VW-Werk Zwickau: IG Metall wehrt sich gegen Einschnitte bei Tarifverträgen
Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 22:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Gewerkschaft IG Metall lehnt den Vorschlag ab, das sächsische Volkswagen-Werk Zwickau in eine neue Auffanggesellschaft zu überführen, sofern dies mit Einschnitten bei den Tarifverträgen der Beschäftigten verbunden ist.
Nach Vorstellung der Gewerkschaftsführung seien längere Arbeitszeiten und eine Senkung der Löhne das falsche Instrument für die Zukunft des sächsischen Automobilbaus. Während das grundsätzliche Engagement der sächsischen Landesregierung für den Erhalt des Standorts begrüßt wird, wies die Arbeitnehmervertretung politische Einmischungen in die Tarifautonomie entschieden zurück.
Streit um Arbeitszeiten und Tarifautonomie
Der Bezirksleiter der IG Metall für Berlin, Brandenburg und Sachsen, Jan Otto, forderte stattdessen den Vorrang einer besseren Auslastung der bestehenden Fertigungsstätten. Die Gewerkschaft unterstütze alle Maßnahmen, die gute Arbeit für die Beschäftigten in Zwickau, Chemnitz und Dresden sichern, lehne Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen jedoch ab.
Längere Arbeitszeiten sowie Lohnkürzungen stünden im Widerspruch zu den Interessen der Belegschaft und stießen auf den geschlossenen Widerstand von Beschäftigten, Betriebsräten und der IG Metall.
Auch der Zwickauer IG-Metall-Chef Thomas Knabel übte deutliche Kritik an dem Gedanken, das Werk in eine eigenständige Einheit mit abweichenden Tarifverträgen auszugliedern. Der Zwickauer Betriebsratsvorsitzende Mario Albert nahm zu den Vorschlägen ebenfalls Stellung.
Das Konzept der sächsischen Staatskanzlei
Hintergrund der Betrachtung ist ein Vorstoß von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer. Der CDU-Politiker hatte an einem Mittwochmittag in Dresden das Konzept einer neuen Gesellschaft vorgestellt, die unter den Arbeitstiteln Auto-Union GmbH oder AutoUnion Sachsen GmbH firmieren könnte.
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Der Name knüpft historisch an die 1932 in Chemnitz gegründete Auto Union AG an, die damals aus den Marken Audi, DKW, Horch und Wanderer hervorgegangen war.
Nach Kretschmers Modell soll der Volkswagen-Konzern zwar Haupteigentümer bleiben, das Werk Zwickau jedoch auf Basis eigener Tarifverträge betrieben werden. Eine Landesbeteiligung schloss der Ministerpräsident aus und setzte auf die private Wirtschaft.
Das fünfseitige Papier der Staatskanzlei verfolgt das Ziel, Produktionskosten auf dem Niveau von Standorten wie Bratislava oder Breslau zu erreichen, um Zwickau als wettbewerbsfähigen Automobilstandort in Europa zu behaupten. Vorgesehen sind unter anderem eine Rückkehr von der 35-Stunden-Woche zu längeren Wochenarbeitszeiten, Lohnlimits sowie ein Drei-Schicht-System.
Zudem beinhaltet das Papier eine Produktion nach Nachfrage, Gewinnbeteiligungen, unbezahlte Gestaltungszeit, eine Grundvergütung mit erfolgsabhängigen Sonderzahlungen und steuerbegünstigte Abfindungen zum teilweisen Ausgleich von Lohneinbußen.
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Nacharbeiten sollen notfalls auch am Samstag und nach dem Verursacherprinzip zulasten der Verantwortlichen erfolgen. Ergänzend strebt Kretschmer gemeinsam mit dem Bund ein Exzellenzzentrum für humanoide Robotik in Zwickau oder Chemnitz an, wofür jedoch erheblicher Kapitalbedarf besteht und Fördermittel der aktuellen Exzellenzrunde bereits vergeben sind.
Herausforderungen am Standort und Reaktionen aus der Politik
Im Zwickauer VW-Werk arbeiten derzeit etwa 8000 Beschäftigte; an der Fertigung hängen zudem Tausende Arbeitsplätze in der Zulieferindustrie. Am Standort laufen die Elektromodelle ID.3, Cupra Born und Audi Q4 vom Band. Laut Konzernangaben soll die derzeitige Produktion dort im Jahr 2031 auslaufen.
Volkswagen selbst kündigte wegen Überkapazitäten einen weltweiten Personalabbau an und plant nach Medienberichten, die Gehälter seiner rund 660.000 Beschäftigten weltweit bis 2030 einzufrieren. Zu den Vorschlägen aus Sachsen gab der Automobilkonzern keinen Kommentar ab.
Die politischen Reaktionen auf das Papier fielen geteilt aus. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Carsten Körber und Zwickaus Oberbürgermeisterin Constance Arndt bewerteten den Vorstoß als Unterstützung beziehungsweise als Diskussionsgrundlage, während Landrat Carsten Michaelis eine Beteiligung des Landkreises ausschloss.
Widerspruch kam aus den Landtagsfraktionen: Susanne Schaper von den Linken warf dem Management die Hauptverantwortung für die Krise vor, kritisierte eine einseitige Belastung der Beschäftigten und forderte Initiativen wie Lernfabriken und Bildungsverbünde.
Der Grünen-Landtagsabgeordnete Wolfram Günther warnte davor, den Standort zu einer verlängerten Werkbank zu degradieren. Auch Bernd Rudolph von der BSW-Stadtratsfraktion in Zwickau reagierte auf das Modell. Für die Gewerkschaft bleibt die Wahrung der Tarifstandards unverhandelbar.
