VW-BeschĂ€ftigte drĂ€ngen auf GesprĂ€che ĂŒber Zukunftstarifvertrag
Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 22:43 Uhr | dpa, AD HOC NEWSNach der Einigung im VW-Aufsichtsrat auf einen schÀrferen Sparkurs drÀngt die Arbeitnehmerseite auf GesprÀche mit dem Management.
IG Metall fordert Klarheit
Die Tarifkommission der IG Metall beschloss einstimmig, eine Klausel aus dem Zukunftstarifvertrag von Ende 2024 in Anspruch zu nehmen. Die Gewerkschaft will dabei prĂŒfen, ob die vereinbarten Zusagen zu neuen Modellen, Zukunftsprodukten und modernen Produktionsverfahren eingehalten werden.
Der niedersĂ€chsische IG-Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger sagte, Vertragstreue sei keine EinbahnstraĂe. Zugleich machte die Gewerkschaft deutlich, dass das Verfahren weder den Tarifvertrag kĂŒndige noch die vereinbarte BeschĂ€ftigungssicherung antaste.
VW stellt sich auf GesprÀche ein
Volkswagen begrĂŒĂte den Schritt und erklĂ€rte, fĂŒr GesprĂ€che zur VerfĂŒgung zu stehen. Der Personalvorstand der Marke Volkswagen, Arne Meiswinkel, verwies darauf, dass sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen seit Ende 2024 grundlegend verĂ€ndert hĂ€tten.
Der Konzern begrĂŒndet den zusĂ€tzlichen Druck mit schwĂ€cherem Absatz, Handelsbarrieren, geopolitischen Spannungen und wachsendem Wettbewerb aus China. Vorstand und Aufsichtsrat seien ĂŒbereinstimmend der Ansicht, dass die Ende 2024 vereinbarten MaĂnahmen nicht ausreichten, um die angestrebte operative Umsatzrendite von neun Prozent zu erreichen.
GroĂer Umbau steht bevor
Der Aufsichtsrat hatte sich bereits vergangene Woche auf einen Zukunftsplan verstÀndigt. VW-Chef Oliver Blume will den Konzern weiter umbauen und weltweit rund 50.000 Stellen streichen; die HÀlfte davon könnte auf deutsche Standorte entfallen.
Besonders im Blick stehen Emden, Zwickau, Hannover und der Audi-Standort Neckarsulm. FĂŒr die vier Werke gibt es bislang keine wettbewerbsfĂ€hige Folgebelegung, SchlieĂungen wurden aber nicht beschlossen. Die GesprĂ€che zwischen Konzern und Arbeitnehmern dĂŒrften damit zu einem frĂŒhen Test dafĂŒr werden, wie belastbar die Zusagen aus dem Tarifabschluss von 2024 noch sind.
VW unter Druck
Der Konflikt bei Volkswagen zeigt, wie eng Tarifpolitik und Konzernumbau inzwischen miteinander verknĂŒpft sind. Nach dem harten Abschluss Ende 2024 stehen die zugesagten Investitionen und Produktentscheidungen nun im Mittelpunkt, weil die BeschĂ€ftigten ihre ZugestĂ€ndnisse an konkrete Zukunftsperspektiven gebunden haben.
Streit um VerlÀsslichkeit
FĂŒr den Konzern geht es nicht nur um Kostensenkung, sondern um die Frage, ob sich die ehrgeizigen Renditeziele mit der bestehenden Struktur noch erreichen lassen. Die von VW skizzierte VerschĂ€rfung des Sparkurses und der geplante Stellenabbau erhöhen den Druck auf die Standorte in Deutschland und verschĂ€rfen die Unsicherheit in den Belegschaften.
Signalwirkung ĂŒber Wolfsburg hinaus
Die anstehenden GesprĂ€che haben deshalb ĂŒber den Einzelfall hinaus Bedeutung. Sie zeigen, wie stark die europĂ€ische Autoindustrie derzeit von schwĂ€cheren Margen, höherem Wettbewerbsdruck und teuren Transformationsinvestitionen geprĂ€gt ist. FĂŒr BeschĂ€ftigte, Zulieferer und Regionen mit VW-Standorten ist entscheidend, ob der Konzern die angekĂŒndigten Zukunftsprojekte tatsĂ€chlich mit Tempo unterlegt oder den Umbau weiter streckt.
