmen, damit diese sich nicht aus KostengrĂŒnden aus der Produktion verabschieden mĂŒssen.» Jedoch wĂŒrden noch immer 60 Prozent der Kinderarzneien nur von einem einzigen Hersteller angeboten.
Bei Paracetamol-FiebersĂ€ften ist Hauptanbieter der israelische Pharmakonzern Teva, Mutterkonzern von Ratiopharm aus Ulm. Andreas Burkhardt, Vorsitzender von Pro Generika und zugleich Deutschlandchef von Teva, lobt die Lockerung von Preisvorgaben, wie das Verbot von RabattvertrĂ€gen und FestbetrĂ€gen fĂŒr Kinderarzneien. «Wir können den Fiebersaft jetzt kostendeckend produzieren. Das aber reicht noch nicht, um neue Unternehmen zur Produktion anzureizen.»
Kritik an KostendruckÂ
Pro Generika vertritt die Produzenten von Nachahmerarzneien, Kopien von Medikamenten, deren Patentschutz abgelaufen sind. Sie spielen eine wichtige Rolle im Gesundheitssystem.Â
PharmaverbĂ€nde machen Kostendruck der Politik dafĂŒr mitverantwortlich, dass sich Arzneihersteller in Deutschland teils aus der Produktion zurĂŒckgezogen haben. Sie könnten wegen der Preisregulierung fĂŒr Medikamente steigende Kosten nicht an Kunden weitergeben. Bei vielen Wirkstoffen ist Deutschland von China und Indien abhĂ€ngig. Grund fĂŒr LieferengpĂ€sse seien Produktionsprobleme und eine hohe Nachfrage, schreibt das Iges-Institut.Â
Pro Generika fordert Entlastungen auch bei versorgungskritischen Arzneien. Das sei finanzierbar: Bisher seien nur wenige Millionen Euro angefallen, ein Bruchteil der kalkulierten Mehrkosten fĂŒr das LieferengpassbekĂ€mpfungsgesetz.





