VW-Sparplan, Aufsichtsrat

VW-Sparplan: Aufsichtsrat entscheidet über 50.000 Stellen im September

Veröffentlicht am: 29.08.2026 um 01:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Volkswagen berät über den Abbau von 50.000 Stellen und mögliche Werksschließungen. Arbeitnehmer und Niedersachsen stellen sich gegen den Kurs.

Volkswagen vor Sparplan-Entscheidung: Werke und Jobs im Fokus
Leere, moderne Produktionshalle eines Automobilwerks mit Robotern und Montagelinien in einer ruhigen Industrieumgebung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der Aufsichtsrat von Volkswagen bereitet sich auf eine richtungsweisende Sitzung Anfang September vor, um über die künftige Strategie des Konzerns zu entscheiden.

Im Zentrum der Beratungen steht der Sparplan von Vorstandschef Oliver Blume, der nach vorliegenden Informationen den Abbau von 50.000 zusätzlichen Stellen sowie die Schließung von vier Produktionsstandorten vorsieht. Die Pläne stoßen auf erheblichen Widerstand der Arbeitnehmervertreter und des Landes Niedersachsen.

Drastische Sparziele und Standorte unter Druck

Das Management verfolgt das Ziel, bis zum Jahr 2030 insgesamt 50.000 Arbeitsplätze abzubauen. Davon soll etwa die Hälfte, also 25.000 Stellen, auf die deutschen Standorte entfallen. Konzernchef Blume begründete die Notwendigkeit dieser Maßnahmen mit dem hohen Druck auf die gesamte Automobilindustrie durch US-Zölle und die Konkurrenz aus China. Zudem liege die aktuelle Rendite mit 3,8 Prozent auf einem zu niedrigen Niveau.

Besonders im Fokus stehen die Werke in Emden, Hannover, Neckarsulm und Zwickau. Für diese Standorte sieht die Konzernführung derzeit keine wettbewerbsfähige Auslastung für die kommenden Jahre. In Emden sollen die Arbeitskosten doppelt so hoch ausfallen wie an vergleichbaren Standorten, weshalb ein Abbau des Managements um 25 Prozent im Raum steht.

In Zwickau sank die Zahl der Beschäftigten bereits von 11.000 auf 8.000; dort soll im Jahr 2027 eine Produktionslinie stillgelegt werden. In Dresden ist das Ende der Produktion bereits für Ende 2025 vorgesehen, was 230 Mitarbeiter betrifft.

Blockadepotenzial durch das VW-Gesetz

Die Umsetzung der Pläne unterliegt komplexen Mehrheitsverhältnissen im Aufsichtsrat. Das Gremium besteht aus 20 Mitgliedern, wobei die Arbeitnehmerseite über zehn Sitze verfügt. Zusammen mit den zwei Stimmen des Landes Niedersachsen bilden sie eine Blockademinderheit von 12 Stimmen.

Anzeige

Angesichts drohender Umstrukturierungen ist es für Arbeitnehmervertreter entscheidend, die eigenen Mitbestimmungsrechte beim Interessenausgleich genau zu kennen. Dieser kostenlose PDF-Report unterstützt Betriebsräte dabei, den Sozialplan aktiv zu Gunsten der Belegschaft zu beeinflussen. Wichtige Mitbestimmungsrechte jetzt kostenlos sichern

Da das VW-Gesetz für wichtige Beschlüsse eine Mehrheit von 80 Prozent und für Entscheidungen über Produktionsstätten eine Zweidrittelmehrheit verlangt, können wesentliche Teile des Sparplans ohne Zustimmung der Belegschaft und des Landes nicht verabschiedet werden.

Während die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch, die über die Porsche SE 53,3 Prozent der Stimmrechte halten, tiefgreifende Veränderungen fordern, lehnt Niedersachsen (20 Prozent der Stimmrechte) Massenentlassungen und Werksschließungen ab.

Auch Katar, das 17 Prozent der Stimmrechte kontrolliert, zeigte sich in der Vergangenheit restriktiv und blockierte bereits die Umnutzung des Werks in Osnabrück. Das Land Niedersachsen prüft unterdessen einen Einstieg in Osnabrück mit einem Volumen von mindestens 200 Millionen Euro.

Widerstand der Belegschaft und Kommunikation in der Kritik

Die Arbeitnehmervertreter kündigten bereits harten Widerstand an. Betriebsratschefin Daniela Cavallo lehnt betriebsbedingte Kündigungen und Schließungen strikt ab und kritisierte eine fehlende Produktstrategie. Sie warnte davor, dass im Extremfall bis zu 115.000 Arbeitsplätze betroffen sein könnten, wenn man alle Risiken einbeziehe.

Die IG Metall untermauerte diese Haltung und verwies darauf, dass die Beschäftigten bereits einen Arbeitskostenbeitrag von 1,5 Milliarden Euro leisteten. Für den 21. September rief die Gewerkschaft zu einem Aktionstag auf.

Anzeige

Wer sich mit den Folgen weitreichender Sparmaßnahmen befasst, benötigt rechtssichere Werkzeuge für die Verhandlung eines gerechten Sozialplans. Dieser Ratgeber bietet Betriebsräten praxisnahe Musterpunktsysteme und Schritt-für-Schritt-Anleitungen für schwierige Verhandlungssituationen. Kostenlosen Ratgeber für Betriebsräte herunterladen

Auch intern ist die Stimmung angespannt. Eine Umfrage unter der Belegschaft offenbarte eine erhebliche Verunsicherung. Kritisiert wurde insbesondere eine als desaströs empfundene Kommunikation der Konzernleitung. Um den Dialog zu suchen, sind neun außerordentliche Betriebsversammlungen geplant, unter anderem eine weitere Zusammenkunft am 31. August in Hannover.

In anderen Werken, wie dem Standort Kassel-Baunatal mit seinen 15.000 Mitarbeitern, pocht die Belegschaft auf bestehende Zusagen aus dem Tarifabschluss von 2024. Das Werk soll zum Zentrum für Elektroantriebe ausgebaut werden.

Technikvorstand Thomas Schmall betonte jedoch die wirtschaftliche Dringlichkeit der Transformation, da von 100 Euro Umsatz derzeit weniger als 4 Euro im Unternehmen verbleiben würden. Eine endgültige Entscheidung über die konkreten Maßnahmen wird innerhalb der nächsten sechs bis zwölf Monate erwartet.

Mehr zum Thema bei NZZ: „Krise bei VW: So entscheidet der Aufsichtsrat über den Sparplan von Oliver Blume“

Disclaimer...

de | wirtschaft | 70017674 |