Transparenz, FernwÀrmekunden

Mehr Transparenz fĂŒr FernwĂ€rmekunden - was Habeck plant

31.07.2024 - 16:22:12

Wieder mal das Thema Heizungen. Dieses Mal geht es um den FernwĂ€rmemarkt. Wirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck plant Änderungen.

FernwĂ€rme soll bei der Heizungswende eine immer wichtigere Rolle spielen - VerbraucherschĂŒtzer aber fordern seit langem, der Markt mĂŒsse verbraucherfreundlicher werden. Das Bundeswirtschaftsministerium will nun mehr Kostentransparenz herstellen. Zudem soll der Schutz von Verbrauchern vor zu hohen FernwĂ€rmepreisen gestĂ€rkt werden, wie das Ministerium mitteilte. Geplant ist eine Änderung der FernwĂ€rme-Verordnung. Dadurch sollten «wesentliche wettbewerbs- und kundenfreundliche Verbesserungen» fĂŒr mehr Transparenz und FlexibilitĂ€t bei den Versorgungsbedingungen erreicht werden.

Was geplant ist 

Veröffentlichungspflichten der FernwĂ€rmeversorgungsunternehmen sollen erweitert werden. So soll kĂŒnftig eine Musterrechnung im Internet veröffentlicht werden, aus welcher sich die Anwendung einer etwaigen PreisĂ€nderungsklausel verstĂ€ndlich nachvollziehen lĂ€sst, wie aus dem Referentenentwurf hervorgeht. Auch Preisbestandteile sollen aufgefĂŒhrt werden. Zudem sollen «Anpassungsrechte» des Kunden bezĂŒglich der vertraglich vereinbarten WĂ€rmeleistung festgelegt werden. Die Laufzeit des Versorgungsvertrages fĂŒr FolgevertrĂ€ge soll verkĂŒrzt werden, von 10 auf 5 Jahre.

Aus Sicht von VerbraucherschĂŒtzern ist derzeit fĂŒr Verbraucherinnen und Verbraucher schwer nachvollziehbar, wie Preise bei FernwĂ€rme gebildet werden. Die Preise fĂŒr FernwĂ€rme in Deutschland unterschieden sich regional deutlich.

Wie Deutschland heizt 

Rund 70 Prozent der Heizungen in Deutschland werden mit Gas oder Öl betrieben, wie aus Daten des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) zum Heizungsmarkt 2023 hervorgeht. Der Anteil der FernwĂ€rme lagt demnach bei rund 15 Prozent aller Wohnungen – Tendenz steigend.

FernwÀrme ist WÀrme, die nicht im Wohnhaus erzeugt wird, sondern aus einem Kraft- oder Heizwerk in der Umgebung kommt. Meistens wird dort Wasser erhitzt, das dann durch isolierte Rohre in die HÀuser geleitet wird. Perspektivisch sollen die WÀrmenetze zunehmend aus erneuerbaren Energien gespeist werden.

Bei der Heizungswende, dem allmĂ€hlichen Ersatz fossiler Heizungen, soll die FernwĂ€rme ausgebaut werden - im Zuge der kommunalen WĂ€rmeplanung. Diese soll in GroßstĂ€dten ab Mitte 2026 und fĂŒr die restlichen Kommunen ab Mitte 2028 vorliegen. HauseigentĂŒmer sollen dann Klarheit haben, ob sie zum Beispiel an ein FernwĂ€rmenetz angeschlossen werden oder ob sie sich bei einer neuen Heizung um eigene dezentrale Lösungen kĂŒmmern sollen - zum Beispiel um eine WĂ€rmepumpe.

Was VerbraucherschĂŒtzer sagen

Der Entwurf des Ministeriums enthalte einige Fortschritte fĂŒr private Verbraucher, sagte Thomas Engelke, Leiter Team Energie und Bauen beim Verbraucherzentrale-Bundesverband. Er nannte etwa mehr Transparenz bei der Veröffentlichung von Informationen im Internet und die Konkretisierung einiger Vorgaben zu PreisĂ€nderungsklauseln. 

