Massive lÀnderspezifische US-Zölle in Kraft - FinanzmÀrkte in Aufruhr
09.04.2025 - 08:10:45 | dpa.de(Neu: ErgÀnzung zu Zöllen auf geringwertige Waren aus China)
WASHINGTON (dpa-AFX) - Die von US-PrĂ€sident Donald Trump angekĂŒndigten lĂ€nderspezifischen Sonderzölle sind in Kraft. Seit Mitternacht amerikanischer Zeit (6.01 Uhr MESZ) gelten fĂŒr zahlreiche LĂ€nder deutlich höhere Abgaben, darunter die LĂ€nder der EuropĂ€ischen Union. Betroffen sind weltweit vor allem jene Staaten, mit denen die USA nach Regierungsangaben ein besonders hohes Handelsdefizit haben. Im Falle Chinas gelten nun sogar Zölle von 104 Prozent.
FĂŒr jedes betroffene Land wurde ein individueller Zollsatz festgelegt, der neben klassischen Einfuhrabgaben auch andere Handelshemmnisse abbilden soll. Daraus leitet sich der entsprechende US-Zoll auf Importe aus diesen LĂ€ndern ab.
Deutschland wird dabei nicht einzeln aufgefĂŒhrt, sondern fĂ€llt unter den Satz von 20 Prozent fĂŒr die gesamte EuropĂ€ische Union. Ăkonomen zweifeln jedoch an der Berechnungsgrundlage fĂŒr die LĂ€nderliste und kritisieren, dass sie auf teils fehlerhaften Annahmen beruhe. Gegen China verhĂ€ngte Trump nochmals höhere Zölle - wiederum als Reaktion von GegenmaĂnahmen Pekings.
Trump-Sprecherin: "Telefon klingelt ununterbrochen"
Bereits am Samstag war der erste Schritt des MaĂnahmenpakets in Kraft getreten: pauschale Importzölle von zehn Prozent auf Waren aus allen LĂ€ndern. Bestimmte Waren sind von den Zöllen ausgenommen - etwa solche, fĂŒr die bereits spezifische Zollregelungen gelten, wie Stahl- und Aluminiumprodukte sowie Autos und Autoteile. AuĂerdem sind einige weitere Produkte wie Kupfer, Arzneimittel, Halbleiter, Holzprodukte oder bestimmte kritische Mineralien ausgenommen. Das WeiĂe Haus machte allerdings deutlich, dass Trump fĂŒr diese Warengruppen schon bald Sonderzölle verhĂ€ngen könnte.
Der US-PrĂ€sident hatte sein neues, gewaltiges Zollpaket bei einer Veranstaltung im Rosengarten des WeiĂen Hauses prĂ€sentiert - unter dem Titel "Tag der Befreiung". Danach kĂŒndigten mehrere LĂ€nder GegenmaĂnahmen an. Andere setzen auf Verhandlungen. Trumps Sprecherin Karoline Leavitt sagte in Washington, bislang hĂ€tten sich fast 70 LĂ€nder an die US-Regierung gewandt - das Telefon klingele "ununterbrochen". Einige StaatsoberhĂ€upter wollten demnach sofort "ins Flugzeug steigen", um die Verhandlungen aufzunehmen.
ZusÀtzliche Zölle gegen China
Mit dem Paket sagt Trump zwar Handelspartnern in aller Welt den Kampf an. Einen besonderen Groll hegt er aber gegenĂŒber China. Er bezeichnet das Land als "gröĂten ĂbeltĂ€ter". Nachdem Peking auf Trumps AnkĂŒndigung mit Gegenzöllen in Höhe von 34 Prozent reagiert hatte, erhöhte Washington die Abgaben auf chinesische Produkte nochmals deutlich: auf insgesamt 104 Prozent. Am Dienstag (Ortszeit) unterzeichnete der US-PrĂ€sident ein entsprechendes Dekret.
Daneben ordnete Trump in dem Dekret zusĂ€tzlich Zölle von 90 Prozent auf geringwertige Waren aus China an - eine Verdreifachung der bisher vorgesehenen Abgaben fĂŒr diese Artikel. UrsprĂŒnglich wollte Trump Waren mit einem Wert von unter 800 Dollar (rund 724 Euro) ab dem 2. Mai mit einem Zoll von 30 Prozent belegen. Bisher waren solche GĂŒter von Zöllen ausgenommen. Dank dieser Regel lieferten chinesische Online-HĂ€ndler wie Temu und Shein in groĂem Stil ihre Produkte in die USA.
