ROUNDUP, Biden

Biden dĂ€mpft Erwartungen Selenskyjs - Die Nacht im Überblick

13.12.2023 - 06:35:11 | dpa.de

WASHINGTON - US-PrÀsident Joe Biden hat bei einem Besuch des ukrainischen PrÀsidenten Wolodymyr Selenskyj die Aussichten auf eine schnelle Bewilligung weiterer US-Hilfen gedÀmpft.

(Neu: mit Angriff auf Kiew)

WASHINGTON (dpa-AFX) - US-PrĂ€sident Joe Biden hat bei einem Besuch des ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj die Aussichten auf eine schnelle Bewilligung weiterer US-Hilfen gedĂ€mpft. Biden gab sich bei einer gemeinsamen Pressekonferenz am Dienstagabend (Ortszeit) zwar kĂ€mpferisch, rĂ€umte aber ein, er könne "keine Versprechungen" machen, sei aber hoffnungsvoll, dass es eine Einigung im Kongress geben werde. Gleichzeitig ließ er keinen Zweifel an seiner grundsĂ€tzlichen Haltung, dass die USA die Ukraine unterstĂŒtzen mĂŒssten. In der Nacht zu Mittwoch meldete die Ukraine derweil einen heftigen russischen Raketenangriff auf die Hauptstadt Kiew mit Dutzenden Verletzten.

Die Freigabe neuer US-Mittel fĂŒr das von Russland angegriffene Land wird derzeit aber von einem Streit im US-Parlament zwischen Republikanern und Bidens Demokraten blockiert. Biden sagte, man sei in Verhandlungen mit den Republikanern. Er mahnte eindringlich, Kremlchef Wladimir Putin setze darauf, dass die USA der Ukraine nicht mehr helfen wĂŒrden. "Wir mĂŒssen ihm das Gegenteil beweisen."

Ukrainischer PrÀsident auf aussichtsloser Mission

Selenskyj war fĂŒr GesprĂ€che mit Blick auf weitere US-MilitĂ€rhilfen in Washington. Es war sein dritter Besuch in der US-Hauptstadt seit Beginn des russischen Angriffskrieg im Februar 2022. Er traf dabei auch Mitglieder des US-Kongresses - darunter fĂŒhrende Republikaner. Sie stehen der Bewilligung neuer Hilfen im Weg, weil sie von Biden im Gegenzug mehr Mittel zum Schutz der US-SĂŒdgrenze und strengere Regeln in der Migrationspolitik fordern. Selenskyj sagte, die Signale bei den GesprĂ€chen seien "mehr als positiv" gewesen. "Aber wir wissen, dass wir Wort und konkretes Ergebnis trennen mĂŒssen." Der republikanische Vorsitzende des US-ReprĂ€sentantenhauses, Mike Johnson, machte jedoch im Anschluss der Zusammenkunft deutlich, dass sich an der Linie seiner Partei nichts geĂ€ndert habe.

Das bedeutet konkret, dass sich eine mögliche Bewilligung weiterer Hilfen weiter verzögern dĂŒrfte. Johnson hielt daran fest, seine Abgeordneten bald in die Weihnachtspause zu schicken. Problematisch ist das vor allem deswegen, weil die bisher bewilligten US-Hilfen nach Angaben des Weißen Hauses bis zum Ende des Jahres aufgebraucht sein werden. Bemerkenswert ist, dass Biden offenbar von der bisherigen Sprachlegung seiner Regierung abwich. Er sagte: "Wir werden die Ukraine weiterhin mit wichtigen Waffen und AusrĂŒstung versorgen, solange wir können." Zuvor hatte er immer betont, die USA wĂŒrden die Ukraine "solange es nötig sei" unterstĂŒtzen.

