ROUNDUP, USA

USA drÀngen auf friedliche Lösung im Libanon-Konflikt

16.07.2024 - 06:35:02

WĂ€hrend Israels MilitĂ€r im Gazastreifen weiter in heftige KĂ€mpfe mit der islamistischen Hamas verwickelt ist, muss die Armee im Norden erneuten Beschuss des Hamas-VerbĂŒndeten Hisbollah aus dem Libanon abwehren.

Es seien rund 20 Geschosse aus dem Nachbarland Richtung Israel abgefeuert worden, teilte die Armee am spĂ€ten Abend mit. Israels Raketenabwehrsystem habe die meisten abgefangen. Verletzte gebe es nicht. Zuvor hatte die israelische Armee ein Waffenlager der Miliz im SĂŒden des Libanon angegriffen.

Israelischen Medienberichten zufolge landeten einige Raketen in einer wegen des Konflikts evakuierten Stadt im Norden Israels. Eine sei in einem Einkaufszentrum eingeschlagen, berichtete die "Times of Israel". Die mit dem Iran verbĂŒndete Hisbollah-Miliz habe die Verantwortung fĂŒr den Abschuss von "Dutzenden" Raketen ĂŒbernommen und erklĂ€rt, dies sei eine Reaktion auf israelische Angriffe im SĂŒdlibanon, berichtete die Zeitung weiter.

USA wollen diplomatische Lösung

US-Außenminister Antony Blinken rief zu einer diplomatischen Lösung des sich zuletzt verschĂ€rften Konflikts zwischen seinem VerbĂŒndeten Israel und der Hisbollah-Miliz auf. Bei einem Treffen mit Israels nationalem Sicherheitsberater Tzachi Hanegbi und dem israelischen Minister fĂŒr strategische Angelegenheiten, Ron Dermer, habe Blinken ĂŒber die Wichtigkeit gesprochen, "eine weitere Eskalation entlang der israelisch-libanesischen Grenze zu vermeiden", sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, Matthew Miller, in Washington.

Israel und die libanesische Schiitenmiliz Hisbollah liefern sich seit Beginn des Gaza-Kriegs nahezu tĂ€glich Gefechte. In Orten beiderseits der Grenze haben rund 150 000 Menschen die Kampfzone verlassen. Es besteht die Sorge vor der Ausweitung zu einem regionalen Konflikt. Israel will, dass sich die Hisbollah hinter den 30 Kilometer von der Grenze entfernten Litani-Fluss zurĂŒckzieht - so wie es eine UN-Resolution vorsieht. Die vom Iran unterstĂŒtzte Miliz will mit dem Beschuss aber erst aufhören, wenn es einen Waffenstillstand im Gazastreifen gibt.

Blinken habe mit seinen israelischen GesprĂ€chspartnern erörtert, wie wichtig es sei, "eine diplomatische Lösung zu finden, die es sowohl israelischen als auch libanesischen Familien ermöglicht, in ihre HĂ€user zurĂŒckzukehren", sagte Miller. Zugleich habe Blinken das unbedingte Engagement der Vereinigten Staaten fĂŒr die Sicherheit Israels unterstrichen. Zudem sei es um "praktische Lösungen" fĂŒr noch offene Fragen in den laufenden indirekten Verhandlungen ĂŒber eine Waffenruhe und Geiselfreilassung im Gaza-Krieg gegangen.

Warnung vor großflĂ€chigem Krieg

Auslöser des Gaza-Kriegs waren die Massaker und Geiselnahmen von palĂ€stinensischen Terrororganisationen wie der Hamas am 7. Oktober 2023 in Israel. Die libanesische Hisbollah handelt nach eigenen Aussagen aus SolidaritĂ€t mit der Hamas. Die "Libanon-Front" sei eine "UnterstĂŒtzungsfront", wie Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah immer wieder betonte. Sie sei Teil des Kampfes, der ĂŒber das Schicksal PalĂ€stina, des Libanons und der Region entscheide. Zuletzt war der gegenseitige Beschuss zwischen Israel und der Miliz heftiger geworden.

Die israelische Zeitung "Haaretz" hatte kĂŒrzlich berichtet, die USA hĂ€tten Israel gewarnt, dass auch ein begrenztes Bodenmanöver im SĂŒden Libanons, um die Hisbollah von der Grenze zurĂŒckzudrĂ€ngen, einen großflĂ€chigen Krieg auslösen könne. Die Hisbollah gilt als deutlich schlagkrĂ€ftiger als die Hamas im Gazastreifen. Die Schiitenmiliz verfĂŒgt ĂŒber ein Arsenal von allein rund 150 000 Raketen. Im Falle eines Krieges könnte sie tĂ€glich Tausende davon auf Israel abfeuern. Ein Raketenhagel könnte Israels Raketenabwehr ĂŒberfordern.

