VW-Aufsichtsrat, Sparpaket

VW-Aufsichtsrat beschließt Sparpaket: 50.000 Stellen bis 2030 weg

Veröffentlicht am: 04.09.2026 um 00:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Volkswagens Aufsichtsrat billigt bis 2030 den Abbau von 50.000 Stellen; Werksschließungen bleiben offen, Investitionen von 135 Milliarden Euro geplant.

Volkswagen beschließt Sparprogramm mit 50.000 weiteren Stellenstreichungen
Leere, industrielle Werkshalle mit hohen Decken und ungenutzten Maschinen in einer kühlen, sachlichen Atmosphäre. Illustration mit AI erstellt.

Der Aufsichtsrat der Volkswagen AG hat am 3. September 2026 einstimmig einem umfassenden Sparprogramm zugestimmt, das tiefgreifende Einschnitte in der globalen Personalstruktur vorsieht. Der Plan sieht vor, bis zum Jahr 2030 weltweit rund 50.000 zusätzliche Stellen abzubauen. Mit diesem Schritt reagiert der Konzern auf den anhaltenden Kostendruck und die Herausforderungen der industriellen Transformation.

Operative Rendite soll deutlich steigen

Ein zentraler Bestandteil der neuen Strategie ist die Steigerung der Profitabilität. Volkswagen strebt bis zum Jahr 2030 eine operative Rendite von 9 % an. Derzeit liegt dieser Wert bei knapp 4 %. Um dieses Ziel zu erreichen, sollen die weltweiten Personalkapazitäten enger an die Transformationsziele des Unternehmens gekoppelt werden.

Von den geplanten 50.000 Stellenstreichungen entfällt etwa die Hälfte auf Standorte in Deutschland. Konzernchef Oliver Blume bezeichnete die aktuelle Lage des Automobilherstellers als mehr als kritisch. Er gab zudem zu bedenken, dass der nun beschlossene Abbau der 50.000 Arbeitsplätze bis Ende des Jahrzehnts möglicherweise nicht ausreichen werde, um die Zukunftsfähigkeit des Konzerns zu sichern.

An den Finanzmärkten wurde die Ankündigung positiv aufgenommen; die VW-Aktie verzeichnete im Handel bei Tradegate ein Plus von 5,85 % und stieg auf 78,18 EUR.

Kostendifferenz belastet deutsche Produktion

Als Hauptgrund für die restriktiven Maßnahmen nannte VW-Finanzchef Arno Antlitz die im internationalen Vergleich zu hohen Produktionskosten an den heimischen Standorten.

Interne Berechnungen verdeutlichen das Gefälle: Während die Fertigung eines Fahrzeugs in deutschen Werken Kosten von durchschnittlich 6.490 Euro verursacht, liegen diese in anderen europäischen Werken des Konzerns bei lediglich 2.832 Euro. Besonders der Standort Hannover steche mit Produktionskosten von rund 9.000 Euro pro Fahrzeug hervor.

Vor diesem Hintergrund stehen mehrere deutsche Werke unter erheblichem Druck. Laut internen Papieren wird für die Standorte Emden und Zwickau ein Produktionsende für das Jahr 2031 in Betracht gezogen. Das Werk in Hannover könnte 2032 folgen, während für Neckarsulm das Jahr 2034 als möglicher Endpunkt genannt wird.

Anzeige

Wenn im Unternehmen einschneidende Veränderungen oder Personalabbau drohen, ist eine fundierte Vorbereitung für Arbeitnehmervertreter unerlässlich. Dieser kostenlose Ratgeber unterstützt Sie mit Mustern und Verhandlungshilfen dabei, faire Bedingungen für die Belegschaft auszuhandeln. Kostenlosen Ratgeber für Sozialpläne herunterladen

Eine endgültige Entscheidung über diese Werksschließungen steht allerdings noch aus; der Aufsichtsrat hat hierzu noch keinen formellen Beschluss gefasst. Bis Juni 2027 soll zunächst geprüft werden, ob für die betroffenen Standorte alternative Nutzungskonzepte realisierbar sind.

Verlagerung der Produktion ins Ausland geplant

Parallel zu den potenziellen Schließungen plant der Vorstand, die Fertigung wichtiger Modelle ins Ausland zu verlegen. Der Nachfolger des ID.4 soll künftig in Tschechien vom Band laufen, während die Produktion des Q4 e-tron in die Slowakei verlagert werden könnte.

Für die Fertigung des Transporters ist Polen vorgesehen. Lediglich für den A8 wird eine Verlagerung innerhalb Deutschlands nach Leipzig in Erwägung gezogen. Trotz der Sparmaßnahmen plant Volkswagen im Zeitraum von 2027 bis 2031 Investitionen in Höhe von insgesamt 135 Mrd. Euro.

Widerstand von Gewerkschaft und Politik

Die Pläne stoßen auf entschiedenen Widerstand der Arbeitnehmervertreter und der Politik. Die IG Metall wies die Überlegungen zu Werksschließungen als unsinnig zurück und betonte, dass der Vorstand solche Entscheidungen nicht im Alleingang treffen könne.

Der Betriebsrat geht davon aus, dass insgesamt bis zu 40.000 Arbeitsplätze durch die aktuellen Pläne gefährdet seien. Innerhalb des Konzerns kursierten zudem Warnungen, die die Situation des Unternehmens mit dem Untergang der Titanic verglichen und ein Szenario zeichneten, in dem sogar bis zu 100.000 Jobs bedroht sein könnten.

Anzeige

Wer sich in Zeiten betrieblicher Umstrukturierungen für die Interessen der Belegschaft einsetzt, sollte seine Mitbestimmungsrechte genau kennen. Ein kostenloser PDF-Report enthüllt, wie Sie Instrumente wie den Interessenausgleich aktiv zu Gunsten Ihrer Kollegen beeinflussen können. Wichtige Mitbestimmungsrechte beim Sozialplan entdecken

Auch die niedersächsische Landesregierung schaltete sich ein. Sie kündigte an, um den Erhalt aller Volkswagen-Standorte kämpfen zu wollen. Eine Aushöhlung des VW-Gesetzes sowie Werksschließungen lehne das Land konsequent ab. Damit zeichnet sich für die kommenden Monate eine intensive Auseinandersetzung zwischen der Konzernführung und den Arbeitnehmervertretern ab.

Mehr zum Thema bei tagesschau.de: „VW-Aufsichtsrat beschließt Sparmaßnahmen - 50.000 Stellen weg“

Disclaimer...

de | wirtschaft | 70052016 |