VW-Tarifstreit, Metall

VW-Tarifstreit: IG Metall setzt Ultimatum für zehn gekündigte Verträge

Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 00:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Gewerkschaft setzt Volkswagen eine Frist bis Ende Oktober und droht nach Ende der Friedenspflicht mit Arbeitskampfmaßnahmen.
Eine leere, weitläufige Industriehalle mit Stahlträgern und Betonpfeilern in einer ruhigen, atmosphärischen Lichtstimmung. Illustration mit AI erstellt.

Im Tarifkonflikt bei der Volkswagen AG verschärft die Arbeitnehmerseite den Ton. Wie Medien am 23. Oktober 2026 berichteten, fordert die IG Metall von dem Wolfsburger Automobilkonzern die Rücknahme der Kündigung von zehn Tarifverträgen. Für diesen Schritt hat die Gewerkschaft dem Unternehmen ein Ultimatum bis Ende Oktober 2026 gesetzt.

Sollte Volkswagen der Aufforderung nicht nachkommen, drohen Arbeitskampfmaßnahmen. IG-Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger warnte vor einer umfassenden Maschinerie für den Arbeitskampf, sobald die bestehende Friedenspflicht zum 31. Dezember 2026 ausläuft.

Kündigung zentraler Vereinbarungen betrifft 130.000 Beschäftigte

Der Schritt der Gewerkschaft folgt auf eine weitreichende Maßnahme der Unternehmensführung: Die Volkswagen AG hatte Ende September 2026 zehn von zwölf beziehungsweise zehn von 13 Haustarifverträgen gekündigt, worunter auch der zentrale Manteltarifvertrag fällt. Zum 31. Dezember 2026 betrifft diese Kündigungswelle rund 130.000 Beschäftigte der Volkswagen AG an den deutschen Standorten.

Betroffen sind die Markensparten Pkw und Nutzfahrzeuge sowie die Komponentensparte und zentrale Konzernbereiche. Die aufgekündigten Regelungen betreffen elementare Bausteine wie Arbeitszeit, Urlaub und tarifliche Zulagen. Konkrete unternehmenseigene Gegenforderungen lagen zu diesem Zeitpunkt noch nicht vor.

Die IG Metall zieht mit klaren Forderungen in die Auseinandersetzung. Die Gewerkschaft verlangt fünf Prozent mehr Entgelt für die Beschäftigten sowie eine Verlängerung der Altersteilzeitregelungen über das Jahr 2027 hinaus. Zudem pocht sie auf eine Fortführung der tariflichen Beschäftigungssicherung über das Jahr 2030 hinaus.

Pläne für Gehaltsstopp und Transfergesellschaft sorgen für Empörung

Die Positionen der Tarifparteien liegen weit auseinander. Personalvorstand Meiswinkel hält nach Unternehmensangaben zwar grundsätzlich am Zukunftstarifvertrag und der Beschäftigungssicherung fest, betont jedoch einen akuten Handlungsbedarf bei den Arbeitskosten.

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Laut Medienberichten plant das Unternehmen einen weltweiten Verzicht auf Lohnerhöhungen über mehrere Jahre hinweg. Von Arbeitnehmervertretern verlautete zudem, dass Volkswagen plane, die Gehälter der weltweit rund 660.000 Mitarbeiter bis 2030 einzufrieren.

Für zusätzliche Spannungen sorgte ein Vorstoß des Konzernvorstands bei einem zweiten Überprüfungsgespräch zum Zukunftstarifvertrag. Das Management brachte eine öffentlich geförderte Transfergesellschaft mit einer Laufzeit von bis zu zwölf Monaten ins Spiel.

In diesem Modell ersetzt die Bundesagentur für Arbeit 60 Prozent des ausgefallenen Nettoentgelts, für Beschäftigte mit Kindern 67 Prozent; eine Aufstockung durch das Unternehmen sei verhandelbar und der Wechsel freiwillig.

Die IG-Metall-Vertreter Daniela Cavallo und Thorsten Gröger lehnten das Modell entschieden ab und werteten den Vorstoß als tarifpolitischen Wortbruch. Cavallo hob hervor, dass die Belegschaft die Beschäftigungssicherung bereits teuer bezahlt habe.

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Gröger verwies in diesem Zusammenhang auf die finanzielle Leistungsfähigkeit des Konzerns: Volkswagen könne 2,6 Milliarden Euro an Dividenden an Aktionäre ausschütten und 5 Milliarden Euro an Belastungen tragen, die durch den Strategieschwenk bei der Tochtermarke Porsche entstünden.

Niedersachsens Politiker Olaf Lies erklärte dazu, der Vorstand benötige die Kündigungen als Verhandlungsoption, warnte zugleich jedoch vor dauerhaften Arbeitsplatzverlusten in der Substanz.

Umfangreicher Stellenabbau und bevorstehende Verhandlungen

Hinter dem Tarifstreit stehen weitreichende Spar- und Abbaupläne des Konzerns. Bereits 2024 vereinbarte Volkswagen den sozialverträglichen Abbau von mehr als 35.000 Stellen in Deutschland bis 2030 über Abfindungen und Altersteilzeit. Aus den Zielvorgaben des Konzerns für 2030 folgt für die Volkswagen AG ein zusätzlicher Abbau von 12.000 Stellen bis zum Ende des Jahrzehnts.

Anfang September 2026 beschloss der Aufsichtsrat zudem die Streichung von weltweit 50.000 zusätzlichen Stellen. In Deutschland sollen insgesamt fast 100.000 Stellen wegfallen, wobei vier Standorte infrage stehen: Hannover, Zwickau, Emden sowie das Audi-Werk in Neckarsulm.

Trotz der Drohungen stehen erste Gesprächstermine fest. Nach einem weiteren Überprüfungsgespräch in Hannover verständigten sich Volkswagen und die IG Metall darauf, dass die Verhandlungen spätestens Anfang Dezember beginnen müssen. Der offizielle Start der Tarifverhandlungen ist für den 24. November 2026 in Emden angesetzt, gefolgt von einer Fortsetzung am 15. Dezember 2026 in Zwickau.

Mehr zum Thema bei Handelsblatt: „Gekündigte Tarifverträge: IG Metall stellt VW Ultimatum“

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