VW-Betriebsrat vs. Blume: Vertrauenskrise eskaliert ab August
Veröffentlicht: 13.07.2026 um 01:09 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die Arbeitnehmervertreter werfen dem Vorstandsvorsitzenden einen massiven Vertrauensbruch vor – weil er ein Ultimatum zur Stellungnahme verstreichen ließ.
„Respektlos“: Betriebsrat kritisiert Informationspolitik
Blume habe das Management zwar über weitreichende Sparpläne und mögliche Werksschließungen informiert, die betroffenen Beschäftigten aber nicht direkt ins Bild gesetzt, so der Betriebsrat. Bisherige Pressezitate des Konzernchefs brächten keine Klarheit, sondern vergrößerten die Verunsicherung unter den Zehntausenden Mitarbeitern.
Besonders an den Standorten Emden, Hannover, Neckarsulm, Osnabrück und Zwickau sei die Lage für die mehr als 40.000 Beschäftigten unerträglich. Die Betriebsratsvorsitzende warf Blume Respektlosigkeit gegenüber der Belegschaft vor. Zu Beginn seiner Amtszeit habe er noch eine nahbare Kommunikation gepflegt – jetzt sei das Vertrauen nahezu vollständig aufgebraucht.
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Das Gremium fordert nun eine Verkleinerung des Vorstands. Nach der Sommerpause, unter anderem ab dem 10. August, will der Betriebsrat den Konzernchef in Betriebsversammlungen zur Rede stellen.
120.000 Stellen vor dem Aus?
Hintergrund der Spannungen ist ein weitreichendes Sparprogramm. Medienberichten zufolge könnten weltweit zwischen 100.000 und 120.000 Stellen gestrichen werden. In Deutschland stehen demnach mehrere Werke zur Disposition: Zwickau und Emden sollen ab 2031 ohne Produktion bleiben, für Hannover steht ein Ende der Fertigung für 2032 im Raum.
Zu bereits vereinbarten Streichungen von 50.000 Stellen sollen bis 2030 weitere 50.000 Arbeitsplätze wegfallen. Ein entsprechendes Sparpaket – intern als „Zukunftsplan“ bezeichnet – scheiterte jedoch in der Aufsichtsratssitzung am 9. Juli. Das Kontrollgremium lehnte die Pläne mit 12 zu 7 Stimmen ab. Insbesondere die Arbeitnehmervertreter und das Land Niedersachsen stimmten dagegen.
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Absatz einbruch in China: VW unter Druck
Die wirtschaftliche Lage des Konzerns hat sich deutlich eingetrübt. Im zweiten Quartal sank der Absatz um 9 Prozent auf rund 2,08 Millionen Fahrzeuge. Besonders dramatisch: Auf dem für VW essenziellen chinesischen Markt brachen die Verkäufe um etwa ein Drittel auf 424.300 Fahrzeuge ein.
Blume verteidigte seine Strategie und verwies darauf, dass ein umfassender Zukunftsplan den Konzern robuster aufstellen würde. Es gebe intelligentere Lösungen als reine Werksschließungen, betonte er. Als positiven Aspekt hob die Konzernführung hervor, dass sich die Fabrikkosten in Deutschland im vergangenen Jahr bereits um 20 Prozent verbessert hätten.
Zudem verzeichnete das Unternehmen einen erfolgreichen Start seiner neuen Elektroflotte: Vom Modell ID. Polo wurden in den ersten vier Wochen mehr als 50.000 Einheiten abgesetzt. Ob das reicht, um den Konflikt mit dem Betriebsrat zu entschärfen, ist fraglich. Die Arbeitnehmervertreter drängen auf verbindliche Zusagen für die deutschen Standorte – und wollen keine weiteren Verzögerungen akzeptieren.
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