Wachstum 2026: Bundesbankpräsident Nagel erwartet rund ein Prozent
Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 07:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das deutsche Wirtschaftswachstum könnte im Jahr 2026 real bei rund 1% liegen. Wie Bundesbankpräsident Joachim Nagel laut Medienberichten vom 2. Oktober 2026 schätzt, würde dies ein etwa doppelt so starkes Plus bedeuten wie zuletzt angenommen. Nach drei Jahren der Stagnation bezeichnete Nagel eine solche Zuwachsrate von rund 1% für die drittgrößte Volkswirtschaft als kleines Ausrufezeichen.
Überraschend robuste Erholung trotz geopolitischer Belastungen
Die erste Jahreshälfte 2026 sei demnach deutlich besser verlaufen, als vor wenigen Monaten noch erwartet worden war. Die konjunkturelle Erholung vollziehe sich trotz des bestehenden Zolldrucks und der Belastungen durch den Nahost-Konflikt. Zwar hätten der Iran-Krieg und teure Energie die heimische Industrie spürbar unter Druck gesetzt, die Produktion habe sich jedoch als überraschend widerstandsfähig erwiesen.
Als wesentliche Treiber dieser Entwicklung nannte Bundesbankpräsident Nagel eine robuste Exportnachfrage sowie ein staatliches, schuldenfinanziertes Fiskalpaket. Dieses Programm setze gezielt Schwerpunkte in den Bereichen Verteidigung, Infrastruktur und Klimaschutz.
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Durch die deutsche Dynamik verbessern sich auch die Perspektiven für den gesamten Währungsraum: Die Stärke der Bundesrepublik hebt die Prognosen für die Eurozone auf oder über deren Potenzialwachstum von 1%.
Inflationsrisiken und strukturelle Bremsfaktoren
Trotz der kurzfristig positiveren Dynamik wies Nagel auf bestehende Risiken hin. Sollte die Teuerungsrate nahezu doppelt so hoch ausfallen wie das Ziel der Europäischen Zentralbank von 2%, könnte dies die Notenbank zu weiteren Zinserhöhungen zwingen.
Zudem bleibe das strukturelle Potenzialwachstum in Deutschland gedämpft. Die Bundesbank schätzt dieses für das Jahr 2026 auf lediglich 0,4%, wohingegen der Wert ein Jahrzehnt zuvor noch drei- bis viermal so hoch lag. Als Ursachen für dieses Absinken gelten der Renteneintritt der geburtenstarken Jahrgänge, schwache Unternehmensinvestitionen sowie ein sehr geringes Produktivitätswachstum.
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Reformforderungen und Institute-Prognosen
Um die langfristigen Wachstumsbedingungen zu verbessern, fordert Nagel umfassende Reformen. Nötig sei eine Ausweitung des Arbeitskräfteangebots durch eine stärkere Vollzeitbeschäftigung von Frauen, gezielte Anreize gegen Frühverrentungen sowie eine regulierte Arbeitsmigration.
Zudem plädiert er für eine schnellere digitale Verwaltung und den Abbau von Bürokratie. Im Rentensystem spricht sich Nagel für eine Koppelung des Rentenalters an die Lebenserwartung sowie die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren aus, sofern keine Härtefälle vorliegen.
Darüber hinaus rechnet der Bundesbankpräsident noch im Jahr 2026 mit der EU-Zustimmung zum digitalen Euro, dessen tatsächliche Nutzung ab 2029 beginnen könnte.
Mit seiner Schätzung von rund 1% Wachstum ordnet sich Nagel unter den Werten anderer Prognosen ein. Die fünf führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute hatten in der vorigen Woche ein Plus von 1,3% erwartet, nachdem sie im Frühjahr noch von 0,6% ausgegangen waren.
