ROUNDUPRingen, Einigung

WTO-Tagung in Abu Dhabi verlÀngert

29.02.2024 - 12:41:31 | dpa.de

Was die deutsche Industrie am meisten will, hat bei der Ministertreffen der Welthandelsorganisation (WTO) in Abu Dhabi wohl keine Chance: Das seit vier Jahren teils blockierte System zur Schlichtung von Handelsstreits bleibt nicht voll handlungsfÀhig.

"Wir sind noch nicht so weit", rĂ€umte die WTO-Chefin Ngozi Okonjo-Iweala im Laufe der Verhandlungen ein und machte klar, dass eine Einigung wĂ€hrend der Tagung nicht erreicht wird. Auch bei anderen strittigen Punkten wie Zölle auf elektronische Übertragungen und Fischereisubventionen gab es am Donnerstag zunĂ€chst keinen Durchbruch. Die Abschlusssitzung der Konferenz wurde vorsorglich auf Mitternacht (03.00 Uhr MEZ) verschoben. Oft ziehen sich die WTO-Tagungen bis in die frĂŒhen Morgenstunden. Schwer sind Einigungen unter anderem, weil die inzwischen 166 WTO-MitgliedslĂ€nder stets im Konsens entscheiden mĂŒssen.

Die USA halten an der Blockade der Berufungsinstitution der Streitschlichtung fest, weil sie umfangreiche Reformen wollen. Deutsche IndustrieverbĂ€nde hatten im Vorfeld klare Fortschritte von den WTO-MitgliedslĂ€ndern gefordert. "Jeder sollte sich bewusst machen, welchen Wert das WTO-System fĂŒr die globale Entwicklung und das Leben der Menschen weltweit hat", sagte Dirk Jandura, PrĂ€sident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), vor der Konferenz. "FĂŒr exportorientierte Unternehmen in Deutschland sind faire Wettbewerbsbedingungen, Marktzugang und Rechtssicherheit im AuslandsgeschĂ€ft von herausragender Bedeutung", teilte die Deutsche Industrie- und Handelskammer mit. Sie forderte Maßnahmen zur BekĂ€mpfung der Fragmentierung des Welthandelssystems.

Die Knackpunkte

WTO-Reform: 31 LĂ€nder haben bei Handelsstreitigkeiten gegen Urteile der ersten Schiedsgerichtsinstanz Berufung eingelegt, obwohl es keine Berufungsinstanz mehr gibt. Dazu gehört Indonesien, das in einem Streitfall ĂŒber BeschrĂ€nkungen der Exporte von Nickel und anderen Rohstoffen gegen die EU unterlegen war. Die FĂ€lle liegen dann auf Eis. Weil die USA und andere auf umfassende Reformen pochen, ist eine Einigung noch in der Ferne.

Elektronischer Handel: Seit 1998 besteht die Vereinbarung, keine Zölle auf elektronische Übertragungen wie bei Streamingdiensten zu erheben. Dieses Moratorium wĂŒrde ohne eine VerlĂ€ngerung in diesem Jahr auslaufen. Vor allem Indien und SĂŒdafrika standen der Einigung auf eine VerlĂ€ngerung im Wege. Ihnen entgingen wichtige Einnahmen, wenn etwa BĂŒcher, auf die Zölle fĂ€llig sind, durch E-Books, die heruntergeladen werden können, ersetzt werden.

Fischerei-Subventionen: Nach rund 20 Jahren Verhandlungen hatten sich die WTO-Mitglieder 2022 auf ein erstes Abkommen geeinigt, dass die schĂ€dlichsten Subventionen eindĂ€mmen soll. Rund 70 LĂ€nder sind beigetreten, darunter die EU, es tritt aber erst bei 110 Ratifizierungen in Kraft. Das neue Abkommen soll alle Subventionen regulieren, die zu Überfischung und ÜberkapazitĂ€ten beitragen. Verhandelt wurde ĂŒber Ausnahmen und Übergangszeiten fĂŒr EntwicklungslĂ€nder.

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