ROUNDUP, AuswÀrtiges

AuswÀrtiges Amt bestellt russischen Botschafter ein

28.11.2024 - 12:34:17

Wegen der Ausweisung zweier ARD-Mitarbeiter durch die russischen Behörden hat das AuswÀrtige Amt den russischen Botschafter in Berlin einbestellt.

"Die Ausweisung der ARD-Mitarbeiter durch Russland ist inakzeptabel und die BegrĂŒndung schlicht falsch und gelogen. Wir verurteilen das in aller Deutlichkeit", sagte Außenministerin Annalena Baerbock in Berlin zur BegrĂŒndung.

Die GrĂŒnen-Politikerin warf der russischen Regierung eine "Propagandaschlacht mit falschen Behauptungen" vor. "Es ist schlicht falsch, dass wir in Deutschland oder in Europa eine EinschrĂ€nkung der Pressefreiheit haben", sagte sie.

ARD-JournalistenmĂŒssen bis 16. Dezember Russland verlassen

Russland hatte am Mittwoch die Ausweisung von zwei ARD-Mitarbeitern - ein Korrespondent und ein Techniker - angeordnet. Sie mĂŒssen bis zum 16. Dezember ihre Akkreditierung zurĂŒckgeben und Russland verlassen. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, erklĂ€rte, das sei die Antwort auf eine Ausweisung von Korrespondenten des russischen Staatsfernsehens durch deutsche Behörden. Der TV-Sender 1. Kanal hatte zuvor berichtet, er sei von deutschen Behörden aufgefordert worden, sein BĂŒro in Berlin zu schließen - doch die deutschen Behörden widersprechen.

Das zustĂ€ndige Landesamt fĂŒr Einwanderung in Berlin teilte auf dpa-Anfrage mit, dass die Behörde fĂŒnf Personen von mehreren russischen Medien, davon vier Journalisten und eine Ehefrau, Aufenthaltserlaubnisse versagt habe. Zum Teil sind die rechtlichen FĂ€lle den Angaben zufolge noch offen. Als eine BegrĂŒndung fĂŒr einen der FĂ€lle wurde angefĂŒhrt, dass das russische Medium Fehlinformationen und Propaganda zur Diskreditierung des Westens und der EU verbreite. Die Behörde stĂŒtzte sich auch auf die EU und ein Sanktionspaket, das auch russische Medien betrifft.

Baerbock verweist auf rechtsstaatliches Verfahren

Baerbock verwies darauf, dass dies ein rechtsstaatliches Verfahren sei und gegen die Entscheidung des Landesamts fĂŒr Einwanderung Rechtsmittel eingelegt werden könnten.

Die Sprecherin des russischen Außenministeriums erklĂ€rte in Moskau, schon ĂŒber ein Jahr lang wĂŒrden die Journalisten des russischen Senders in Deutschland gegĂ€ngelt. Moskau habe das deutsche Außenministerium vor einem halben Jahr gewarnt, dass dies eine Reaktion zur Folge haben werde, so Sacharowa. Der russische Botschafter Sergej Netschajew wird das AuswĂ€rtige Amt jetzt an diesen Ablauf erinnern.

Schwierigkeiten fĂŒr auslĂ€ndische Journalisten in Russland

Russland hat auslĂ€ndischen Journalisten nach Beginn des Krieges gegen die Ukraine die Arbeit deutlich erschwert. Die fĂŒr die Arbeit nötigen Akkreditierungen werden nunmehr fĂŒr Korrespondenten aus sogenannten "unfreundlichen LĂ€ndern" nur noch fĂŒr drei Monate vergeben statt fĂŒr ein Jahr. Zudem sind die Gefahren der Berichterstattung gestiegen: Der russische Geheimdienst FSB hatte den "Wall Street Journal"-Korrespondenten Evan Gershkovich im MĂ€rz 2023 wegen angeblicher Spionage verhaftet - ein russisches Gericht hatte ihn deswegen zu 16 Jahren Haft verurteilt. Erst im Sommer kam er in einem grĂ¶ĂŸeren Gefangenaustausch frei.

Bereits kurz vor dem Krieg hatten die russischen Behörden das BĂŒro der Deutschen Welle in Moskau geschlossen. Moskau begrĂŒndete dies mit einem Ausstrahlungsverbot fĂŒr den deutschsprachigen Dienst des Kremlsenders RT.

@ dpa.de