GrĂŒne, FDP-Kritik

GrĂŒne: FDP-Kritik an Lieferkettengesetz beschĂ€digt Ansehen

17.01.2024 - 04:43:18 | dpa.de

Wie stark mĂŒssen Unternehmen dafĂŒr in die Pflicht genommen werden, wenn sie von Ausbeutung in ihren Lieferketten profitieren? Eigentlich gibt es seit gut einem Monat einen Kompromiss auf EU-Ebene.

Durch das Lieferkettengesetz sollen große Unternehmen zur Rechenschaft gezogen werden, wenn sie etwa von Kinder- oder Zwangsarbeit außerhalb der EU profitieren. - Foto: Christian Charisius/dpa
Durch das Lieferkettengesetz sollen große Unternehmen zur Rechenschaft gezogen werden, wenn sie etwa von Kinder- oder Zwangsarbeit außerhalb der EU profitieren. - Foto: Christian Charisius/dpa

Die FDP bringt nach Ansicht der GrĂŒnen-Europaabgeordneten Anna Cavazzini mit ihrer Kritik am EU-Lieferkettengesetz Deutschlands GlaubwĂŒrdigkeit in Gefahr. Sollten sich die Liberalen innerhalb der Bundesregierung mit ihrer am Anfang der Woche beschlossenen ablehnenden Haltung durchsetzen, sei das ein Desaster fĂŒr das Ansehen Deutschlands als zuverlĂ€ssiger Verhandlungspartner innerhalb der EU.

Durch das Lieferkettengesetz sollen große Unternehmen zur Rechenschaft gezogen werden, wenn sie etwa von Kinder- oder Zwangsarbeit außerhalb der EU profitieren. GrĂ¶ĂŸere Unternehmen mĂŒssen zudem einen Plan erstellen, der sicherstellt, dass ihr GeschĂ€ftsmodell und ihre Strategie mit dem Pariser Abkommen zum Klimawandel vereinbar sind, wie die EU-Staaten mitteilten.

Kompromiss zu dem Vorhaben

UnterhÀndlerinnen und UnterhÀndler des Europaparlaments und der EU-Staaten hatten sich Mitte Dezember auf einen Kompromiss zu dem Vorhaben geeinigt. Noch gibt es aber lediglich einen politischen Deal. Ein genauer Rechtstext wird derzeit von Beamten ausgearbeitet - dieser könnte in den kommenden Wochen fertiggestellt werden. 

Erst dann ist abschließend geklĂ€rt, ob sich in dem Gesetz fĂŒr die Bundesregierung untragbare Positionen finden. Fast alle EU-Gesetze werden aber nach der Einigung der UnterhĂ€ndler des Parlaments und der EU-Staaten nicht mehr neu verhandelt.

Die Bundesregierung dĂŒrfte - wie die anderen EU-Staaten auch - vorab klargemacht haben, unter welchen Bedingungen sie dem Lieferkettengesetz zustimmen kann. Es wĂ€re also ein ungewöhnlicher Vorgang, sollte sich doch keine Mehrheit fĂŒr den ausgehandelten Kompromiss finden.

Parallele zum Verbrenner-Streit

Ausgeschlossen ist das aber nicht, bereits beim Streit um ein Aus fĂŒr Neuwagen mit Verbrennungsmotor hatte Deutschland - vor allem auf DrĂ€ngen der FDP - Nachforderungen gestellt. Cavazzini sieht in den Forderungen der Liberalen zum Lieferkettengesetz daher eine Parallele zum Verbrenner-Streit. Das PrĂ€sidium der FDP hatte am Montag in Berlin beschlossen, einen Stopp des Vorhabens zu fordern. «Den aktuellen Entwurf der EU-Lieferkettenrichtlinien lehnen wir ab», heißt es in dem Papier. Es drohe sonst unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸige BĂŒrokratie, Rechtsunsicherheit und eine Wettbewerbsverzerrung.

In Kreisen der UnterhĂ€ndlerinnen und UnterhĂ€ndler des EU-Lieferkettengesetzes gab es wenig Verwunderung ĂŒber den Vorstoß der deutschen Liberalen. «Die FDP war von Anfang an gegen diese Richtlinie, ebenso wie eine Minderheit in der deutschen Wirtschaft», sagte eine Quelle mit direktem Wissen ĂŒber die Verhandlungen der Deutschen Presse-Agentur. Den UnterhĂ€ndlern der EU-Staaten seien die Bedenken einiger Mitglieder der deutschen Regierung sehr bewusst gewesen und sie hĂ€tten sich bemĂŒht, diese vollstĂ€ndig zu berĂŒcksichtigen.

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