Hamas-AnschlĂ€ge auf jĂŒdische Einrichtungen? - Festnahmen
14.12.2023 - 17:03:07Wie die oberste deutsche Anklagebehörde am Donnerstag in Karlsruhe mitteilte, geht es um Waffen, die fĂŒr mögliche AnschlĂ€ge auf jĂŒdische Einrichtungen in Europa bereitgehalten werden sollten. Die Festnahmen seien in Zusammenarbeit mit niederlĂ€ndischen Ermittlungsbehörden erfolgt.
Laut einer Mitteilung wurden in Berlin drei MĂ€nner festgenommen: ein Ă€gyptischer Staatsangehöriger, ein NiederlĂ€nder sowie ein im Libanon geborener Mann. Der Ălteste der mutmaĂlichen Verschwörer, ein 1967 im Libanon geborener Mann, wurde von der Polizei in Rotterdam vorlĂ€ufig festgenommen. Den Beschuldigten wird die Mitgliedschaft in einer auslĂ€ndischen terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Sie sollen "ĂŒber eine enge Anbindung an FĂŒhrungskrĂ€fte des militĂ€rischen FlĂŒgels der Hamas verfĂŒgt haben. SpĂ€testens ab dem FrĂŒhjahr 2023 sei einer der in Berlin ansĂ€ssigen Beschuldigten damit befasst gewesen, im Auftrag der Hamas ein Erddepot mit Waffen in Europa ausfindig zu machen, das die Organisation dort in der Vergangenheit angelegt habe. Seine Weisungen habe er dafĂŒr von Hamas-FĂŒhrungskadern im Libanon erhalten.
Die Waffen sollten demnach nach Berlin gebracht und fĂŒr mögliche AnschlĂ€ge auf jĂŒdische Einrichtungen in Europa bereitgehalten werden. Im Oktober hĂ€tten sich die drei in Berlin wohnhaften MĂ€nner mehrfach von Berlin aus auf die Suche nach den Waffen gemacht. Dabei seien sie von dem nun in Rotterdam festgenommenen Mann unterstĂŒtzt worden.
Die AktivitĂ€ten der MĂ€nner stehen nach Informationen aus Sicherheitskreisen nicht in direktem Zusammenhang mit dem Ăberfall der Hamas in Israel am 7. Oktober. Vielmehr soll der erste Hinweis auf die vier MĂ€nner bereits aus dem vergangenen Sommer stammen.
Sollte sich der Verdacht bestĂ€tigen, dass die MĂ€nner als Mitglieder der Hamas AnschlĂ€ge auf jĂŒdische Einrichtungen in Europa geplant haben, wĂ€re dies ein Novum. Bislang war Deutschland fĂŒr Hamas-Mitglieder nach EinschĂ€tzung des Verfassungsschutzes ein RĂŒckzugsort, an dem höchstens versucht wurde, Propaganda zu betreiben und Spenden zu sammeln. Um auch dies zu unterbinden, waren in den Jahren 2002 und 2005 zwei der Hamas nahe stehende Vereine verboten worden.
"Mein Dank gilt allen Beteiligten, die mit diesem Ermittlungserfolg ihren Beitrag dazu geleistet haben, dass JĂŒdinnen und Juden in Europa weiterhin in Sicherheit und Frieden leben können", sagte Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP). "Wir mĂŒssen daher alles dafĂŒr tun, damit JĂŒdinnen und Juden in unserem Land nicht abermals um ihre Sicherheit fĂŒrchten mĂŒssen."
Seit dem Terrorangriff vom 7. Oktober nehmen BefĂŒrchtungen zu, dass es auch in Deutschland zu AnschlĂ€gen kommen könnte. Erst Anfang November hatte Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) ein BetĂ€tigungsverbot fĂŒr die Hamas erlassen. AuĂerdem sprach Faeser ein Vereinsverbot fĂŒr den deutschen Ableger des palĂ€stinensischen Netzwerkes Samidoun aus.
In Deutschland geht das Bundesamt fĂŒr Verfassungsschutz von rund 450 Mitgliedern der Hamas aus. Deren AktivitĂ€ten umfassten den Erkenntnissen zufolge bisher Sympathiebekundungen und PropagandaaktivitĂ€ten sowie das Eintreiben von Spenden. Im Gegensatz zu islamistischen Terrorgruppen wie Al-Kaida oder Islamischer Staat (IS) verĂŒbte die Hamas bisher keine AnschlĂ€ge in westlichen Staaten, sondern ausschlieĂlich in Israel und den PalĂ€stinensergebieten.
In DĂ€nemark gaben die Behörden am Donnerstag Festnahmen von drei VerdĂ€chtigen wegen des Verdachts der Vorbereitung eines Terrorangriffs bekannt. Nach Erkenntnissen des israelischen Auslandsgeheimdienstes haben auch diese Verbindungen zur Hamas. Die dĂ€nischen Behörden Ă€uĂerten sich zu HintergrĂŒnden und einem möglichen Ziel des geplanten Anschlags bislang nicht.

