ROUNDUP, Siegesserie

Siegesserie fĂŒr Trump am 'Super Tuesday' - Haley praktisch chancenlos

06.03.2024 - 09:27:45

WASHINGTON - Der frĂŒhere US-PrĂ€sident Donald Trump hat seinen Siegeszug am "Super Tuesday" fortgesetzt.

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WASHINGTON (dpa-AFX) - Der frĂŒhere US-PrĂ€sident Donald Trump hat seinen Siegeszug am "Super Tuesday" fortgesetzt. Und es scheint, er ist im Kampf der Republikaner um die PrĂ€sidentschaftskandidatur nicht mehr zu stoppen. Bei dem Vorwahl-Marathon in mehr als einem Dutzend Bundesstaaten zementierte der 77-JĂ€hrige am Dienstagabend (Ortszeit) seine Spitzenposition. Seine letzte parteiinterne Konkurrentin Nikki Haley verbuchte einen symbolischen Erfolg und gewann im nordöstlichen Bundesstaat Vermont. Der Sieg dĂŒrfte Trump zwar Ă€rgern, aber nichts daran Ă€ndern, dass ihm die Kandidatur seiner Partei praktisch sicher ist. Auch der demokratische Amtsinhaber Joe Biden, der sich ohne echte Konkurrenz um eine zweite Amtszeit bewirbt, gewann bei den Abstimmungen seiner Partei - einzig im US-Außengebiet Amerikanisch-Samoa gab es eine Überraschung fĂŒr ihn.

Die magische Zahl fĂŒr Trump

Wer in den USA PrÀsidentschaftskandidat werden will, muss sich zunÀchst in den parteiinternen Vorwahlen durchsetzen. Der "Super Tuesday" gilt als wichtige Etappe im Rennen um die PrÀsidentschaftskandidatur. Beim Nominierungsparteitag der Republikaner Mitte Juli in Milwaukee im Bundesstaat Wisconsin treffen sich 2429 Delegierte. Mehr als ein Drittel aller Delegiertenstimmen waren allein am "Super Tuesday" zu vergeben. Um zu gewinnen, muss ein Kandidat mindestens 1215 Delegierte hinter sich versammeln.

Rein rechnerisch hat Trump diese nach dem wichtigen Wahltag die Kandidatur noch nicht in der Tasche, denn die notwendige Delegiertenzahl hat er bisher nicht erreicht. Rein politisch dĂŒrfte aber kein Weg mehr an ihm vorbeifĂŒhren. Haley hat keine realistischen Chancen, Trump noch gefĂ€hrlich zu werden - das hat auch der Super-Wahltag am Dienstag noch einmal deutlich gemacht. Damit deutet derzeit alles auf eine Neuauflage des Rennens zwischen Trump und Biden im November hin. Umfragen sagen voraus, dass dies durchaus knapp werden dĂŒrfte.

Der Mini-Erfolg fĂŒr Haley

Trumps Konkurrentin Haley konnte ihren Gegner nur im kleinen Bundesstaat Vermont im Nordosten der USA knapp schlagen. Nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen bei der AuszĂ€hlung der Stimmen siegte die frĂŒhere US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen in dem liberalen Bundesstaat und holte nach AuszĂ€hlung fast aller Stimmen gut 50 Prozent. Trump kam auf knapp 46 Prozent, die restlichen Stimmen fielen auf andere Kandidaten.

FĂŒr Haley ist der Abend dennoch als eine große EnttĂ€uschung zu werten. Nach ihrem bis dahin einzigem Vorwahlsieg am Sonntag im liberalen Hauptstadtdistrikt Washington dĂŒrfte sie sich neuen Schwung fĂŒr den "Super Tuesday" erhofft haben. Doch Trump fuhr einen Sieg nach dem anderen ein. Auch im Bundesstaat Virginia, der im Norden an die US-Hauptstadt grenzt und in dem viele Menschen leben, die im demokratisch geprĂ€gten Washington arbeiten, war es nicht einmal knapp. In den Bundesstaaten, in denen am "Super Tuesday" die meisten Delegiertenstimmen zu holen waren, Texas und Kalifornien, gewann Trump ebenfalls mit Leichtigkeit. Nun stellt sich die Frage, ob die 52-JĂ€hrige weiter im Rennen bleiben wird.

