ROUNDUP, Swing

Harris greift Trump in Wisconsin an

24.07.2024 - 16:44:24

WASHINGTON - Die demokratische PrÀsidentschaftsbewerberin Kamala Harris ist im strategisch wichtigen Bundesstaat Wisconsin angriffslustig in den Wahlkampf gestartet und hat sich als Gegenentwurf zum republikanischen Kandidaten Donald Trump prÀsentiert.

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WASHINGTON (dpa-AFX) - Die demokratische PrĂ€sidentschaftsbewerberin Kamala Harris ist im strategisch wichtigen Bundesstaat Wisconsin angriffslustig in den Wahlkampf gestartet und hat sich als Gegenentwurf zum republikanischen Kandidaten Donald Trump prĂ€sentiert. "Ihr alle habt uns geholfen, 2020 zu gewinnen. Und 2024 werden wir wieder gewinnen", sagte Harris vor jubelnden AnhĂ€ngerinnen und AnhĂ€ngern in Milwaukee. Es war die erste richtige Wahlkampfrede der 59-JĂ€hrigen in ihrer neuen Rolle. Die US-VizeprĂ€sidentin eröffnet ihr Rennen um die US-PrĂ€sidentschaft mit enormem RĂŒckenwind aus den Reihen der Demokraten und Rekordsummen an Spenden.

Wisconsin ist ein wichtiger Swing State

Harris dĂŒrfte sich nicht zufĂ€llig fĂŒr Wisconsin als Wahlkampfauftakt entschieden haben. Der Bundesstaat im Mittleren Westen der USA, der an den Oberen See und den Michigansee grenzt, ist ein sogenannter Swing State. In diesen besonders hart umkĂ€mpften Bundesstaaten steht nicht schon vorab fest, ob aus Tradition der Kandidat der Republikaner oder der Demokraten siegen wird. Deshalb sind diese Bundesstaaten wahlentscheidend.

Wisconsin mit seinen knapp sechs Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern ist landwirtschaftlich geprĂ€gt. Vergangene Woche fand in der Metropole Milwaukee, wo auch Harris nun auftrat, der Parteitag der Republikaner statt. Trump ließ sich dort offiziell zum Kandidaten seiner Partei kĂŒren. Bei der PrĂ€sidentenwahl 2020 gewann der Demokrat Joe Biden in Wisconsin nur haarscharf gegen Trump. Auch dieses Mal zeichnet sich ein Ă€ußerst knappes Rennen ab.

Besonderes Wahlsystem in den USA

US-PrĂ€sidenten werden nicht direkt von den BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern gewĂ€hlt werden, sondern von Wahlleuten. Deren Stimmen fallen fast ĂŒberall komplett dem Sieger in dem Bundesstaat zu, der diese Wahlleute entsendet - egal, wie knapp das Ergebnis dort ausgefallen ist. FĂŒr den Einzug ins Weiße Haus sind 270 Stimmen von Wahlleuten nötig. Bei der PrĂ€sidentenwahl am 5. November zĂ€hlen neben Wisconsin noch Michigan, Pennsylvania, Nevada, Arizona, Georgia und North Carolina zu den besonders hart umkĂ€mpften Staaten.

Wegen des Wahlsystems kann ein Kandidat oder eine Kandidatin zwar aufs gesamte Land gesehen die meisten WĂ€hlerstimmen erhalten, aber nicht die meisten Wahlleute. Dies geschah auch 2016, als die Demokratin Hillary Clinton landesweit zwar mit mehr als 2,8 Millionen Stimmen vorne lag - aber Trump ins Weiße Haus einzog.

Eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ipsos und der Nachrichtenagentur Reuters sieht Harris auf nationaler Ebene mit 44 Prozent UnterstĂŒtzung zwei Prozentpunkte vor Trump. Der Unterschied liegt allerdings innerhalb der Fehlertoleranz und ist daher nur begrenzt aussagefĂ€hig. Wegen des besonderen Wahlsystems in den USA sind nationale Befragungen ohnehin nur ein Stimmungsbarometer. Ob Harris Trump schlagen kann, ist offen.

