VDA, Deutschland

Vor VW-Aufsichtsrat - Branchenverband sieht Reformbedarf

Veröffentlicht: 08.07.2026 um 11:26 Uhr, dpa.de

VW berät über Einschnitte, während Beschäftigte protestieren. Was VDA-Präsidentin Müller zu Standortproblemen und Jobabbau sagt.

Hildegard Müller, Präsidentin des Automobilverbands VDA. - Bild: Sven Hoppe/dpa
Hildegard Müller, Präsidentin des Automobilverbands VDA. - Bild: Sven Hoppe/dpa

Inmitten der Debatte über Sparpläne bei VW und Mercedes-Benz sieht der Verband der Automobilindustrie (VDA) weiteren Reformbedarf in der Branche – auch bei Kosten und Personal. Die Entscheidungen seien schwierig und müssten im Dialog mit allen Beteiligten ausgestaltet werden, so die VDA-Präsidentin Hildegard Müller in einer Mitteilung. Konkrete Aussagen zu einzelnen Unternehmen machte Müller nicht.

«Die Unternehmen der Automobilindustrie werden mit Blick auf die andauernden und akuten Standortprobleme weitere Reformen und Anpassungen vornehmen müssen», so Müller. «Dazu gehören Kostendisziplin, leider auch notwendige Personalanpassungen und tiefgreifende Reformen der Geschäftsmodelle.» Diesen Handlungsbedarf zu leugnen, sei keine Option. «Es ist kurzsichtig und wegen seiner Konsequenzen unsozial.»

VW-Aufsichtsrat berät über neue Sparpläne

In Wolfsburg findet am Donnerstag eine VW-Aufsichtsratssitzung statt, auf der über mögliche weitere Einschnitte beraten wird. IG Metall und Betriebsrat halten mit einem bundesweiten Aktionstag an allen Konzernstandorten dagegen. An mehreren Standorten sind Kundgebungen geplant, bei Porsche in Stuttgart ein Autokorso. 

Laut «Manager Magazin» will VW seinen Sparkurs deutlich verschärfen: Bis zu 100.000 Stellen könnten weltweit wegfallen, doppelt so viele wie bisher geplant. Vier Werken des VW-Konzerns in Deutschland droht demnach sogar die Schließung: Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm. Laut «Spiegel» könnte die Fahrzeugproduktion dort bis Ende 2034 auslaufen. 

Am vergangenen Freitag hatten bereits bundesweit Zehntausende Beschäftigte des Autobauers Mercedes-Benz gegen eine geplante Verschärfung des Sparkurses des Unternehmens protestiert. 

Müller will Werke für ausländische Hersteller öffnen

Die Branche stehe vor der Aufgabe, «ihre Wettbewerbsfähigkeit und ihr Geschäftsmodell konsequent zu sichern und neu zu gestalten», sagte Müller. Die Realität habe die politischen Ziele und Ansätze überholt und gefährde zunehmend auch Arbeitsplätze. «Die Werke bei Herstellern und Zulieferern werden wir so nicht halten können», so Müller. 

Zugleich forderte sie: «Wir müssen die Standorte hier auch für ausländische Hersteller öffnen. Mit jedem Werk, das wir hier halten können, halten wir Arbeitsplätze.»?

Blume prüft China-Autos für Europa

Bei VW hatte Konzernchef Oliver Blume zuletzt angekündigt, auch die Produktion chinesischer VW-Modelle in Europa zu prüfen, um die Auslastung der Werke zu verbessern. «Wir werden prüfen, ob es in Europa Absatzmöglichkeiten für unsere chinesischen Autos gibt», so Blume bei der Vorlage der Quartalszahlen Ende April.

Auch Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies und Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter (beide SPD) sprachen sich bereits dafür aus, Modelle aus China nach Europa zu holen, um die hiesigen Werke auszulasten. 

In Betracht kämen laut Blume eigene Modelle, die VW in China speziell für den dortigen Markt entwickelt hat und bisher nur dort anbietet. Spekulationen, VW könne auch komplette Standorte an Hersteller aus China abgeben, hatte Blume dagegen zuletzt zurückgewiesen. Es gebe aktuell keine Überlegungen und Gespräche mit chinesischen Herstellern, so der Konzernchef.

Abbau von 37.000 Stellen bereits fix

Bis 2030 hat Volkswagen bereits den Abbau von konzernweit 50.000 Stellen in Deutschland angekündigt. 35.000 Jobs sollen bei der Kernmarke wegfallen, der Rest bei Töchtern wie Audi und Porsche. Mehr als 37.000 Beschäftigte haben bereits entsprechende Vereinbarungen unterschrieben.

In Dresden ist die Fahrzeugproduktion jüngst ausgelaufen, für Osnabrück sucht der Konzern derzeit nach einer Lösung, wenn dort im kommenden Jahr die Cabrio-Fertigung endet. Vor allem Rüstungskonzerne sind dort als mögliche Partner im Gespräch.

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