VW-Tarifverhandlungen: Auftakt am 24. November in Emden, Fortsetzung in Zwickau
Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 04:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Volkswagen AG und die Gewerkschaft IG Metall haben sich auf den Fahrplan für die anstehenden Tarifverhandlungen über die gekündigten Haustarifverträge verständigt.
Wie aus Berichten vom 23. Oktober 2026 hervorgeht, vereinbarten beide Seiten im zweiten Überprüfungsgespräch in Hannover, dass die Gespräche am 24. November 2026 in Emden starten und am 15. Dezember 2026 in Zwickau fortgesetzt werden sollen. Damit folgt die Verhandlungsführung der Forderung der Gewerkschaft, die Gespräche direkt an gefährdeten Produktionsstandorten zu führen.
Tiefe Einschnitte und Sparziele belasten die Gespräche
Ende September 2026 hatte Volkswagen zehn Tarifverträge mit Wirkung zum 31. Dezember 2026 gekündigt, darunter den zentralen Manteltarifvertrag. Der Haustarif gilt für rund 130.000 Beschäftigte an neun Standorten. Das Management begründete die Schritte mit einer verschlechterten wirtschaftlichen Lage.
Personalvorstand Arne Meiswinkel erklärte, die Situation habe sich seit dem Zukunftstarifvertrag von 2024 drastisch verschärft. Damals war bereits der sozialverträgliche Abbau von mehr als 35.000 Stellen bis 2030 an deutschen Standorten vereinbart worden, ergänzt um zusätzliche 12.000 Stellen bis 2030 für die VW AG gemäß dem Zielbild des Konzerns.
Der Vorstand plant nun jedoch, weltweit in den kommenden Jahren 50.000 Arbeitsplätze zusätzlich zu den bisherigen Programmen abzubauen, wovon die Hälfte auf Standorte in Deutschland entfallen könnte.
Zudem beschloss der Aufsichtsrat Anfang September 2026 den Zukunftsplan 2030. Dieser sieht vor, den operativen Gewinn bis 2030 auf neun Euro je 100 Euro Umsatz zu steigern, nachdem der Wert zuletzt bei 3,80 Euro gelegen hatte. Das Programm zur operativen Exzellenz soll die Kosten bis 2030 um rund 20 Milliarden Euro und den Verwaltungsaufwand um rund 11 Milliarden Euro senken.
Ein neues Konzept für die europäische Produktionsstruktur soll bis Mitte 2027 vorliegen. Vor diesem Hintergrund gilt die Zukunft der Werke Emden, Hannover, Zwickau und Audi Neckarsulm über 2031 bis 2034 hinaus als offen, da für vier Werke derzeit keine langfristige Perspektive besteht.
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Konflikt um Transfergesellschaften und drohende Streiks
Zwar hält Volkswagen nach eigenen Angaben am Zukunftstarifvertrag und an der Beschäftigungssicherung fest, strebt jedoch eine rasche Senkung der Arbeitskosten an.
Hierfür schlägt das Unternehmen förderfähige Transfergesellschaften vor, in die Beschäftigte ausschließlich freiwillig wechseln sollen. Diese sollen vor allem über die Bundesagentur für Arbeit finanziert werden, wobei das Transferkurzarbeitergeld 60 Prozent des ausgefallenen Nettoentgelts beziehungsweise 67 Prozent für Beschäftigte mit Kindern beträgt.
Auf Seiten der Arbeitnehmervertreter stößt dieser Plan auf massiven Widerstand. Gesamtbetriebsratschefin Daniela Cavallo warf dem Vorstand vor, die bestehende Beschäftigungssicherung durch die Hintertür aushebeln zu wollen.
Die IG Metall argumentiert, das Vorhaben wälze die Kosten des Stellenabbaus auf die Allgemeinheit ab, und verlangt die Rücknahme der Kündigungen fast aller Haustarifverträge zum Jahresende bis zum 31. Oktober 2026. Neben der Sicherung der Verträge fordert die Gewerkschaft fünf Prozent mehr Entgelt.
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Sollte das Management nicht einlenken, droht eine erhebliche Eskalation des Tarifkonflikts. Verhandlungsführer Thorsten Gröger warnte davor, dass die Auseinandersetzung größer ausfallen könnte als alles, was der Konzern bisher erlebt hat, und drohte mit Streikmaßnahmen ab Januar. Die Friedenspflicht bei Volkswagen endet am 31. Dezember 2026.
