Nahost, Hessen

Lufthansa wittert neben Risiken auch Chancen aus Nahostkrise

06.03.2026 - 14:04:23 | dpa.de

Wegen gesperrter Drehkreuze am Golf steigen die Asien-Buchungen bei Lufthansa deutlich. Konzernchef Spohr sieht Chancen, warnt aber auch vor Risiken im aktuellen Marktumfeld.

  • Lufthansa meldet zum JubilĂ€um Milliardengewinn.  - Foto: Hannes P. Albert/dpa
    Lufthansa meldet zum JubilÀum Milliardengewinn. - Foto: Hannes P. Albert/dpa
  • Lufthansa lĂ€sst sieben Jets verschiedener Flugzeugtypen in einer JubilĂ€umslackierung starten.  - Foto: Malin Wunderlich/dpa
    Lufthansa lÀsst sieben Jets verschiedener Flugzeugtypen in einer JubilÀumslackierung starten. - Foto: Malin Wunderlich/dpa
  • Frankfurt ist das grĂ¶ĂŸte Drehkreuz der Lufthansa-Gruppe. - Foto: Arne Dedert/dpa
    Frankfurt ist das grĂ¶ĂŸte Drehkreuz der Lufthansa-Gruppe. - Foto: Arne Dedert/dpa
  • Lufthansa hat sich zur NS-Vergangenheit ihrer VorgĂ€ngerin bekannt.  - Foto: Hannes P Albert/dpa
    Lufthansa hat sich zur NS-Vergangenheit ihrer VorgÀngerin bekannt. - Foto: Hannes P Albert/dpa
  • Auch in der Economy-Class bringt die neue Allegris-Kabine Innovationen fĂŒr die Passagiere.  - Foto: Peter Kneffel/dpa
    Auch in der Economy-Class bringt die neue Allegris-Kabine Innovationen fĂŒr die Passagiere. - Foto: Peter Kneffel/dpa
  • Lufthansa-Chef Carsten Spohr sieht trotz Nahostkrise Chancen.  - Foto: Hannes P. Albert/dpa
    Lufthansa-Chef Carsten Spohr sieht trotz Nahostkrise Chancen. - Foto: Hannes P. Albert/dpa
'.$caption.' '.$caption.' '.$caption.' '.$caption.' '.$caption.' '.$caption.'

Der Lufthansa-Konzern sieht in der Nahostkrise zumindest kurzfristig auch Chancen fĂŒr sein eigenes GeschĂ€ft. Die Vorbuchungen fĂŒr DirektflĂŒge in Richtung Asien lĂ€gen derzeit 75 Prozent ĂŒber dem Vorjahreswert, sagte Konzernchef Carsten Spohr bei der Vorstellung der Jahresbilanz. Grund sind die stillstehenden Drehkreuze der Golf-Airlines Emirates und Qatar aus den Arabischen Emiraten, die sonst einen Großteil des Verkehrs nach Asien, Australien und Afrika abwickeln.

Angesichts der fortgesetzten Raketen- und Bombenangriffe im Iran und Anrainerstaaten werde die Lufthansa alles tun, um gestrandete GĂ€ste von eigenen und fremden Fluggesellschaften aus der Region zu holen, sagte Spohr. Derzeit könnten die Lufthansa-Airlines jedoch aus SicherheitsgrĂŒnden manche FlughĂ€fen nicht ansteuern.

ZusĂ€tzliche FlĂŒge geplant

Die Flugzeuge kann das Unternehmen aber an anderer Stelle gut gebrauchen: Wegen der starken Nachfrage werde der Konzern in den nĂ€chsten Tagen zusĂ€tzliche FlĂŒge etwa nach Bangkok, Singapur, Kapstadt, Shanghai oder Delhi anbieten, kĂŒndigte Spohr an. Auch bei der Luftfracht gebe es eine Sondernachfrage, berichtete er aus dem GeschĂ€ft von Lufthansa Cargo.

In den kommenden Wochen will Lufthansa auch Riad in Saudi-Arabien verstĂ€rkt anfliegen. Dorthin war am Freitag ein Linienflug aus MĂŒnchen unterwegs, musste aber wegen einer Flughafensperre nach Kairo abdrehen. Das Flugzeug sollte spĂ€ter dennoch den saudischen Flughafen ansteuern, um danach mit mehr als 200 Passagieren an Bord zurĂŒck nach MĂŒnchen zu fliegen. 

Höhere Ticketpreise kommen

Kunden mĂŒssen sich wegen des verknappten Angebots und der notwendigen Umfliegung gesperrter LuftrĂ€ume auf höhere Ticketpreise einrichten. Es sei aber noch zu frĂŒh, um langfristige Entwicklungen zu erkennen, sagte Spohr. GrundsĂ€tzlich sei es ein hohes Risiko fĂŒr Europa, wichtige Verkehrsströme unmittelbar an der iranischen Grenze zu bĂŒndeln. Gegen starke Preissteigerungen beim Kerosin sei Lufthansa im laufenden Jahr großenteils mit TermingeschĂ€ften geschĂŒtzt.