Harris prÀsentiert sich als knallharte StaatsanwÀltin

Harris versuchte bei ihrer Rede in Wisconsin mit ihrer Biografie zu punkten - sie war BezirksstaatsanwĂ€ltin von San Francisco und Justizministerin in ihrer Heimat Kalifornien. "Ich kenne Donald Trumps Typ", sagte sie und Ă€ußerte sich damit Ă€hnlich wie am Tag zuvor vor ihrem Wahlkampfteam - ein Hinweis darauf, dass dies eine Strategie im Wahlkampf sein dĂŒrfte. "Ich habe mich mit den großen Banken der Wall Street angelegt und sie wegen Betrugs zur Rechenschaft gezogen. Donald Trump wurde gerade des Betrugs in 34 FĂ€llen fĂŒr schuldig befunden", sagte sie.

Trump war Ende Mai im Prozess um die Verschleierung von Schweigegeld-Zahlungen an eine Pornodarstellerin schuldig gesprochen worden. Es ist das erste Mal in der US-Geschichte, dass ein ehemaliger PrÀsident wegen einer Straftat verurteilt wurde.

Kamala Harris sichert sich neuen Trump-Spitznamen.

Harris konnte sich zuvor die wichtige UnterstĂŒtzung der demokratischen Kongressspitzen Chuck Schumer und Hakeem Jeffries sichern. Bereits davor hatten sich die Reihen der Demokraten hinter ihr geschlossen. Die frĂŒhere US-Außenministerin Hillary Clinton schrieb in einem MeinungsstĂŒck in der "New York Times": "Ich weiß, dass Kamala Harris Donald Trump schlagen kann."

SchĂ€tzungen von US-Medien zufolge hat Harris derzeit die UnterstĂŒtzung von genĂŒgend Delegierten der Demokraten, um als Kandidatin ihrer Partei nominiert zu werden. Die Demokraten kĂŒren ihre Kandidatin oder ihren Kandidaten spĂ€testens beim Parteitag der Republikaner in Chicago, der am 19. August beginnt.

Trump fÀhrt die Krallen aus

Trump versucht gleichzeitig zu verhindern, dass Harris auf Gelder zugreifen kann, die Biden gesammelt hat, als er noch PrĂ€sidentschaftsbewerber war. Trumps Team reichte US-Medien zufolge eine entsprechende Beschwerde bei der zustĂ€ndigen Behörde ein. Der Schritt ist nicht ĂŒberraschend.

Auf seinem Sprachrohr Truth Social verunglimpfte der 78-JĂ€hrige seine politische Gegnerin als "Lyin' Kamala Harris" - also "LĂŒgende Kamala Harris". Zuvor nannte er sie "Laughing Kamala" ("Lachende Kamala"), mutmaßlich wegen Harris' auffĂ€lligen Lachens. Trump erfindet fĂŒr seine Rivalen regelmĂ€ĂŸig wenig schmeichelhafte Spitznamen.

Harris ist Hit im Netz

Harris kann sich zudem ĂŒber UnterstĂŒtzung aus Hollywood und der Musikwelt freuen. Schauspieler George Clooney stellte sich hinter die Demokratin. Nach dem Auftritt von Harris wurde der Song "Freedom" von US-Superstar BeyoncĂ© gespielt. Der US-Sender CNN berichtete, dass Harris von BeyoncĂ© die Erlaubnis erhalten habe, das Lied zu nutzen.

Auch SĂ€ngerin Charli XCX stellte sich offenbar hinter die 59-JĂ€hrige und löst eine SolidaritĂ€tswelle im Netz aus. Die Britin schrieb "Kamala IS brat" auf der Plattform X. "Brat" ist der Titel ihres neuen Albums und der steht der SĂ€ngerin zufolge fĂŒr eine Art LebensgefĂŒhl.

@ dpa.de