VW-Sparkurs: Bis zu 50.000 Jobs und vier Werke auf dem Prüfstand
Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 19:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Volkswagen-Konzern hat am Freitag seine Geschäftszahlen für das zweite Quartal präsentiert – und die fallen düster aus. Der Gewinn brach um fast ein Drittel ein, die Erwartungen für das Gesamtjahr wurden nach unten korrigiert. Nun forciert der Vorstand ein massives Sparprogramm mit tausenden Jobs auf dem Prüfstand.
Gewinnrückgang zum zehnten Mal in Folge
Zwischen April und Juni 2026 verdiente Volkswagen mit 1,54 Milliarden Euro netto rund 32,9 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum (2,29 Milliarden Euro). Es ist der zehnte Rückgang in Folge. Der Umsatz stieg zwar moderat um 2 Prozent auf 82,4 Milliarden Euro, das operative Ergebnis sank jedoch um 10 Prozent auf 3,47 Milliarden Euro. Die Zahlen blieben hinter den Markterwartungen zurück.
Für das erste Halbjahr summiert sich der Umsatz auf 158 Milliarden Euro, der Gewinn gab um 12 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro nach. Die operative Rendite liegt bei mageren 3,8 Prozent. „Das ist zu niedrig“, sagte Finanzvorstand Arno Antlitz und sieht erheblichen Handlungsbedarf. Die Folge: Statt eines ursprünglich erwarteten Umsatzwachstums von 3 Prozent rechnet der Vorstand nun bestenfalls mit stabilen Erlösen – ein Minus von bis zu 3 Prozent ist möglich.
China macht massive Probleme
Besonders der chinesische Markt bereitet Sorgen. Die Auslieferungen brachen im zweiten Quartal um 34 Prozent auf 424.300 Fahrzeuge ein. Über das gesamte erste Halbjahr betrachtet sanken die Zahlen in China um rund ein Drittel. Experten führen das auf verschärften Wettbewerb und eine generelle Marktschwäche zurück.
Weltweit lieferte der Konzern im zweiten Quartal 2,08 Millionen Fahrzeuge aus – ein Minus von 9 Prozent. Auch die Töchter spüren den Druck: Audi senkte seine Margenprognose auf 5 bis 7 Prozent, bei Porsche liegt die operative Marge bei 8,9 Prozent.
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Sparkurs mit drastischen Einschnitten
Konzernchef Oliver Blume plant ein tiefgreifendes Sparpaket. Die Verwaltungskosten sollen um 11 Milliarden Euro sinken, die Modellvielfalt halbiert werden. Die jährliche Produktion will der Vorstand auf 9 Millionen Fahrzeuge trimmen.
Im Fokus stehen bis zu 50.000 Arbeitsplätze und vier Produktionsstandorte. Werksschließungen seien zwar die letzte Option, so Blume, aber man denke intensiv über alternative Nutzungen nach. Im Gespräch: die Produktion von Modellen für den chinesischen Markt in deutschen Werken oder eine Ausrichtung auf Rüstungsgüter. Vor 2030 seien Werksschließungen aber nicht vorgesehen.
Widerstand aus Politik und Betriebsrat
VW-Chef Blume will das Sparpaket bis Jahresende im Aufsichtsrat beschließen – mit drastischen Einschnitten für Zulieferer. Wer jetzt seine Abhängigkeiten diversifiziert, sichert sich Wettbewerbsvorteile. Der Report zeigt in 5 Schritten, wie Sie Ihre Lieferkette krisenfest machen. Lieferketten-Checkliste sichern
Das Vorhaben stößt auf erheblichen Widerstand. Betriebsrat und das Land Niedersachsen, das 20 Prozent der Stimmrechte hält, laufen Sturm. In einer Sitzung vor zwei Wochen erhielten die Sparpläne keine Mehrheit im Aufsichtsrat. Blume gibt sich dennoch zuversichtlich: Rund 80 Prozent des Pakets könne der Vorstand auch ohne Zustimmung der Arbeitnehmerseite umsetzen.
Bis Ende des Jahres soll das gesamte Maßnahmenbündel im Aufsichtsrat beschlossen sein. Die nächste reguläre Sitzung ist für September angesetzt. Die Börse reagierte prompt: Die VW-Aktie verlor zeitweise über 2 Prozent. Seit Jahresbeginn hat das Papier damit mehr als 30 Prozent an Wert eingebüßt.
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