VW-Krise, Stellen

VW-Krise: 100.000 Stellen fallen – IG Metall plant Gegenwehr

Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 00:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

VW verzeichnet im ersten Halbjahr 2026 deutliche Rückgänge bei Absatz und Rendite. Ein radikaler Sparkurs mit tausenden Stellenstreichungen soll die Wende bringen.

Volkswagen-Krise: Absatz- und Gewinneinbruch, Sparkurs mit Stellenabbau
Moderne Montagelinie in einer hochtechnisierten Volkswagen-Produktionshalle mit Fokus auf industrielle Fertigung. Illustration mit AI erstellt ĂĽbermittelt durch boerse-global.de

Der Volkswagen-Konzern steckt in einer schweren Krise. Die am 23. Juli vorgelegten Halbjahreszahlen zeigen: Absatz, Rendite und Gewinn brechen ein. Gleichzeitig kämpft der Autobauer mit einem radikalen Sparkurs, dem Tausende Stellen zum Opfer fallen sollen.

Absatz eingebrochen, Rendite unter Ziel

4,1 Millionen Fahrzeuge lieferte VW im ersten Halbjahr aus – ein Minus von 6,3 Prozent zum Vorjahr. Besonders das zweite Quartal lief schlecht: 2,08 Millionen Einheiten bedeuten einen Rückgang um 9 Prozent. Hauptgrund ist die schwache Nachfrage in China.

Die Folgen zeigen sich im Geldbeutel. Im ersten Quartal sackte der Gewinn nach Steuern um fast ein Drittel auf 1,56 Milliarden Euro ab. Die operative Umsatzrendite? Nur 3,3 Prozent. Das liegt deutlich unter dem Jahresziel von 4 Prozent. Bis 2030 will der Konzern 8 Prozent erreichen – ein ambitioniertes Ziel.

Produktion wird umgebaut

Die Konzernleitung reagiert mit einem harten Sparkurs. KernstĂĽck: Die Produktionskosten sollen auf maximal 3.000 Euro pro Fahrzeug sinken. Aktuell liegen sie bei rund 4.000 Euro.

Das Problem: Deutsche Werke sind teurer als osteuropäische. Zwar senkten die hiesigen Standorte ihre Kosten um über 20 Prozent. Doch während Zwickau sich der 4.000-Euro-Marke nähert, liegen die Kosten in Hannover weiter im fünfstelligen Bereich. Die Konsequenz: Die nächste ID.4-Generation könnte statt in Emden in Tschechien vom Band laufen.

VW plant insgesamt mit einer Kapazität von 9 Millionen Fahrzeugen – deutlich weniger als die 12 Millionen vor der Pandemie.

100.000 Stellen sollen weg

Der Sparkurs trifft die Belegschaft hart. 50.000 Stellen sind bereits gestrichen, weitere 50.000 Streichungen geplant. Bis zu vier Werke könnten geschlossen werden.

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Die Arbeitnehmervertreter und die IG Metall laufen Sturm. Anfang Juli lehnte der Aufsichtsrat die Pläne zunächst ab. Im September sollen neue Verhandlungen folgen.

Auch die Tochter Porsche baut ab: 5.000 bis 6.000 Stellen sollen bis 2035 wegfallen. Grund sind eingebrochene Verkäufe in China und eine gesunkene operative Rendite von nur 6 Prozent im Jahr 2025.

Politische Unsicherheit kommt durch das VW-Gesetz hinzu. Niedersachsen hält 20,2 Prozent der Anteile und hat ein Veto-Recht. Dieses könnte unter Druck geraten.

Klage gegen HauptversammlungsbeschlĂĽsse

Die wirtschaftliche Krise wird von juristischen Auseinandersetzungen begleitet. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) hat am 22. Juli Klage gegen BeschlĂĽsse der Hauptversammlung eingereicht.

Konkret geht es um einen D&O-Deckungsvergleich über 278 Millionen Euro und die Bestätigung des Haftungsvergleichs mit Ex-VW-Chef Martin Winterkorn. Die Kläger werfen der Führung eine unzureichende Informationsgrundlage vor. Bereits 2021 hatte der Bundesgerichtshof einen ähnlichen Beschluss für nichtig erklärt.

Lichtblick bei Nutzfahrzeugen

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Nicht alles läuft schlecht: Die Nutzfahrzeugmarken zeigen eine stabile Performance. Die Traton Group steigerte den Auftragseingang um 30 Prozent auf über 180.000 Fahrzeuge. MAN Truck & Bus erzielte bei 7 Milliarden Euro Umsatz eine operative Rendite von 7,0 Prozent.

Doch der Gesamtausblick bleibt dĂĽster. Die Nachfrage in Deutschland ist verhalten, die Marktunsicherheiten groĂź. VW steht vor einem harten zweiten Halbjahr.

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