Nach Steinhoff-Bilanzskandal: Zwei Ex-Manager verurteilt
21.08.2023 - 19:58:40Im Prozess um den Bilanzskandal bei dem Möbelkonzern Steinhoff sind zwei frĂŒhere Manager der Unternehmensgruppe verurteilt worden. Ein 52 Jahre alter Angeklagter erhĂ€lt eine Strafe von drei Jahren und sechs Monaten fĂŒr unrichtige Darstellung in Bilanzen in zwei FĂ€llen und fĂŒr eine Beihilfe zu Kreditbetrug, wie der Vorsitzende Richter am Landgericht Oldenburg sagte.
Weil sich das Verfahren verzögerte, gilt ein Jahr als vollstreckt. Ein 64-JĂ€hriger wurde fĂŒr zwei FĂ€lle unrichtiger Darstellung mit zwei Jahren auf BewĂ€hrung bestraft. Das Urteil ist noch nicht rechtskrĂ€ftig.
Die Angeklagten Ă€uĂerten vor dem Urteil Bedauern ĂŒber die Taten. Der 52-JĂ€hrige sagte, er habe nie die Kraft gefunden, auszusteigen. SpĂ€ter habe er alles dafĂŒr getan, die VorgĂ€nge aufzuklĂ€ren. Nach dem VerbĂŒĂen der Strafe wolle er ein neues Leben ohne Steinhoff.
Das Bekanntwerden der Bilanzmanipulationen vernichtete 2017 den Börsenwert des Unternehmens fast vollstĂ€ndig. Steinhoff hat seine Wurzeln in Westerstede in Niedersachsen. Die weltweit agierende Steinhoff International Holdings hat inzwischen ihren Hauptsitz in Amsterdam und wird aus SĂŒdafrika gesteuert.
Vier Personen mĂŒssen sich vor Gericht verantworten
Der Prozessauftakt war im April dieses Jahres. AuĂer den zwei Managern angeklagt waren der frĂŒhere CEO der Steinhoff International Holdings, Markus Jooste, und ein TreuhĂ€nder. Bei den zwei verurteilten Managern handelte es sich um GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Tochtergesellschaft Steinhoff Europe Group Services aus Westerstede.
Zum Prozessauftakt war Jooste nicht erschienen. Das Gericht setzte daraufhin das Verfahren gegen ihn aus und beantragte einen Haftbefehl gegen ihn. Das Verfahren gegen den TreuhĂ€nder wurde gegen eine Zahlung eingestellt. Das gesamte Verfahren ist mit dem Urteil vom Montag noch nicht abgeschlossen, wie es vom Gericht hieĂ. Die Untersuchung gegen Jooste ist nur ausgesetzt, bis gegen ihn verhandelt werden kann.
Vor dem Urteil bescheinigte die Staatsanwaltschaft den Angeklagten in den SchlussvortrĂ€gen eine hohe kriminelle Energie. Die Taten, berechnet man die verjĂ€hrten mit ein, hĂ€tten Gesamtauswirkungen von mehr als 2,3 Milliarden Euro gehabt. FĂŒr den 52-JĂ€hrigen war eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten gefordert worden, fĂŒr den 64-JĂ€hrigen eine von drei Jahren.
FĂŒr die Verteidiger gilt Jooste als Kopf des Skandals
Die Verteidiger stimmten den AusfĂŒhrungen der StaatsanwĂ€lte stellenweise zu. Ein Verteidiger des 52-JĂ€hrigen sagte, der Hauptverantwortliche des Verfahrens sei Jooste, der sich nicht gestellt habe. «Er ist der eigentliche Strippenzieher.» Auch eine Verteidigerin des 64-JĂ€hrigen sprach von einem System, das Jooste geschaffen habe.
FĂŒr die Vollstreckung des Haftbefehls gegen Jooste ist die Staatsanwaltschaft Oldenburg zustĂ€ndig. Sie teilte auf Anfrage mit, dass sie aus ermittlungstaktischen GrĂŒnden zum Stand des Vorgangs keine Angaben machen könne.
Steinhoff, aufgebaut von Bruno Steinhoff aus Westerstede, galt lange als Europas zweitgröĂter Möbelkonzern. In Deutschland war die Firma fĂŒr die Kette Poco bekannt, die mittlerweile an den Konkurrenten XXXLutz verkauft worden ist.


