Deutschland, Einzelhandel

Schluss mit «Cash only»: LÀden sollen Karten akzeptieren

Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 04:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Wer kein Bargeld dabeihat, kann den Döner oder Kaffee bisher oft nicht bezahlen. Das soll sich Ă€ndern. Sind Scheine und MĂŒnzen dann out?
Keine Kartenzahlung? Das soll es kĂŒnftig nicht mehr geben. (Archivbild) - Bild: Peter Kneffel/dpa

GeschĂ€fte und Restaurants sollen kĂŒnftig zusĂ€tzlich zum Bargeld auch digitale Zahlung mit Karte oder Handy akzeptieren mĂŒssen. «Cash only»-Schilder sollen damit der Vergangenheit angehören. Ein entsprechendes Vorhaben hat Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) auf den Weg gebracht. Die Eckpunkte werden nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur gerade mit den anderen Ministerien abgestimmt.

Was gilt bisher?

Scheine und MĂŒnzen in Euro sind in Deutschland das gesetzliche Zahlungsmittel. Daraus ergibt sich eine Pflicht, Bargeld anzunehmen. Kartenzahlung mĂŒssen die LĂ€den nicht akzeptieren. Vor allem kleinere GeschĂ€fte, SpĂ€tis und Restaurants nehmen derzeit keine Kartenzahlung an.

Gleichzeitig gibt es aber auch immer mehr CafĂ©s und Selbstbedienungskassen im Supermarkt, wo man nicht bar zahlen kann. Das ist möglich, wenn HĂ€ndler und Kunde es vorher vereinbaren. Es hat sich eingebĂŒrgert, vor dem Kauf mit einem Schild darauf hinzuweisen, dass nur Kartenzahlung akzeptiert wird. 

Was plant das Finanzministerium?

Ziel ist Wahlfreiheit: Der Kunde soll entscheiden können, ob er bar oder digital - also per Karte, Handy oder Uhr bezahlt. «Wir wollen, dass Unternehmen ĂŒberall dort, wo Waren und Dienstleistungen direkt vor Ort bezahlt werden, eine digitale Bezahlmöglichkeit anbieten», heißt es in den Eckpunkten. Damit wird ein Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag von Union und SPD umgesetzt. 

Die Pflicht soll fĂŒr Handel, Gastronomie und Dienstleistungssektor gelten. Welches digitale Bezahlverfahren angeboten wird, soll Sache des Inhabers sein. Erlaubt wĂŒrden die «am Markt verfĂŒgbaren und gebrĂ€uchlichen digitalen Bezahlverfahren», heißt es in den Eckpunkten. Mindestens aber mĂŒsse ein europĂ€isches Verfahren akzeptiert werden. 

Umsatzgrenzen oder Zusatzkosten soll es nicht geben. Man soll also den Kaffee oder den Schokoriegel genauso bargeldlos bezahlen können, wie einen grĂ¶ĂŸeren Einkauf oder den Friseurbesuch.

Gleichzeitig betont das Ministerium in den Eckpunkten: Bezahlen mit Bargeld soll auch weiterhin möglich sein, es gehe nur um zusÀtzliche Optionen.

Soll es Ausnahmen von der Pflicht geben?

Ja, die Pflicht soll nur fĂŒr Unternehmen gelten. Nichtkommerzielle Organisationen wie Amateur-Sportvereine und WohltĂ€tigkeitsverbĂ€nde sollen auch weiter die Option haben, nur mit Bargeld zu arbeiten. Bei Dorffesten, FlohmĂ€rkten und Ă€hnlichen Gelegenheiten packt man also besser weiter die Geldbörse ein. Außerdem will das Ministerium noch prĂŒfen, ob HĂ€rtefallregelungen nötig sind.

Warum ist das geplant? 

Das Ministerium argumentiert, aktuell wollten viele mit Karte zahlen, das werde vor allem in kleineren GeschÀften aber oft nicht oder erst ab einem bestimmten Betrag akzeptiert. 

