Deutschland, International

Studie: Zukunftspessimismus belastet Standort Deutschland

13.02.2026 - 13:00:06

Wachsende wirtschaftliche Ängste und gesellschaftliche Spaltung bremsen laut einer Studie die Produktivität. Welche Rolle Arbeitgeber für das Vertrauen spielen.

Die deutsche Wirtschaft steht nicht nur vor großen strukturellen Herausforderungen, sondern muss auch mit einer tiefgreifenden Vertrauenskrise in der Bevölkerung klarkommen. Der Zukunftspessimismus werde zunehmend zu einer Bremse für Produktivität und Transformation. Das geht aus aktuellen «Edelman Trust Barometer 2026» hervor. 

Während das Vertrauen in die Institution Wirtschaft allgemein stagniere, wachse dem eigenen Arbeitgeber eine Schlüsselrolle zu: «Mit 74 Prozent Vertrauen unter Beschäftigten ist der eigene Arbeitgeber die einzige Institution in Deutschland, die eine klare Vertrauensmehrheit erreicht», heißt es in der Studie. Andere Bereiche liegen deutlich unter diesem Wert: Vertrauen in die Wirtschaft allgemein haben nur knapp die Hälfte der Beschäftigten (48 Prozent), gefolgt von den Medien (46 Prozent) und der Regierung mit 42 Prozent. Nichtregierungsorganisationen kommen auf 41 Prozent. «Unternehmen sind damit Orte, an denen Vertrauen konkret erlebt wird – durch Führung, Kultur und tägliche Zusammenarbeit.»

Dramatischer Pessimismus und Angst vor Abstieg

Der Glaube an den wirtschaftlichen Aufstieg ist in der Bundesrepublik der Studie zufolge so schwach ausgeprägt wie selten zuvor. Nur noch 8 Prozent der Menschen in Deutschland gehen davon aus, dass es der nächsten Generation besser gehen wird als der heutigen – ein Rückgang um sechs Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr. Damit verzeichnet Deutschland einen der niedrigsten Werte weltweit.

Dieser Pessimismus wird von konkreten wirtschaftlichen Ängsten getrieben. Mehr als jeder zweite Arbeitnehmer (54 Prozent) fürchtet den Verlust des eigenen Arbeitsplatzes durch eine drohende Rezession. Auch die geopolitische Lage schlägt auf die Stimmung durch: Die Sorge, dass internationale Handelskonflikte und Zölle dem eigenen Unternehmen schaden könnten, ist seit 2019 um elf Prozentpunkte gestiegen und liegt nun bei 45 Prozent.

Gesellschaftliche Spaltung bedroht die Produktivität

Die Studie identifiziert ein neues wirtschaftliches Risiko: die sogenannte «Insularity» (Abschottung). 81 Prozent der Deutschen geben an, Menschen kaum noch zu vertrauen, die andere Werte vertreten oder andere Informationsquellen nutzen. Diese Haltung mache vor den Werkstoren nicht halt und habe direkte negative Auswirkungen auf die betriebliche Wertschöpfung.

Die Daten zeigen alarmierende Tendenzen für die Unternehmenskultur: 45 Prozent der Beschäftigten geben an, dass sie sich weniger anstrengen würden, ihrem Teamleiter zum Erfolg zu verhelfen, wenn dieser andere politische Ansichten vertritt. Fast ein Drittel (32 Prozent) würde lieber die Abteilung wechseln, als an einen Vorgesetzten mit anderen Wertvorstellungen zu berichten.

«Wenn 81 Prozent der Menschen Vertrauen vor allem im eigenen Kreis zulassen, ist Abschottung keine abstrakte Debatte mehr, sondern gesellschaftliche Realität», sagte Nils Giese, CEO von Edelman Deutschland. Unüberbrückbare Differenzen drohten somit, Innovationen zu blockieren und die Zusammenarbeit in Teams zu lähmen.

Für die Studie wurden 34.000 Menschen in 28 Ländern befragt, darunter 1.200 in Deutschland.

@ dpa.de

Hol dir den Wissensvorsprung der Profis. Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Trading-Empfehlungen – dreimal die Woche, direkt in dein Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr.
Jetzt anmelden.

Weitere Meldungen

«Von untreuem Kerl geschlagen»: Sticheleien gegen Laegreid. Dann aber schlägt der Norweger mit einer Fremdgeh-Beichte Wellen. Trotz des Trubels liefert der Biathlet bei Olympia wieder ab. Sturla Holm Laegreid will eigentlich sportlich von sich reden machen. (Sport, 13.02.2026 - 16:27) weiterlesen...

Biathlon-Sprint: Deutsche Männer ohne Medaillenchance Ein Schuss daneben, viel Rückstand: Warum selbst der beste Deutsche in Antholz gegen Maillet und die Norweger chancenlos bleibt – und was Horn jetzt für die Verfolgung plant. (Sport, 13.02.2026 - 15:32) weiterlesen...

Horn im Biathlon-Sprint bei Olympia in Antholz Zehnter. Gold geht an Quentin Fillon Maillet. Sturla Holm Laegreid holt sich trotz des Trubels um sein Fremdgeh-Interview die nächste Medaille. Die deutschen Biathleten haben im Olympia-Sprint keine Chance. (Sport, 13.02.2026 - 15:04) weiterlesen...

Keiner hat mehr: «Legende» Klaebo gewinnt achtes Gold. Wieso er als besonders akribischer Arbeiter gilt und welche Rolle sein Opa spielt. Johannes Hoesflot Klaebo holt bei den Winterspielen in Italien im dritten Rennen sein drittes Langlauf-Gold. (Sport, 13.02.2026 - 13:57) weiterlesen...

Keiner hat mehr: Langläufer Klaebo holt achtes Olympia-Gold. Dabei sieht es lange nicht nach dem nächsten Olympia-Gold aus. Doch dann bricht ein Landsmann ein. Der norwegische Skilangläufer Johannes Hoesflot Klaebo erreicht einen Meilenstein seiner Karriere. (Sport, 13.02.2026 - 12:58) weiterlesen...

Deutsche NHL-Stars liefern - Vor allem Stützle erleichtert. Auf der Olympia-Bühne funktioniert der 24-Jährige aber als Unterschiedsspieler. Die bisherigen Auftritte im Nationalteam von NHL-Ausnahmestürmer Tim Stützle waren erfolglos. (Sport, 13.02.2026 - 12:15) weiterlesen...