'Absolut verrĂŒckt geworden'
26.05.2025 - 17:13:45(neu: mehr Details und Hintergrund)
WASHINGTON/KIEW/MOSKAU (dpa-AFX) - Nach massiven russischen Luftangriffen auf die Ukraine hat US-PrĂ€sident Donald Trump ungewöhnlich scharfe Kritik an Kremlchef Wladimir Putin geĂŒbt. "Er ist absolut verrĂŒckt geworden! Er tötet unnötigerweise eine Menge Menschen, und ich spreche nicht nur von Soldaten", schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social. "Raketen und Drohnen werden auf StĂ€dte in der Ukraine geschossen, ohne jeglichen Grund."
Trump schrieb weiter, er habe immer gesagt, Putin wolle die ganze Ukraine und nicht nur ein StĂŒck. "Aber wenn er das tut, wird das zum Untergang Russlands fĂŒhren!" Vor Journalisten drohte Trump mit neuen Sanktionen gegen Russland. Er erklĂ€rte, den mehr als drei Jahre dauernden Krieg beenden zu wollen. Kritiker werfen ihm jedoch vor, bislang nicht ausreichend Druck auf Moskau auszuĂŒben.
Kreml spricht bei Trump von "emotionaler Ăberlastung"
Der Kreml ordnete Trumps Kritik an Putin als Ăberreaktion des US-PrĂ€sidenten ein. Kremlsprecher Dmitri Peskow sprach in Moskau von "emotionaler Ăberlastung" zu Beginn des GesprĂ€chsprozesses. Kritik am Massenbombardement der vergangenen drei NĂ€chte auf die Ukraine wies er dabei zurĂŒck. Putin treffe "die Entscheidungen, die fĂŒr die Sicherheit unseres Landes notwendig sind", sagte Peskow.
Das oppositionelle russische Portal "Mediazona" verwies darauf, dass diese Passage zu Putin von staatlichen und staatsnahen Medien in Russland nicht oder nur verkĂŒrzt zitiert wurde.
Ukrainisches MilitĂ€r spricht von gröĂtem Drohnenangriff
Die russische Armee attackierte das Nachbarland die dritte Nacht in Folge mit Raketen und Kampfdrohnen. Neben 9 Marschflugkörpern zĂ€hlte die ukrainische Luftwaffe 355 Drohnen und Drohnenattrappen. Laut Experten, die sich auf ukrainische Angaben beziehen, war dies der gröĂte Drohnenangriff seit Kriegsbeginn vor mehr als drei Jahren. Die Zahlen des MilitĂ€rs sind nicht genau ĂŒberprĂŒfbar, vermitteln aber jeweils einen Eindruck vom AusmaĂ der Angriffe.
Die Luftwaffe teilte mit, alle neun Marschflugkörper seien abgeschossen und 288 Drohnen unschĂ€dlich gemacht worden. Berichte ĂŒber Tote gab es zunĂ€chst nicht. In der Region Saporischschja wurden zwei Menschen verletzt. SchĂ€den gab es nach Behördenangaben in mehreren Regionen.
Auch die ukrainische Armee setzte ihre Angriffe fort. Am Montag griff sie Ziele Russland mit Drohnen an. Diese störten erneut den Flugverkehr an Moskauer FlughÀfen.
Die Ukraine verteidigt sich seit 2022 gegen eine groĂangelegte russische Invasion und erhĂ€lt dafĂŒr UnterstĂŒtzung aus dem Westen. Eine Lösung des Konfliktes, die nicht nur auf einer Kapitulation des osteuropĂ€ischen Landes basiert, ist bislang nicht in Sicht.
Kommt Selenskyj diese Woche nach Berlin?
Zur Abstimmung mit der neuen Bundesregierung wird der ukrainische PrÀsident Wolodymyr Selenskyj einem Bericht zufolge am Mittwoch in Berlin erwartet. Wie der "Spiegel" schreibt, will Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bei dem Treffen Schritte hin zu weiteren "technischen" GesprÀchen zwischen der Ukraine und Russland beraten. Das Bundespresseamt bestÀtigte den Bericht nicht.
Demnach will Merz den ukrainischen PrĂ€sidenten auch ĂŒber PlĂ€ne fĂŒr ein neues Sanktionspaket der EU gegen Russland informieren. Es soll den Druck auf Moskau erhöhen, sich auf ernsthafte GesprĂ€che einzulassen. Die EU möchte sich dabei mit Partnern wie den USA abstimmen. "Es ist an uns, Druck auf Russland auszuĂŒben, damit auch dort der Wille zum Frieden entsteht", sagte die EU-AuĂenbeauftragte Kaja Kallas in BrĂŒssel.
Merz: Ukraine darf so weit schieĂen wie nötig
Vor dem möglichen Treffen mit Selenskyj betonte Merz die fortdauernde militĂ€rische UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine. Das Land könne sich mittlerweile besser zur Wehr setzen. "Es gibt keinerlei ReichweitenbeschrĂ€nkungen mehr fĂŒr Waffen, die an die Ukraine geliefert worden sind, weder von den Briten noch von den Franzosen noch von uns, von den Amerikanern auch nicht", sagte der Kanzler auf der Digitalkonferenz re:publica in Berlin.
Zu Beginn des russischen Angriffskrieges hatte der Westen der Ukraine keine Waffen mit gröĂeren Reichweiten geliefert, um eine Eskalation des Konfliktes zu verhindern. In Deutschland lĂ€uft die Diskussion um die Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern mit einer Reichweite von 500 km.