Digitales Zahlen helfe auch bei der BekĂ€mpfung von Steuerhinterziehung, GeldwĂ€sche und anderer FinanzkriminalitĂ€t, da solche Zahlungen immer dokumentiert wĂŒrden. 

Wie wird bisher bezahlt?

Im vergangenen Jahr haben die Menschen in Deutschland ihre tÀglichen EinkÀufe etwas hÀufiger digital bezahlt als mit Bargeld. Laut Bundesbank waren 55 Prozent der Transaktionen bargeldlos, der Wert steigt. 

Am hÀufigsten kam dabei die Debitkarte (26 Prozent) zum Einsatz, meist die Girocard, die hÀufig noch EC-Karte genannt wird. Vor allem werden Karten bei höheren Summen genutzt. Das mobile Bezahlen mit Smartphone oder Smartwatch legte zu auf zehn Prozent. 

In 45 Prozent der Transaktionen griffen die BĂŒrger zu Bargeld. Das gilt vor allem fĂŒr Ă€ltere Menschen, Personen mit gesundheitlichen EinschrĂ€nkungen, niedrigem Einkommen oder geringer digitaler Erfahrung.

Warum bieten manche GeschÀfte keine Kartenzahlung an?

Das dĂŒrfte an den Kosten liegen. Sie mĂŒssen sich dafĂŒr nicht nur LesegerĂ€te anschaffen, sondern teils auch TransaktionsgebĂŒhren zahlen. Am gĂŒnstigsten kommen GeschĂ€fte laut einer Bundesbank-Analyse vom vergangenen Jahr weg, wenn die Kundschaft mit Schein und MĂŒnze zahlt oder die Girocard nutzt. Internationale Debitkarten (Visa/Mastercard) und Kreditkarten verursachen höhere Kosten.

Was passiert mit den PlÀnen des Finanzministeriums?

Zu den Eckpunkten können jetzt die anderen Ministerien Stellung nehmen. Bis ein Gesetzentwurf geschrieben wird, kann es noch einige Änderungen geben, genauso vor einem Beschluss im Bundestag.

Ziel des Finanzministeriums ist, dass der Entwurf noch in diesem Jahr im Kabinett beschlossen und dann 2027 umgesetzt wird. 

Was halten die betroffenen Branchen von den PlÀnen?

Gesetzliche Vorgaben seien völlig unnötig, sie schafften nur zusĂ€tzliche BĂŒrokratie und Unsicherheiten, sagte Ulrich BinnebĂ¶ĂŸel vom Handelsverband Deutschland (HDE). «Denn eine einzelne Akzeptanz heißt immer, dass die ganze Bandbreite an Karten akzeptiert werden muss. Ansonsten entstehen komplizierte KundengesprĂ€che, die Ärger machen, sowie Zeit und Geld kosten.» FĂŒr HĂ€ndler entstĂŒnden zusĂ€tzliche Kosten. Der Verband fordert deshalb eine Möglichkeit, KartengebĂŒhren an Kunden weitergeben zu können.

Was sagen Experten?

WĂ€hrend der Pandemie habe sich ein Großteil der Bevölkerung an die bargeldlose Bezahlung gewöhnt, sagt Kai Hudetz vom Handelsforschungsinstitut IFH Köln. «Bargeldlose Bezahlmöglichkeiten sind im Handel lĂ€ngst kein Zusatzangebot mehr, sondern werden von vielen Konsumentinnen und Konsumenten als Standard erwartet.» Dennoch sei Bargeld vor allem bei Ă€lteren Menschen hĂ€ufig weiterhin das bevorzugte Zahlungsmittel. «Insofern macht die Wahlfreiheit absolut Sinn.»

Philipp HĂŒbner, Zahlungsexperte beim Forschungsinstitut EHI, sagte: «Da mittelstĂ€ndische und große HĂ€ndler nahezu ausnahmslos mindestens eine bargeldlose Zahlungsart anbieten, ist diese Regelung fĂŒr diese in der Praxis weitgehend irrelevant.» Ausgenommen seien möglicherweise sehr kleine GeschĂ€fte und Kioske.

Disclaimer...
de | wirtschaft | 70084734 |