Ein zentraler Punkt fehle dagegen, nĂ€mlich eine bundesweite Preisaufsicht, so Engelke. Der FernwĂ€rmemarkt stelle im Energiesektor das stĂ€rkste Monopol dar. «Dennoch fehlt eine zentrale Preisaufsicht bei einer Bundesbehörde.» Verbraucherinnen und Verbraucher mĂŒssten wirkungsvoll vor «schwarzen Schafen» geschĂŒtzt werden. 

Was die Energiebranche sagt

BDEW-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrerin Kerstin Andreae sagte, der Ausbau und die Dekarbonisierung der FernwĂ€rme spiele bei der WĂ€rmewende eine zentrale Rolle. Es seien sowohl Investitionen in den Bestand als auch erhebliche Neuinvestitionen notwendig. Dazu brauche es Planungs- und Investitionssicherheit. Deshalb sei es richtig, dass der Entwurf vorsehe, die Vertragslaufzeit bei zehn Jahren fĂŒr ErstvertrĂ€ge zu belassen. «Gut ist, dass im Gesetzentwurf kein Price Cap vorgesehen ist. Dies wĂ€re ein starker Markteingriff», sagte Andreae weiter. Unter Price Cap (englisch) versteht man die Regulierung des Höchstpreises. 

Die Monopolkommission hatte bei der FernwĂ€rme wegen der Monopolstellungen der Versorger vor ĂŒberhöhten Preisen gewarnt - dadurch könne die Akzeptanz fĂŒr die WĂ€rmewende in der Bevölkerung schwinden. Das Beratergremium der Bundesregierung schlug vor, eine «marktbasierte Preisbegrenzung» einzufĂŒhren. Im vergangenen November eröffnete das Bundeskartellamt ein Verfahren gegen sechs FernwĂ€rmeversorger wegen des Verdachts zu starker Preiserhöhungen. 

Verband gegen Preisaufsicht

Ingbert Liebing, HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer des Stadtwerkeverbands VKU, wandte sich gegen Forderungen nach einer Preisaufsicht. Dies wĂ€re «absolut kontraproduktiv» und eine Vollbremsung beim FernwĂ€rmeausbau. Die Preisbildung bei der FernwĂ€rme sei schon heute kein rechtsfreier Raum, es gebe bereits klare gesetzliche Regeln und funktionierende Kontrollmechanismen, zum Beispiel prĂŒften Kartellbehörden. Liebing verwies auch auf eine FernwĂ€rme-Preistransparenzplattform von EnergieverbĂ€nden fĂŒr mehr Transparenz.

Preise fĂŒr FernwĂ€rme

Ein Sprecher des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) sagte, jedes WĂ€rmenetz sei anders, ebenso die örtlichen Preise. Beispielsweise unterschieden sich die lokalen Energiequellen und die lokale Art der WĂ€rmeerzeugung. Die Gaspreise hĂ€tten sich im Großhandel nach den starken Preisanstiegen im Zeitraum 2022/23 mittlerweile stabilisiert. In der FernwĂ€rme wĂŒrden Großhandelspreise erst mit Verzögerung an die Kunden weitergereicht. Dieser Zeitverzug fĂŒhre dazu, dass Preisspitzen aufgefangen und zeitlich gestreckt wĂŒrden. 

Mit den Preisanpassungen zum Januar 2025 werde die «Energiepreis-Krise» bei der FernwĂ€rme sehr wahrscheinlich vollstĂ€ndig ĂŒberwunden sein. Zudem sagte er, der Vergleich zwischen FernwĂ€rme- und Gaspreisen sollte auf Basis eines «Vollkostenvergleichs» erfolgen, der unter anderem auch die Kosten eines Gaskessels und seinen Einbau berĂŒcksichtige.

 

@ dpa.de