Whistleblower-Schutz: Meldungen in Italien um 83% gestiegen
23.06.2026 - 22:08:28 | boerse-global.de
Juni machen Organisationen weltweit auf die Risiken fĂŒr Hinweisgeber aufmerksam. Die Forderung: strengere Gesetze und ein kultureller Wandel im Umgang mit Korruptionsmeldungen.
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Internationale Forderungen nach mehr Schutz
Der Internationale Journalistenverband (IFJ) fordert stĂ€rkere Gesetze zum Schutz von Whistleblowern. IFJ-PrĂ€sidentin Zuliana Lainez betont: Hinweisgeber seien wesentliche VerbĂŒndete fĂŒr Journalisten und den Erhalt demokratischer Strukturen.
Der Verband verlangt umfassende Reformen: rechtliche ImmunitÀt, Sicherheit vor Entlassung, BelÀstigung und Diskriminierung. Als Belege dienen historische FÀlle wie Edward Snowden (2013) oder David McBride (2014).
Europa: EU-Richtlinie reicht nicht
In Italien zeigt sich ein gemischtes Bild. Transparency Italia verzeichnete 2025 insgesamt 44 Meldungen â ein deutlicher Anstieg gegenĂŒber 24 im Jahr 2024. Trotz Umsetzung der EU-Richtlinie 1937/2019 sind Hinweisgeber weiterhin Repressalien ausgesetzt.
Ein positives Signal: Das Verwaltungsgericht Piemont setzte die KĂŒndigung eines Polizeibeamten aus, der MissstĂ€nde im GefĂ€ngniswesen öffentlich gemacht hatte.
KPMG Australia: Chairman tritt zurĂŒck
Die Relevanz von Whistleblowing fĂŒr Unternehmen zeigt der Fall KPMG Australia. Chairman Martin Sheppard und zwei Audit-Partner legten ihre Ămter nieder.
Hintergrund: Ein Hinweisgeber warf ihnen vor, vertrauliche Unterlagen des Unternehmens Lendlease unrechtmĂ€Ăig zur Akquise von Audit-AuftrĂ€gen genutzt zu haben. Die australische Regulierungsbehörde ermittelt nun gegen die betroffenen Partner. KPMG kĂŒndigte an, den Vorsitz kĂŒnftig unabhĂ€ngig besetzen zu wollen.
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Technologische Lösungen gegen Korruption
In Kuwait setzt die Anti-Korruptionsbehörde Nazaha auf Digitalisierung. Am 23. Juni startete eine Pilotphase fĂŒr neue E-Dienste in der Sahel-App. Nutzer können Korruptionsmeldungen vertraulich einreichen, Dokumente hochladen und den Bearbeitungsstatus verfolgen.
Montenegro: Schutzgesetz fehlt
Anders sieht es in Montenegro aus. Die NGO MANS bemÀngelt das Fehlen eines speziellen Schutzgesetzes. Behörden konzentrierten sich oft darauf, die IdentitÀt der Melder aufzudecken, statt die gemeldeten MissstÀnde zu sanktionieren. Zudem leiden Aufsichtsbehörden unter personellen EngpÀssen.
Gesellschaftliche Sensibilisierung
Transparency Deutschland veröffentlichte zum Gedenktag ein Interview mit einer anonymen Hinweisgeberin. Sie berichtete von jahrelangem Machtmissbrauch durch einen Vorgesetzten. Erst durch ihren Hinweis konnten Ermittlungen eingeleitet werden â die spĂ€ter zu einem Gerichtsverfahren fĂŒhrten.
In Nigeria setzt Step Up Nigeria auf kreative AnsĂ€tze. Der Verein schloss einen Wettbewerb mit 172 Teilnehmern aus 31 Bundesstaaten ab. Musik, Poesie und KunstbeitrĂ€ge zum Thema Whistleblowing sollen das Bewusstsein fĂŒr Transparenz stĂ€rken.
Die wirtschaftliche Relevanz zeigt die nigerianische Behörde EFCC: Zwischen Mai 2023 und Mai 2024 erzielte sie ĂŒber 3.400 Verurteilungen und gewann betrĂ€chtliche Summen an Geldern zurĂŒck.
