Wärmepumpen im Bestand: Nur 4,5 Prozent der Wohnungen sind umgerüstet
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 05:12 Uhr | Redaktion boerse-global.deUm die gesetzlichen Klimaziele für 2045 zu erreichen, müssen Wohnungsgesellschaften und Wohnungseigentümergemeinschaften bestehende Gebäude im großen Stil dekarbonisieren. Doch bei der praktischen Umrüstung auf Wärmepumpen sehen sich viele Eigentümer mit erheblichen technischen und finanziellen Herausforderungen konfrontiert. Während die Technologie im Neubau dominiert, bleibt das Tempo bei der Nachrüstung im Bestand verhalten.
Nach Erhebungen aus Branchenberichten heizte 2025 mehr als jede zweite Wohnung in Deutschland mit Gas. Der Gasanteil an der Beheizung des Wohnungsbestands lag einschließlich Biomethan und Flüssiggas bei 56,1 Prozent.
Wie die Deutsche Energie-Agentur auswies, verbrauchte der Gebäudesektor rund 380 Terawattstunden Erdgas pro Jahr, was 44 Prozent des bundesweiten Gesamtverbrauchs von 862 Terawattstunden entspricht.
Laut Berichten waren Wärmepumpen 2025 zwar in 78 Prozent der neuen Ein- und Zweifamilienhäuser sowie in 51 Prozent der neuen Mehrfamilienhäuser verbaut, im Wohnungsbestand erreichten sie jedoch lediglich einen Anteil von 4,5 Prozent.
Der Großhandelspreis für europäisches Erdgas lag zuletzt bei rund 100 Euro pro Megawattstunde und hatte sich damit seit Februar mehr als verdreifacht. Für Verbraucher betrug der Gaspreis nach Erhebungen des Vergleichsportals Verivox im Oktober 12,7 Cent pro Kilowattstunde und bei Neukunden 13,88 Cent bei einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden.
Hohe Investitionen und komplexe Vorbereitung im Bestand
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Vor allem die Anschaffungskosten belasten Modernisierungsvorhaben. Berechnungen stellen Investitionskosten von rund 12.000 Euro für eine Infrarotheizung etwa 45.000 Euro für eine Wärmepumpe gegenüber.
Verbraucherschützer beziffern die Kosten für eine Wärmepumpe je nach Bauweise ab 30.000 Euro. Die staatliche Förderung für Wärmepumpen im Bestand deckt zwischen 30 und 80 Prozent der förderfähigen Kosten ab, die bei maximal 28.000 Euro pro Einfamilienhaus gedeckelt sind.
Mehrere aktuelle Praxisbeispiele verdeutlichen den planerischen und finanziellen Aufwand im Geschosswohnungsbau. Am Lipper-Hellweg in Bielefeld nahm Vonovia sechs Luft-Wärmepumpen in Betrieb, um 112 Wohnungen in elf Gebäuden mit knapp 6.500 Quadratmetern Wohnfläche zu versorgen.
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Aufgrund des unterschiedlichen Wärmebedarfs je Gebäude kamen verschiedene Pumpengrößen zum Einsatz, bei einer Gesamtinvestition von rund 890.000 Euro. In Bochum schloss die GWV eG nach rund zwei Jahren die Modernisierung der Seniorensiedlung Grummer Oase ab.
Für 85 Wohneinheiten auf rund 5.000 Quadratmetern Wohnfläche investierte das Unternehmen mit Unterstützung der öffentlichen Wohnraumförderung Nordrhein-Westfalens rund 8 Millionen Euro.
Dort ersetzt ein Wärmepumpensystem die bisherige Gasheizung, unterstützt an besonders kalten Tagen durch Gasheizkessel. Die Maßnahme senkt den rechnerischen Primärenergiebedarf um mehr als 85 Prozent und spart theoretisch rund 242 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr ein.
In einem 1904 errichteten Remscheider Mehrfamilienhaus erforderte die Nachrüstung einer Groß-Wärmepumpe eine zweijährige Vorbereitung mit einem Energieberater, um den genauen Heizbedarf zu ermitteln. Die Investitionssumme belief sich auf mehrere zehntausend Euro.
Alternative Finanzierungsmodelle und Regulierungsfragen
Um hohe Einmalkosten für Eigentümer und Mieter abzufedern, rücken alternative Finanzierungswege in den Fokus. Ein Ende Oktober aktualisierter Praxisleitfaden für Eigentümergemeinschaften verweist neben Erhaltungsrücklagen, Sonderumlagen, WEG-Darlehen und Bausparmodellen auch auf Contracting-Lösungen.
Ein solches Modell wählt die Baugenossenschaft Eigenheim eG in Solingen: Für das Frühjahr 2027 kündigte sie Wärmepumpen für zunächst 37 Wohneinheiten an, bei denen die Wärmeversorgung über das Kölner Unternehmen einhundert Energie im Contracting bezogen wird. Die Genossenschaft leistet dabei lediglich einen planbaren Baukostenzuschuss, während die Kaltmieten stabil bleiben.
Zusätzliche Hürden zeichnen sich bei der künftigen Netzentgeltstruktur ab. Der Energieverband AGFW warnte vor einer Investitionsbremse für die Wärmewende infolge des Reformkonzepts der Bundesnetzagentur, das ab 2029 erstmals Netzkosten für Erzeuger vorsieht. Der Verband forderte, Großwärmepumpen als Flexibilitätsoptionen einzustufen, um zusätzliche Kostenrisiken beim Ausbau der netzgebundenen Heiztechnik zu vermeiden.