Der US-PrĂ€sident wurde aber nicht mĂŒde, mit deutlichen Worten vor einem RĂŒckzug der Amerikaner zu warnen. "Die Ukraine wird aus diesem Krieg stolz, frei und fest im Westen verwurzelt hervorgehen, es sei denn, wir gehen." Selenskyj lag bei seinem Besuch besonders das Thema Luftabwehr am Herzen. DarĂŒber habe er sich mit Biden ausgetauscht. "Wir wollen die Luftschlacht gewinnen und die russische LuftĂŒberlegenheit brechen", sagte der ukrainische PrĂ€sident. Wer den Luftraum kontrolliere, kontrolliere die Dauer des Krieges. Auf Kritik an der KriegsfĂŒhrung sagte Selenskyj, es gebe einen klaren Plan.

Ukraine meldet Raketenangriff auf Kiew - Dutzende Verletzte

Derweil wurden infolge eines russischen Raketenangriffs auf Kiew ukrainischen Angaben zufolge in der Nacht zu Mittwoch mindestens 45 Menschen verletzt. 18 von ihnen seien in KrankenhĂ€user eingeliefert worden, darunter zwei Kinder, schrieb der BĂŒrgermeister von Kiew, Vitali Klitschko, in seinem Telegram-Kanal. Aus einem beschĂ€digten Wohnhaus seien 15 Menschen evakuiert worden, darunter vier Kinder. Im Hof des GebĂ€udes seien Autos in Brand geraten. Auch mindestens zwei weitere HĂ€user hĂ€tten gebrannt, ein Kinderkrankenhaus sei beschĂ€digt worden. DarĂŒber hinaus sei in einem Bezirk das Wasserversorgungsnetz durch den Aufprall der RaketentrĂŒmmer auf die Fahrbahn beschĂ€digt worden.

Die Ukraine wehrt seit ĂŒber 21 Monaten eine russische Invasion ab. Das ukrainische Hinterland wird dabei fast tĂ€glich von russischen Drohnen und Raketen angegriffen. Die ukrainische Flugabwehr wurde inzwischen mit westlicher Hilfe massiv verstĂ€rkt.

Ukrainisches MilitÀr meldet schwere Gefechte um Awdijiwka

Die Ukraine steht bei den KĂ€mpfen im Osten des Landes weiter unter Druck. Speziell die Lage um die seit Wochen umkĂ€mpfte Stadt Awdijiwka im Osten der Ukraine hat sich nach MilitĂ€rangaben noch einmal verschĂ€rft. "Es ist sehr heiß. TatsĂ€chlich ist es heute noch heißer als gestern und vorgestern", sagte der Chef der örtlichen MilitĂ€rverwaltung, Witalij Barabasch, im ukrainischen Fernsehen. Die neue Angriffswelle der Russen hĂ€ngt seinen Angaben nach mit dem durch den jĂŒngsten Frost hart gewordenen Untergrund zusammen, der den Angreifern den Einsatz gepanzerter Fahrzeuge erlaubt. Die Verteidiger haben seinen Worten nach Dutzende Fahrzeuge abgeschossen. Der Druck der Angreifer bleibe aber hoch, auch durch den Einsatz der Luftwaffe.

Dass Awdijiwka derzeit das Zentrum der russischen AngriffsbemĂŒhungen ist, geht auch aus dem abendlichen Lagebericht des ukrainischen Generalstabs hervor, der 37 Attacken allein in diesem Raum verzeichnet. Nach offiziellen Angaben aus Kiew wurden alle abgewehrt. Weiter sĂŒdlich in der Region Donezk wurde auch die schwer zerstörte Stadt Marjinka weiter von russischen Truppen angegriffen. Im Norden, im Gebiet Charkiw, versuchen die russischen Angreifer, den Druck im Raum Kupjansk zu erhöhen.

Was am Mittwoch außerdem wichtig wird

In der Ukraine halten die schweren KĂ€mpfe an. Besonders intensiv waren die Gefechte zuletzt im östlichen Donezker Gebiet. Die Behörden versuchen derweil, die SchĂ€den nach einem Hackerangriff auf den grĂ¶ĂŸten ukrainischen Mobilfunkanbieter Kyivstar zu beheben.

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