Trump zeigte sich dennoch zuversichtlich, dass China verhandlungsbereit bleibe - das Land wolle unbedingt ein Abkommen schlieĂen, wisse aber nicht, wie es dies in die Wege leiten könne, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. "Wir warten auf ihren Anruf. Es wird geschehen!", erklĂ€rte Trump.
Auch das HandelsverhĂ€ltnis mit der EU ist Trump ein Dorn im Auge. Ein Angebot aus BrĂŒssel, sĂ€mtliche Zölle auf IndustriegĂŒter beiderseits abzuschaffen, schlug Trump aus. Stattdessen forderte er, die EU solle als Ausgleich mehr amerikanische Energie importieren.
EU plant Gegenzölle zu vorherigen MaĂnahmen
FĂŒr den Nachmittag wird erwartet, dass sich die EU auf erste GegenmaĂnahmen zu den US-Stahl- und Aluminiumzöllen einigt, die bereits vor Trumps groĂem MaĂnahmenpaket in Kraft getretenen waren. Dabei werden entgegen ursprĂŒnglicher Planungen voraussichtlich keine Zusatzzölle auf amerikanischen Whiskey erhoben.
Konkret stehen nach Angaben aus EU-Kreisen etwa 25 Prozent auf Sojabohnen, KleidungsstĂŒcke sowie Eisen-, Stahl- und Aluminiumwaren zur Abstimmung. FĂŒr andere Waren sollen zehn Prozent fĂ€llig werden. Insgesamt soll die Liste 66 Seiten umfassen.
Wie die FAZ berichtet, sollen manche Zölle bereits kommende Woche in Kraft treten. Die meisten Gegenzölle sollen demnach von Mitte Mai und die Abgaben auf Mandeln und Sojabohnen erst vom 1. Dezember an greifen.
Die Vorsitzende des Binnenmarktausschusses des EU-Parlaments, Anna Cavazzini (GrĂŒne), sprach von verhĂ€ltnismĂ€Ăigen und ĂŒberlegten GegenmaĂnahmen, mit denen der Schaden fĂŒr die USA gröĂer als sei als fĂŒr die EU.
Sorge vor globaler Krise, Fehde im WeiĂen Haus
Trumps VorstoĂ lieĂ die Börsen weltweit einbrechen. Zwar ging es nach dramatischen Kursverlusten wieder etwas aufwĂ€rts. Doch die aggressive Handelspolitik der US-Regierung sorgt weiterhin fĂŒr erhebliche Verunsicherung.
Es wird befĂŒrchtet, dass ein eskalierender Handelskonflikt die globale Wirtschaft in eine tiefe Krise stĂŒrzt. Auch in den USA wĂ€chst die Sorge vor einer Rezession. Selbst unter Trumps politischen VerbĂŒndeten regt sich Kritik.
So entlud sich eine öffentlich ausgetragene Fehde zwischen Tech-MilliardĂ€r Elon Musk und Trumps Wirtschaftsberater Peter Navarro - offenbar ausgelöst durch Differenzen ĂŒber die neue Zollstrategie.
Navarro hatte angedeutet, Musk sei unzufrieden mit den Importzöllen, da das GeschĂ€ftsmodell seiner Firma Tesla US88160R1014 auf gĂŒnstige Bauteile aus dem Ausland angewiesen sei. Musk bezeichnete Navarro daraufhin als "Idiot", der dĂŒmmer sei "als ein Sack Ziegel".
Trump ĂŒberzeugt: Das "goldene Zeitalter" der USA beginnt
Es ist der bislang aggressivste Eingriff von Trumps Regierung in die globale Handelspolitik. Trump zeigt sich dennoch ĂŒberzeugt: Nun werde das "goldene Zeitalter" der USA beginnen.
Der US-PrÀsident will mit seiner Zollpolitik die heimische Produktion stÀrken und zugleich auslÀndische Handelspartner zu ZugestÀndnissen bewegen. Die erwarteten Zusatzeinnahmen sollen auch dabei helfen, im Wahlkampf versprochene Steuersenkungen zumindest teilweise gegenzufinanzieren.
An den FinanzmĂ€rkten nahm die Unruhe derweil wieder spĂŒrbar zu. An den Aktienbörsen in Asien ĂŒberwogen die Verluste und hierzulande dĂŒrfte der deutsche Leitindex Dax DE0008469008 mit deutlichen Verlusten starten. Zudem sackten die Ălpreise wegen der Furcht vor einer globalen Wirtschaftskrise ab. Der US-Dollar schwĂ€chelte weiter und der Kurs des Euro stieg im Gegenzug wieder ĂŒber die Marke von 1,10 Dollar.
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