Monatelange Stromabschaltungen in der Ukraine nach Angriffen
16.05.2024 - 18:54:22Erst ab August oder September sei mit einer Verbesserung zu rechnen, sagte Jurij Bojko, Berater des MinisterprĂ€sidenten und Aufsichtsrat beim Versorger Ukrenergo (Ukrenerho), am Donnerstag in Kiew. Wie schon am Mittwoch gab es auch am Donnerstag regional gestaffelte Abschaltungen, um Strom zu sparen. Auch StraĂenzĂŒge in der Hauptstadt Kiew waren betroffen.
Durch die Raketenangriffe Russlands habe das Stromnetz groĂen Schaden genommen, sagte Bojko. "Um das Stromsystem im Gleichgewicht zu halten und UnfĂ€lle zu vermeiden, waren die Disponenten gezwungen, auĂerordentliche MaĂnahmen zu ergreifen und den Verbrauchern den Strom abzuschalten." Bei dem kalten Wetter derzeit sei der Verbrauch hoch. Im SpĂ€tsommer werde der Verbrauch niedriger sein; zudem gebe es mehr Solarenergie.
Im Angriffskrieg gegen die Ukraine hatte die russische Armee im MĂ€rz und April gezielt Kraftwerke, Umspannwerke und Stromleitungen aus der Luft beschossen. Die ProduktionskapazitĂ€t sank nach offiziellen Angaben um 44 Prozent. Die Stromproduktion aus Kohlekraftwerken ging fast vollstĂ€ndig verloren. Auch Wasserkraftwerke am Dnipro wurden beschĂ€digt. Die Aussichten auf rasche Reparaturen sind schlecht. Die Stromproduktion aus Kernkraft funktioniert weitgehend. Auch Energieimporte aus NachbarlĂ€ndern reichen nicht immer aus, die LĂŒcke zu schlieĂen.
Neben den planmĂ€Ăigen Stromabschaltungen, die ĂŒber das Land verteilt werden, gibt es AusfĂ€lle durch Kampfhandlungen. So waren im ostukrainischen Gebiet Charkiw 33 300 AnschlĂŒsse am Donnerstag ohne Strom, wie das Energieministerium mitteilte. 1800 Abnehmer hĂ€tten nach Reparaturen wieder Strom bekommen. Im nordöstlichen Gebiet Sumy waren wegen Kampfhandlungen 8500 Haushalte ohne Strom.
Schon im ersten Kriegswinter 2022/23 hatte Russland das Energiesystem der Ukraine attackiert. Ein Zusammenbruch konnte vermieden werden, aber die Menschen mussten oft ohne Strom, Heizung oder Gas ausharren.