Vergessliche Passagiere?

«Wir wissen letztendlich nicht, wie lange dieser Effekt am Golf anhĂ€lt. Ob das eine ZĂ€sur ist oder eine nur eine vorĂŒbergehende Erscheinung», sagte der Lufthansa-Chef. Allerdings dĂŒrften sich die Reiseströme nach seiner EinschĂ€tzung nicht nur kurzfristig verschieben. So werde die Golfregion als Reiseziel sicher kĂŒnftig attraktiv bleiben, doch die dortigen Drehkreuze fĂŒr Umsteigeverbindungen dĂŒrften langsamer wachsen als zuletzt. Allerdings macht sich Spohr keine Illusionen: «Es gibt Menschen, die schnell vergessen und das gĂŒnstigste Ticket wieder kaufen.»

Im laufenden Jahr will der Manager das Flugangebot auf der Langstrecke ausbauen und den Gewinn des Konzerns im TagesgeschĂ€ft deutlich steigern. Dazu beitragen soll das Sanierungsprogramm fĂŒr die Kernmarke Lufthansa Airlines, die 2025 in die schwarzen Zahlen zurĂŒckkehrte. 

Keine RĂŒckkehr in den Dax

Am Finanzmarkt kamen die Neuigkeiten zum Handelsstart zunĂ€chst gut an: Die Lufthansa-Aktie legte am Morgen um vier Prozent zu und sackte dann leicht ins Minus. An den Vortagen hatte die Lufthansa-Aktie bereits deutlich verloren und verpasste deshalb die RĂŒckkehr in den deutschen Leitindex Dax.

Im vergangenen Jahr hatte die Lufthansa noch von einem RĂŒckgang der Kerosinpreise profitiert. Zudem musste sie ihren Kunden deutlich weniger EntschĂ€digungen wegen verspĂ€teter und ausgefallener FlĂŒge bezahlen. Zugleich kletterte der Umsatz um fĂŒnf Prozent auf den Rekordwert von 39,6 Milliarden Euro.

Dadurch wuchs der operative Gewinn des Konzerns vor Zinsen, Steuern und Sondereffekten (bereinigtes Ebit) um knapp ein FĂŒnftel auf 1,96 Milliarden Euro. Der Überschuss sank wegen negativer Steuereffekte jedoch von 1,4 auf 1,3 Milliarden Euro. Im laufenden Jahr sollen Umsatz und operativer Gewinn weiter steigen, kĂŒndigte das Management an. 

Insgesamt steigerten die konzerneigenen Passagier-Airlines wie Lufthansa, Swiss, Austrian, Brussels, Eurowings und der neue italienische Ableger Ita 2025 ihr bereinigtes operatives Ergebnis um vier Prozent auf knapp 1,1 Milliarden Euro. Mehr als die HĂ€lfte davon stammte trotz RĂŒckgĂ€ngen von der Schweizer Konzerntochter Swiss.

100 Jahre Lufthansa

Das Unternehmen feiert in diesem Jahr die GrĂŒndung der ersten Lufthansa vor 100 Jahren und hat sich dabei explizit zur Verstrickung in den Nationalsozialismus bekannt. Vorstandschef Spohr distanzierte sich von frĂŒheren BemĂŒhungen, die Rolle des Unternehmens im NS-Staat auszublenden und sich ausschließlich auf die 1955 erfolgte NeugrĂŒndung nach dem Zweiten Weltkrieg zu berufen. Neben einer in diesen Tagen erscheinenden neuen Unternehmensgeschichte soll der Einsatz von Zwangsarbeitern fĂŒr die erste Lufthansa weiter erforscht werden. 

Mit dem JubilĂ€um hat Lufthansa eine umfassende Produktoffensive verbunden. FĂŒr 2026 erwartet das Unternehmen 45 neue, sparsamere Flugzeuge. Auf der Langstrecke kommt zunehmend die Kabinenausstattung «Allegris» zum Einsatz, die fĂŒr Zusatzerlöse sorgt. Neben der Firmenzentrale am Frankfurter Flughafen ist zudem ein neues Besucher- und Kongresszentrum mit dem Namen «Hangar One» entstanden, in dem zwei historische Propellerflugzeuge technische Luftfahrtgeschichte vermitteln.

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - trading-notes lesen ist besser!

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - <b>trading-notes</b> lesen ist besser!
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlĂ€ssliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
FĂŒr. Immer. Kostenlos.
wirtschaft | 68641459 |