"Israel ist daran gewöhnt, kurze Kriege zu fĂŒhren", zitierte die "Washington Post" jetzt einen Experten am israelischen Institut fĂŒr nationale Sicherheitsstudien. Aber nach mehr als neun Monaten seien Israels Truppen erschöpft, die militĂ€rische AusrĂŒstung mĂŒsse gewartet werden, die Munition sei verbraucht. Jede Familie in Israel sei vom Krieg betroffen. Auch im wirtschaftlich schwer angeschlagenen Libanon haben viele Menschen das GefĂŒhl, nicht noch eine Krise ertragen zu können. Eine voll handlungsfĂ€hige Regierung gibt es dort derzeit nicht.

Berichte ĂŒber Tote in Syrien

Ohne einen formellen Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas gilt es jedoch als unwahrscheinlich, dass die Hisbollah vollstĂ€ndig aufgibt. Die indirekten Verhandlungen, bei denen die USA, Ägypten und Katar vermitteln, sollen in dieser Woche in Doha weitergehen. Dabei geht es um den Austausch der verbliebenen Geiseln in der Gewalt der Hamas gegen palĂ€stinensische HĂ€ftlinge in israelischen GefĂ€ngnissen und um eine Waffenruhe. Israel lehnt bislang die Forderung der Hamas nach einer dauerhaften Waffenruhe im Gaza-Krieg ab.

Unterdessen sind bei einem mutmaßlich israelischen Drohnenangriff nahe der syrisch-libanesischen Grenze nach syrischen Angaben mindestens zwei Menschen getötet worden. Bei einem der Opfer handele es sich laut der Syrischen Beobachtungsstelle fĂŒr Menschenrechte sowie syrisch-libanesischen Sicherheitsquellen um einen GeschĂ€ftsmann mit Verbindungen zur Hisbollah-Miliz. Aus Israel gab es dafĂŒr keine BestĂ€tigung.

Erst vor wenigen Tagen war bei einem mutmaßlich israelischen Drohnenangriff in demselben Gebiet ein ehemaliger LeibwĂ€chter des Hisbollah-Chefs Hassan Nasrallah getötet worden. Israel will mit solchen Angriffen in Syrien verhindern, dass sein Erzfeind Iran und mit ihm verbĂŒndete Milizen wie die Hisbollah ihren militĂ€rischen Einfluss in dem Land ausweiten. Der Iran ist einer der wichtigsten VerbĂŒndeten Syriens. Seit Beginn des Gaza-Kriegs haben die israelischen Angriffe, die von Israel meist nicht offiziell bestĂ€tigt werden, zugenommen.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Iran fordert vor Treffen mit den USA GesprĂ€che auf Augenhöhe Irans Außenminister hat vor Auftakt der Verhandlungen mit den USA GesprĂ€che auf Augenhöhe gefordert. (Boerse, 06.02.2026 - 06:35) weiterlesen...

Ukraine erwartet rasch nÀchste Verhandlungen in den USA Nach Verhandlungen der Ukraine, Russlands und der USA in Abu Dhabi erwartet der ukrainische PrÀsident Wolodymyr Selenskyj eine Fortsetzung der GesprÀche "in allernÀchster Zeit". (Boerse, 06.02.2026 - 06:35) weiterlesen...

Verhandlungen mit dem Iran am Freitag (Aktualisierung: Offizielle BestĂ€tigung, US-Finanzminister Bessent)WASHINGTON - Die USA wollen an diesem Freitag im Golfstaat Oman neue Verhandlungen mit dem Iran ĂŒber dessen umstrittenes Atomprogramm aufnehmen. (Boerse, 05.02.2026 - 21:46) weiterlesen...

USA und Russland wollen MilitÀrdialog wieder aufnehmen Die USA und Russland haben die Wiederaufnahme ihres seit 2021 unterbrochenen Dialogs hochrangiger MilitÀrs vereinbart. (Boerse, 05.02.2026 - 15:06) weiterlesen...

USA wollen Handelsallianz fĂŒr wichtige Mineralien grĂŒnden Die USA wollen trotz internationaler Spannungen mit ihren VerbĂŒndeten eine Handelsallianz fĂŒr seltene Erden und andere wichtige Mineralien aufbauen und damit die AbhĂ€ngigkeit zu China verringern. (Boerse, 04.02.2026 - 19:34) weiterlesen...

Iran: Mehrere Orte fĂŒr Verhandlungen mit den USA im GesprĂ€ch Der Ort fĂŒr geplante Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran ist nach Aussagen aus Teheran noch nicht festgelegt. (Boerse, 04.02.2026 - 14:58) weiterlesen...