VW-Werk, Zwickau

VW-Werk Zwickau: Kretschmer schlägt neue Autounion Sachsen GmbH vor

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 01:10 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Sachsens Ministerpräsident will das Werk einer neuen Gesellschaft übertragen; IG Metall lehnt Forderungen zu Arbeitszeit und Lohn ab.
Eine weitläufige, menschenleere Industriehalle in Zwickau mit großen Maschinen und hohen Fenstern bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Angesichts drohender Überkapazitäten im Volkswagen-Konzern hat Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer bei einem Branchengespräch in Zwickau einen Vorschlag zur langfristigen Zukunft des dortigen Werks vorgelegt.

Nach Vorstellungen des CDU-Politikers soll eine neu zu gründende Autounion Sachsen GmbH die Fertigungsstätte übernehmen. Das Konstrukt solle anschließend für weitere Investoren geöffnet werden, um die Auslastung der Fabrik über die laufende Dekade hinaus abzusichern.

Historisches Vorbild und Schärfung der Wettbewerbsfähigkeit

Mit seinem Konzept knüpft Kretschmer an die historische Auto-Union von 1932 an, bei der sich damals vier sächsische Automobilhersteller inmitten einer schweren Wirtschaftskrise zusammenschlossen. Das Ziel des neuen Vorstoßes sei es, einen der wettbewerbsfähigsten und innovativsten Automobilstandorte Europas zu formen. Eine finanzielle Beteiligung des Landes Sachsen strebe der Regierungschef dabei ausdrücklich nicht an.

Stattdessen pocht der Ministerpräsident auf tiefgreifende strukturelle Anpassungen vor Ort. Nach seiner Auffassung reiche es nicht aus, lediglich vor den Werkstoren zu demonstrieren.

Vielmehr müsse der bestehende tarifliche Rahmen verlassen werden. Um im internationalen Vergleich zu bestehen, seien Produktionskosten erforderlich, wie sie an osteuropäischen Standorten wie Breslau oder dem VW-Werk in Bratislava vorherrschen.

Für das Zwickauer Werk bedeute dies die Notwendigkeit flexiblerer Arbeitszeiten, wobei die Beschäftigten mittelfristig auch finanzielle Abstriche in Kauf nehmen müssten. Als Gegenleistung stellte Kretschmer eine zehnjährige Standortgarantie sowie eine gesicherte Auslastung in Aussicht.

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Ungewisse Perspektiven im Volkswagen-Konzern ab 2031

Der Vorstoß fällt in eine Phase weitreichender Restrukturierungen bei Volkswagen. Der vom Aufsichtsrat mitgetragene Sanierungsplan des Konzerns sieht vor, bis zum Jahr 2030 rund 100.000 Stellen abzubauen. Während in Zwickau derzeit rund 8.000 Mitarbeitende beschäftigt sind, gilt die Zukunft der Fabrik nach 2031 als ungewiss.

Ursache sind massive Überkapazitäten des Konzerns auf dem deutschen Heimatmarkt. Für die Standorte Zwickau, Emden, Hannover sowie das Audi-Werk in Neckarsulm existiert für den Zeitraum von 2031 bis 2034 bislang keine gesicherte Folgebelegung.

Gegenwärtig laufen in Zwickau rein elektrische Modelle vom Band, darunter die VW-Modelle ID.3, ID.4 und ID.5 sowie der Cupra Born und der Audi Q4 e-tron. Zudem fertigt der sächsische Standort bereits Karosserien für die Konzernmarken Bentley und Lamborghini. Die VW-Vorzugsaktie notierte parallel zu den Berichten bei 64,08 Schweizer Franken mit einem Plus von 1,79 Prozent.

Reaktionen von Gewerkschaften, Betriebsrat und Branchenvertretern

Die Gewerkschaft IG Metall wies die Forderungen nach längeren Arbeitszeiten und Lohnkürzungen zurück und pochte auf die Wahrung der Tarifautonomie. Gleichwohl begrüßte die Arbeitnehmervertretung das grundsätzliche politische Engagement des Ministerpräsidenten für den Standort, verbat sich jedoch eine Einmischung in tarifvertragliche Angelegenheiten.

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Auch Betriebsratschef Mario Albert unterstrich, dass ein derartiges Zukunftskonzept keinesfalls an den Interessenvertretungen oder an der Belegschaft vorbei vorangetrieben werden dürfe.

Unterstützung für den Grundgedanken signalisierte hingegen Dirk Vogel vom Netzwerk der Automobilzulieferer Sachsen (AMZ). Er bewertete den Ansatz als tragfähige Vision, betonte jedoch, dass neben Volkswagen als derzeitigem Schlüsselinvestor zwingend weitere Partner gewonnen werden müssten.

Das Modell eigne sich besonders für Hersteller, die über keine voll ausgelasteten eigenen Kapazitäten verfügen, vergleichbar mit Kooperationen in der Halbleiterindustrie wie der Gemeinschaftsfabrik in Dresden.

Kretschmer kündigte an, zeitnah das direkte Gespräch mit dem Betriebsrat und den Gewerkschaftsvertretern zu suchen. Das Unternehmen VW Sachsen gab zu den Plänen bislang keine Stellungnahme ab.

Mehr zum Thema bei WELT: „VW-Werk Zwickau - Kretschmer wirbt für Plan B“

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