Haley hat Nachwahlbefragungen zufolge US-weit besonders bei Menschen mit höherem Bildungsabschluss und moderateren Republikanern gut abgeschnitten. Eine Umfrage unter WĂ€hlerinnen und WĂ€hlern im US-Bundesstaat Virginia zeigte, dass viele Haley-AnhĂ€nger hauptsĂ€chlich fĂŒr die ehemalige Gouverneurin des Bundesstaats South Carolina votierten, um gegen Trump zu stimmen. Diese Haley-UnterstĂŒtzer könnten Trump bei der PrĂ€sidentenwahl gefĂ€hrlich werden, wenn sie am Ende fĂŒr einen unabhĂ€ngigen dritten Kandidaten oder gar Biden stimmen sollten.

Der erstarkte Ex-PrÀsident

Trump trat am Wahlabend in seinem Anwesen Mar-a-Lago in Florida auf und sprach zu seinen AnhĂ€ngern. Zu diesem Zeitpunkt war Haleys Sieg in Vermont noch nicht bekannt. Trump Ă€ußerte sich nicht zu seiner Konkurrentin, rief seine Partei aber zur Einheit auf. "Wir haben eine großartige republikanische Partei mit enormen Talenten. Und wir wollen Einheit, und wir werden Einheit haben, und es wird sehr schnell gehen", sagte er. Dies dĂŒrfte auf Seitenhieb auf Haley zu verstehen sein. Trump hat sich in der Vergangenheit hĂ€ufig maximal genervt davon gezeigt, dass diese nicht einfach hinwirft. Solange Haley weiter im Rennen ist, muss Trump Geld und Zeit im Wahlkampf fĂŒr Angriffe gegen sie aufwenden und kann sich nicht einzig auf Biden konzentrieren.

Trump griff den Amtsinhaber in seiner Rede in Mar-a-Lago an und warf ihm vor, die USA in den Untergang zu treiben. Trump hat bereits wĂ€hrend seiner ersten Amtszeit mit politischen Normen gebrochen, internationale Partner vor den Kopf gestoßen und schließlich nach der verlorenen Wahl im Jahr 2020 nicht davor Halt gemacht, zu versuchen, das Wahlergebnis zu kippen. Sollte Trump die Wahl am 5. November gewinnen, dĂŒrfte seine Politik noch einmal deutlich extremer werden. Die weitere US-UnterstĂŒtzung fĂŒr die von Russland angegriffene Ukraine steht dann außenpolitisch ebenso auf dem Spiel wie die Mitgliedschaft der USA in wichtigen internationalen BĂŒndnissen wie beispielsweise der Nato.

Die Mini-Klatsche fĂŒr Biden

"Donald Trump hat geschworen, vom ersten Tag an ein Diktator zu sein", warnte Biden in einer Mitteilung am Wahlabend. Der 81-JĂ€hrige muss zwar aus seiner Partei keine Konkurrenz im Rennen um die Kandidatur fĂŒrchten, steht jedoch immer wieder wegen seines hohen Alters in der Kritik. Außerdem sind seine Beliebtheitswerte im Keller.

Ähnlich wie fĂŒr Trump war der "Super Tuesday" auch fĂŒr Biden nicht der makellose Durchmarsch, den sich beide wohl erhofft haben. In Amerikanisch-Samoa setzte sich der Unternehmer Jason Palmer gegen den amtierenden US-PrĂ€sidenten durch. Das Ergebnis spielt bei den parteiinternen Vorwahlen kaum eine Rolle. In dem Außengebiet mit weniger als 50 000 Einwohnern, das zu einer winzigen Inselgruppe im SĂŒdpazifik gehört, waren nur sechs Delegiertenstimmen zu holen. FĂŒr Biden dĂŒrfte es dennoch ein Ärgernis sein.

@ dpa.de