Wegwerfmode-Abgabe: Frankreich besteuert Shein & Co. ab September
Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 17:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Frankreich erhebt seit dem 1. September 2026 neue Abgaben auf sogenannte Wegwerfmode. Die Regelung zielt insbesondere auf große Onlinehändler wie Shein, Temu und AliExpress ab. Die Höhe der fälligen Beträge richtet sich dabei nach der Menge der Modelle, die ein Unternehmen in den Verkehr bringt. Damit setzt die französische Regierung ein Gesetz vom 8. Juli 2026 um, das den ökologischen Fußabdruck der Textilindustrie regulieren soll.
Gestaffelte Gebühren nach Kleidungsstücken
Die neuen Abgaben sind nach Produktkategorien gestaffelt. Für Unterwäsche wird ein Betrag von 0,50 Euro pro Stück fällig, während für ein T-Shirt 2 Euro gezahlt werden müssen. Bei Jeans beläuft sich die Abgabe auf 9 Euro und bei Jacken auf 12 Euro pro Artikel.
Diese Sätze sollen in den kommenden Jahren sukzessive steigen. Bis zum Jahr 2030 ist eine Erhöhung auf 2 Euro für Unterwäsche, 8,25 Euro für T-Shirts, 17,25 Euro für Jeans und 19,50 Euro pro Jacke vorgesehen.
Um eine übermäßige Belastung im Niedrigpreissegment zu begrenzen, sieht das Gesetz eine Deckelung vor. Die Abgaben dürfen demnach maximal 50 Prozent des Nettopreises beziehungsweise des Verkaufspreises eines Kleidungsstücks betragen.
Fokus auf hochfrequente Modellwechsel
Frankreich erhebt seit September neue Abgaben auf Wegwerfmode – für Jacken bis 12 Euro, T-Shirts 2 Euro. Wenn Sie Onlinehandel mit Frankreich betreiben, sollten Sie jetzt Ihre Preise und Ihr Sortiment prüfen. Unser Leitfaden zeigt Ihnen die Sätze, die Deckelung und konkrete Anpassungsstrategien. Jetzt kostenlosen Leitfaden anfordern
Die Maßnahme trifft vor allem Anbieter der sogenannten Ultra-Fast-Fashion. Das Unternehmen Shein ist laut Branchenberichten mit rund 1,7 Millionen Modellen beziehungsweise über 2 Millionen Artikeln im Sortiment besonders betroffen, da es täglich etwa 4.700 neue Stile einführt. Im Gegensatz dazu bleiben klassische Textilketten wie Zara, die jährlich etwa 20.000 Modelle auf den Markt bringen, oder H&M von der neuen Regelung ausgenommen.
Zusätzlich zu den finanziellen Abgaben verschärft Frankreich die Werbevorschriften. Ab dem Jahr 2027 wird ein vollständiges Werbeverbot für Wegwerfmode in Kraft treten, um den Konsum dieser kurzlebigen Produkte weiter einzuschränken.
Hintergrund und internationale Reaktionen
Die Einführung der Abgaben erfolgt vor dem Hintergrund eines massiven Anstiegs des Paketaufkommens im Onlinehandel. Im Jahr 2025 wurden insgesamt 6 Milliarden Kleinsendungen nach Europa verschickt. Davon stammten 93 Prozent der Lieferungen aus China.
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Der Zeitpunkt der Neuregelung fällt mit wichtigen Unternehmensentwicklungen zusammen. Erst am 31. August 2026 vollzog der betroffene Anbieter Shein seinen Börsengang in Hongkong. Die Bewertung des Unternehmens belief sich dabei auf 26,3 Milliarden US-Dollar, was etwa 22,6 Milliarden Euro entspricht.
Die chinesische Regierung reagierte mit deutlicher Kritik auf die französischen Maßnahmen. Von offizieller Seite in China wurden die Abgaben als diskriminierend bezeichnet. Zudem drohte das Land mit möglichen Vergeltungsmaßnahmen als Reaktion auf die neue Besteuerung der Handelsmodelle chinesischer Online-Plattformen.
Mehr zum Thema bei FAZ: „Wegwerfmode in Frankreich: Neue Abgaben für Shein und Co.“
