China-Reise: Deutsche Firmen erwarten RĂŒckhalt vom Kanzler
10.04.2024 - 11:07:54Bundeskanzler Olaf Scholz muss bei seinem China-Besuch nach Meinung der deutschen Auslandshandelskammer (AHK) fĂŒr Unternehmen aus der Bundesrepublik deutliche Worte finden. «Die Erwartung ist natĂŒrlich, dass wir hoffen, dass Bundeskanzler Scholz die Herausforderungen, die wir hier haben, verstĂ€ndlich macht», sagte Maximilian Butek, geschĂ€ftsfĂŒhrendes Vorstandsmitglied der Deutschen Handelskammer in Ostchina, in Peking.
Die chinesische ParteifĂŒhrung mĂŒsse auf oberster Ebene verstehen, dass die deutschen Firmen in China Probleme hĂ€tten. Sie stĂŒnden einer weiteren Erfolgsstory der deutsch-chinesischen Beziehung im wirtschaftlichen Sinne im Weg.Â
Vertrauen zwischen Berlin und Peking wiederherstellen
Scholz könne nicht jedes Problem im Detail ansprechen, gestand Butek ein. Er erwarte aber, dass ein regelmĂ€Ăiger Austausch der Behörden beider Seiten wiederbelebt werde. Zwischen China und Deutschland muss ihm zufolge wieder Vertrauen zwischen den Regierungen geschaffen werden, damit Probleme miteinander besprochen werden können. Der Kanzler werde nicht nur den deutschen, sondern in gewisser Weise auch den europĂ€ischen Hut auf haben, sagte Butek.
Drei Stationen in China
Scholz reist am Samstag fĂŒr drei Tage die Volksrepublik und will dort Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping treffen. Es ist die zweite Reise des Kanzlers in die Volksrepublik seit seinem Amtsantritt im Dezember 2021. Sein Antrittsbesuch im November 2022 war wegen der noch anhaltenden Corona-Pandemie nur ein Tagestrip. Seine Reise beginnt in der zentralchinesischen Mega-Stadt Chongqing, die ihre gesamten Verwaltungsbezirke zusammengerechnet mehr als 30 Millionen Einwohner hat. Chongqing ist auch der Beginn einer GĂŒterzugverbindung zwischen China und Europa, die im nordrhein-westfĂ€lischen Duisburg endet. Laut chinesischen Angaben erreichen auf dieser Strecke jede Woche geschĂ€tzt 60 ZĂŒge die Stadt im Ruhrgebiet, von wo aus Schiffe die GĂŒter etwa ĂŒber den Binnenhafen weitertransportieren.Â
Scholz wird auĂerdem in der Finanzmetropole Shanghai und der chinesischen Hauptstadt Peking zu GesprĂ€chen erwartet. Mit dabei ist auch eine Delegation aus Wirtschaftsvertretern. Die Probleme, die Deutschland etwa durch billige Produkte aus China auf dem eigenen Markt hat, und jene, die deutsche Unternehmen in China haben, könnten damit auch zur Sprache kommen.
«Brauchen UnterstĂŒtzung der Politik»
Viele der etwa 5000 deutschen Unternehmen kritisieren seit Jahren immer wieder dieselben Schwierigkeiten auf dem Markt der zweitgröĂten Volkswirtschaft der Welt. Rund zwei Drittel beklagten laut einer Erhebung der AHK unfairen Wettbewerb. «Wir sehen, dass das Thema Wettbewerbsbedingungen eine andere PrioritĂ€t hat als es noch vor fĂŒnf Jahren hatte», sagte Butek. Chinesische Unternehmen hĂ€tten technologisch aufgeholt. «Von daher mĂŒssen wir jetzt wirklich die UnterstĂŒtzung von der Politik haben, dass hier Verhandlungen aufgenommen werden», erklĂ€rte er.Â
An der Umfrage beteiligten sich 150 der mehr als 2000 AHK-Mitgliedsunternehmen. Ein GroĂteil kam demnach aus den Branchen Maschinenbau, Autoindustrie und Business-Dienstleistungen. Dabei sind chinesische Privatunternehmen zu 52 Prozent die Hauptwettbewerber.Â
Nachteile entstehen den Unternehmen laut der Umfrage zum Beispiel durch einen erschwerten Marktzugang. Zudem seien die Regierung, lokale Behörden und öffentliche Ausschreibungen fĂŒr die Firmen schwerer zugĂ€nglich. Nahezu alle Befragten (95 Prozent) sahen in dem verschĂ€rften Wettbewerb Auswirkungen auf ihr GeschĂ€ft und nannten etwa erhöhten Kostendruck, verminderten Gewinn und geringere Marktanteile als Hauptfolgen.Â
StÀrken und SchwÀchen der Deutschen
Schon in einer vorangegangenen Umfrage wurde deutlich, dass deutsche Firmen in manchen Branchen wie etwa der Automobilindustrie ihre chinesischen Mitbewerber als InnovationsfĂŒhrer sehen. Gerade in China bestimmten Autobauer wie BYD mit ihren kostengĂŒnstigen E-Autos den dortigen Markt, in dem auch deutsche Konzerne wie VW und Mercedes versuchen, nicht den Anschluss zu verlieren.Â
Trotz allem sahen sich die deutschen Unternehmen in Bezug auf ProduktqualitĂ€t, technischer FĂŒhrerschaft und InnovationsstĂ€rke ihren chinesischen Konkurrenten gegenĂŒber im Vorteil. Jedoch zeigte die Befragung der AHK auch, dass sich die Deutschen verglichen mit ihren chinesischen Wettbewerbern etwa bei Kosteneffizienz, Innovationsgeschwindigkeit und der Zeit, bis ein Produkt auf den Markt eingefĂŒhrt wird, fĂŒr schwĂ€cher hielten.Â
China als Markt ist fĂŒr eine erhebliche Zahl deutscher Unternehmen jedoch unabkömmlich, weshalb viele dort weiter investieren wollen - trotz der Strategie der Bundesregierung, das Risiko einer zu starken AbhĂ€ngigkeit von China zu senken. «Laut unseren Umfragen haben etwa die HĂ€lfte der deutschen Unternehmen MaĂnahmen ergriffen, um Risiken aus ihrem China-GeschĂ€ft zu mindern», sagte Butek der Deutschen Presse-Agentur. Risikomanagement bedeute keine Abkehr vom chinesischen Markt. Viele Unternehmen investierten vermehrt in Lokalisierung â sei es in China oder in anderen MĂ€rkten weltweit, sagte Butek. Einige Unternehmensleitungen entschieden etwa, Forschung und Entwicklung in China zu lokalisieren. Andere arbeiten vermehrt mit lokalen Partnern zusammen, um ihre Lieferkette von Krisen oder VerĂ€nderungen auĂerhalb Chinas unabhĂ€ngiger zu machen.


