Wende bei europÀischer Software: 4,6% lehnen ab statt 47,7%
Veröffentlicht am: 19.07.2026 um 19:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
2025 waren es noch 47,7 Prozent. Das zeigt die Studie âState of Digital Sovereignty 2026â von Myra Security.
Deutsche Unternehmen setzen auf Regionalisierung
Bereits 39,7 Prozent der befragten Unternehmen befinden sich im Prozess der EinfĂŒhrung europĂ€ischer Lösungen. Damit liegt Deutschland knapp vor Frankreich (38,5 Prozent) und den nordischen LĂ€ndern (35,5 Prozent). Besonders in kritischen Bereichen wĂ€chst der Wunsch nach UnabhĂ€ngigkeit: Rund 87,5 Prozent der Befragten befĂŒrworten europĂ€ische Digitalprodukte in staatlichen Institutionen und bei Betreibern kritischer Infrastrukturen.
Die wichtigsten Technologiefelder fĂŒr digitale SouverĂ€nitĂ€t: Cybersicherheit (57,6 Prozent) und KĂŒnstliche Intelligenz (50,1 Prozent). Allerdings setzen weiterhin 19,8 Prozent der Entscheider verstĂ€rkt auf US-Software â vor allem wegen geopolitischer Rahmenbedingungen.
Hohe Migrationskosten und mangelnde MarktĂŒbersicht bremsen den Wechsel. Dennoch: 54,6 Prozent halten das Ziel digitaler UnabhĂ€ngigkeit bis 2035 fĂŒr realistisch.
Deutsch-französische Allianz gegen US-Monopole
Auch auf staatlicher Ebene wÀchst die Zusammenarbeit. Beim deutsch-französischen Ministerrat in Nörvenich vereinbarten beide LÀnder den Aufbau einer gemeinsamen militÀrischen KI-Plattform. Sie soll eine europÀische Alternative zu Produkten des US-Konzerns Palantir bieten.
Frankreich bringt die Plattform Arcadia ein, Geheimdienste nutzen bereits Software von ChapsVision. Die Kooperation umfasst zudem gemeinsame Standards beim Luftkampfsystem FCAS und Forschungsprogramme fĂŒr das Landsystem MGCS.
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Auch im Weltraumsektor arbeiten die LĂ€nder enger zusammen â bei Satelliten und der TrĂ€gerrakete Ariane 6. Die Investmentfirma Lakestar hat einen 300-Millionen-Euro-Fonds fĂŒr Defense-Start-ups aufgelegt.
Cloud-AbhĂ€ngigkeit bleibt das gröĂte Problem
Trotz aller Ambitionen: Die AbhĂ€ngigkeit von auĂereuropĂ€ischen Anbietern ist enorm. Laut Bitkom Cloud Report 2026 halten 85 Prozent der Unternehmen die AbhĂ€ngigkeit von US-Cloud-Providern fĂŒr zu hoch. Aktuell beziehen 71 Prozent ihre Cloud-Leistungen aus den USA. Nur 12 Prozent wĂ€ren bereit, fĂŒr eine deutsche Alternative mehr zu zahlen.
Marktbeobachter von Forrester prognostizieren: Deutschlands technologische SouverÀnitÀt steigt nur moderat von 34 Prozent (2025) auf 36 Prozent bis 2030.
Das Problem: Europa verfĂŒgt ĂŒber lediglich 5 Prozent der weltweiten RechenkapazitĂ€ten. Die USA kontrollieren 75 bis 80 Prozent. Bundesdigitalminister Wildberger warnte am 17. Juli vor den Risiken dieser AbhĂ€ngigkeit bei KI-Technologien.
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Wie verwundbar Europa ist, zeigte sich Mitte Juni: Ein US-Exportkontroll-Erlass sperrte ein KI-Modell des Anbieters Anthropic weltweit fĂŒr 19 Tage.
Milliarden-Investitionen in lokale Alternativen
Unternehmen und Behörden reagieren. Der Luftfahrtkonzern Airbus verlagert rund 900 kritische Anwendungen vom US-Anbieter AWS zum französischen Cloud-Dienstleister Scaleway. Der Vertrag: ĂŒber 50 Millionen Euro, Laufzeit bis zu zehn Jahren.
Auch technologisch entstehen neue Angebote: Scality und OVHcloud kĂŒndigten Anfang Juli eine Partnerschaft fĂŒr souverĂ€nen KI-Speicher auf europĂ€ischer Hardware an.
Die EU-Kommission unterstĂŒtzt diese Bestrebungen mit 180 Millionen Euro fĂŒr souverĂ€ne Cloud-Dienste ĂŒber sechs Jahre. In Barcelona entsteht mit MareNostrum 5 AI einer von 35 geplanten KI-Supercomputern in Europa. Ziel: die lokale RechenkapazitĂ€t massiv ausbauen.
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