Welttag, Experten

Welttag am 10. Oktober: Experten fordern psychische Erste Hilfe im Betrieb

Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 15:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

SFU-Ambulanzen betreuten 2026 mehr als 2.000 Menschen; zugleich stiegen die Erstgespräche für junge Patienten deutlich.

IBG fordert psychische Erste Hilfe als festen Standard in Betrieben
Ein ruhiger, minimalistischer Büroarbeitsplatz mit einer grünen Pflanze in sanftem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Anlässlich des bevorstehenden Welttags für psychische Gesundheit am 10. Oktober fordert die IBG Innovatives Betriebliches Gesundheitsmanagement GmbH, psychische Erste Hilfe in Betrieben als Standard zu etablieren.

Wie das Unternehmen in einer Mitteilung darlegte, sollte die mentale Unterstützung am Arbeitsplatz die gleiche Selbstverständlichkeit erlangen wie die herkömmliche Erste Hilfe bei körperlichen Verletzungen. Auch weitere Organisationen und Experten mahnen vor dem Aktionstag mehr Aufmerksamkeit für seelische Belastungen im beruflichen Umfeld an.

Mentale Belastungen im Arbeitsalltag frühzeitig erkennen

Flankiert wird der Vorstoß von Forderungen sozialer Organisationen. So sprach sich das Hilfswerk ebenfalls dafür aus, Beschäftigte mental zu stärken. Die Notwendigkeit präventiver Maßnahmen unterstreichen auch medizinische Einschätzungen.

Der Psychiater Ulrich Hegerl von der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention wies darauf hin, dass Studien zufolge etwa jeder fünfte bis sechste Erwachsene im Laufe seines Lebens an einer Depression erkrankt. Frauen seien dabei doppelt so häufig betroffen wie Männer.

Hegerl betonte mit Blick auf das Arbeitsumfeld, dass auch ein leistungsfähiger Mitarbeiter schwer erkrankt sein könne. Bei Formen wie der hochfunktionalen Depression oder beim Burn-out stehe das Verhalten von Führungskräften im Fokus, sobald entsprechende Anzeichen im Team auftreten.

Anzeige

Wer sich mit der frühzeitigen Erkennung von psychischen Belastungen im Team befasst, findet in diesem kostenlosen Paket wertvolle Unterstützung. Sichern Sie sich jetzt einsatzbereite Muster und eine Excel-Vorlage für eine rechtssichere Gefährdungsbeurteilung. Gefährdungsbeurteilung und Muster-Vorlagen kostenlos herunterladen

Auf die Bedeutung früher Interventionen verweist zudem die Psychotherapeutin Nicole Wutti. Belastungen sollten rechtzeitig ernst genommen werden. Zu den typischen Warnsignalen zählen nach ihren Angaben anhaltende Erschöpfung, innere Unruhe, Niedergeschlagenheit sowie sozialer Rückzug.

Als häufige Belastungsfaktoren im Alltag gelten neben beruflichem Leistungsdruck und Stress auch Ängste, depressive Verstimmungen sowie der Einfluss sozialer Medien.

Steigender Versorgungsbedarf in den Einrichtungen

Wie dringlich das Thema psychische Gesundheit über alle Altersgruppen hinweg ist, zeigen aktuelle Zahlen aus den SFU-Universitätsambulanzen in Wien. Die Einrichtungen versorgten im Jahr 2026 bereits mehr als 2.000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene, während rund 400 angehende Fachkräfte in Ausbildung stehen. Das Motto für den Welttag 2026 stellt dabei das Gehör für gelebte Erfahrungen und echte Veränderungen in den Mittelpunkt.

In der SFU Psychotherapeutischen Ambulanz für Kinder und Jugendliche wurden von Jänner bis August 2026 insgesamt 260 Erstgespräche verzeichnet – was einem Zuwachs von rund 60 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum mit 161 Gesprächen entspricht.

Rund 200 junge Menschen wurden in diesem Zeitraum behandelt und etwa 4.000 Therapieeinheiten geleistet. Während ein Erstgespräch meist innerhalb von ein bis zwei Wochen erfolgt, vergehen bis zum eigentlichen Therapiebeginn oft mehrere Monate. Im Rahmen einer Kooperation mit der ÖGK stehen bis zu 60 vollfinanzierte Einheiten zur Verfügung.

Anzeige

Um Überlastungen im Arbeitsumfeld rechtzeitig entgegenzuwirken, ist eine systematische Dokumentation entscheidend für Arbeitgeber und Sicherheitsverantwortliche. Dieser Ratgeber bietet 7 Sofort-Tipps und Vorlagen nach § 5 ArbSchG für ein gesundes und produktives Arbeitsklima. 7 Sofort-Tipps für den Arbeitsschutz jetzt gratis sichern

Im SFU Kinderpsychologischen Zentrum befanden sich zum Stichtag am 28. September 2026 120 Kinder und Jugendliche in Diagnostik sowie rund 14 in Behandlung. Rund ein Drittel der Anfragen betraf dort das Autismus-Spektrum; die Wartezeit auf einen Ersttermin verringerte sich von rund 40 Wochen im Vorjahr auf rund 32 Wochen.

Die SFU Psychologische Universitätsambulanz meldete Ende August 2026 142 Personen in Behandlung oder Abklärung und 224 auf der Warteliste, wobei etwa 60 Prozent auf Diagnostik entfielen. Die Wartezeiten lagen bei rund 20 Wochen für eine Behandlung und rund 28 Wochen für die Diagnostik.

Auch im Erwachsenenbereich ist die Nachfrage hoch: Die SFU Ambulanz für Erwachsene behandelte bis September 2026 rund 1.700 Menschen, nach rund 1.400 im Vorjahr, und erbrachte bis Juli etwa 23.000 Therapie- und Beratungseinheiten.

Eine dort durchgeführte und in der Fachzeitschrift Frontiers in Psychiatry veröffentlichte Untersuchung ergab zudem, dass von 166 Patientinnen und Patienten ab 60 Jahren 51,2 Prozent eine hohe körperliche Krankheitsbelastung aufwiesen. Die Zahlen verdeutlichen die angespannte Versorgungslage und unterstreichen den Bedarf an niederschwelligen Angeboten und betrieblicher Prävention.

Mehr zum Thema bei Kurier: „Prävention lernen: Psychische Erste Hilfe im Klassenzimmer“

Disclaimer...

de | wirtschaft | 70256454 |